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Full text of "Die exegetischen Scholien der Ilias im Codex Venetus B."

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I5505T 




Die 



Exegetischen Schollen der Ilias 



im 



Codex Venetus B. 



Eine philologisch-kritische Untersuchung 



von 



Adolph Boemer, 

k. Studienlehrer am Lndwigsgymnasium in München. 



^Nv' 



V!p,nx 







München, 1879. 

Verlag der J. Lindaaer'schen Buchhandlung. 

(Schöpping.) 



^^3 



f 



/. ^z. 



Meinem Freunde 



WILHELM MEYER 



aus Speyer. 



«Ount res quaedam huinanae, quibus yel cansilio ad- 
motus yel ut ego nunc fato adscitus nisi jocum adhibeas, 
non effugias mortem ut Consilium Pedantum, Stultorum In- 
stitutio, Grammaticorum correctio.* Hätte der unvergessliche 
L e h r s den Librarius der Schollen des Codex Venetus B, 
von dem unsere Untersuchung ein möglichst getreues Bild 
sine ira et studio zu entwerfen versucht hat, in seiner ganzen 
Nichtigkeit erkannt, er hätte gewiss einer eingehenden, mit 
so vielen Schwierigkeiten verbundenen Beschäftigung mit 
diesem dunklen Schreiber auch einen bescheidenen Platz ge- 
gönnt in jenem Kranze goldener und ewiger Wahrheiten ; 
denn die Durchforschung und Durcharbeitung dieser kaum 
zulässigen und noch dazu verschlechterten Scholiastenweisheit 
dürfte wohl gegründeten Anspruch wenigstens darauf erheben, 
unter jene menschlichen Dinge gezählt zu werden. 

Sieht man nämlich auch gänzUch ab von dem unge- 
heuren Abstand, der diese exegetischen Scholien 
der Ilias trennt von den sichern, auf dem methodischen 
Wege strenger Beobachtung, Forschung und Kritik ge- 
wonnenen Resultate eines Aristarch, ja verzichtet man 
auch einmal gern und willig auf die siJngen Forderungen 
der Wissenschaft, wie sie jener grosse Alexandriner erkannt, 
vertreten und hochgehalten, um an der Hand anderer Führer 
die herrlichen homerischen Gesänge mehr stimmungsvoll zu 



- VI - 

erfassen und zu gemessen, als wissenschaftlicli zu durch- 
forschen und zu begreifen : der in dieser Beziehung von den 
exegetischen Scholien gemachte Versuch, so achtenswert auch 
seine Tendenz und so glücklich auch manchmal die genom- 
menen Anläufe sind, muss im Grossen und Ganzen als un- 
glücklich und verfehlt betrachtet werden. 

Wir stehen gewiss nicht unter dem Banne modemer 
ästhetischer Phrasen, wenn wir für die unvergängHchen 
Werke der griechischen Poesie das ästhetische Verständ- 
niss, die ästhetische Würdigung derselben als erste und 
letzte Forderung festhalten : natürlich jenes ästhetische Ver- 
ständniss, das sich aufbaut auf treuer, hingebender Arbeit, 
das unter der verwirrenden Menge von Einzelnheiten das 
grosse Ganze fest und sicher im Auge behalt und das weit 
entfernt ist von jenem wohlfeilen' ästhetisirenden Dilettantis- 
mus, der bei seinen Entscheidungen durch Worte und deren 
Bedeutung sich nicht im Mindesten beengt fühlt, ja der viel- 
fach nicht einmal über die Bedingimgen und Voraussetzungen 
sich klar ist, unter denen dieses oder jenes Kunstwerk beur- 
teilt werden muss. 

»» 

Auf das ästhetische Verständniss der homerischen Poesie 
arbeiten nun die exegetischen Scholien vielfach, wenn auch 
nicht ausschliesslich hin ; aber sie sind doch nicht die rich- 
tigen Führer in diesem herrlichen Garten; denn die aller- 
wichtigste Frage, von deren Beantwortung das Stichwort 
ausgeht flir die allein richtige Interpretation des einfachsten 
aller Dichter, die sich also Jeder nach der eindruckvoUen 
Leetüre dieser Gesänge vorlegt und vorlegen muss, diese aller- 
wichtigste Frage nach dem bewussten oder naiven Kimst- 
schaffen des Dichters haben sie nur zu einseitig im ersteren 
Sinne beantwortet. Wir können ihnen hier nur eine Strecke 
und nur mit Vorsicht folgen. Gern überlassen wir uns ihrer 
Führimg da, wo sie im Entwurf und in der Gestaltimg 
ganzer Scenen auf die sicher zeichnende und künstlerisch 



— vn — 

gestaltende Hand des Dichters hinweisen. Denn in den ein- 
zehien Scenen der homerischen Gredichte hört man, ich möchte 
sagen, den Pulsschlag eines mit künstlerischem Bewnsstsein 
arbeitenden Dichters zu mächtig und überlaut, als dass man 
das mit den schemenhaften Vorstellungen von einer naiv 
schaffenden Yolkspoesie vereinigen könnte. Ich möchte hier 
einmal auf die Teichoscopie hinweisen, nicht auf die einzelnen 
und besonders ^charakteristischen Momente derselben, sondern 
auf die Führung und Gestaltung der ganzen herrlichen Scene, 
um mir die Frage nach einem künstlerisch oder naiv schaffen- 
den Dichter zu beantworten. Da sind es nun folgende Punkte, 
die uns zur unzweifelhaft richtigen Beantwortung dieser Frage 
führen können : 

1) Es folgen da nicht die Fragen des Priamus und die 
Antworten der Helena Schlag auf Schlag in trockener 
Weise aufeinander : sondern es ist ganz anders : sie 
sind in der glückhchsten Weise unterbrochen durch 
die Reden des Priamus und Antenor. 

2) Wie weit dehnt der Dichter diese Fragen und Ant- 
worten aus? Keine Spur von einer langen, durch 
Gleichförmigkeit ermüdenden und leicht ans Trockene 
streifenden Aufzählung ! 

3) Wie kommt nun da der Dichter zu Ende, wie ge- 
staltet er sich den Schluss ? Das denke ich mir in 
diesem Frage- und Antwortspiel ganz besonders 
schwierig ! Man lese es bei ihm selbst : der Reihe 
der geschilderten Helden fügt Helena von sich aus 
noch den Idomeneus bei und der Dichter steuert 
dem Schluss der Scene zu : man sieht es deutlich 
aus V 234. 235 und da hat er sich denn noch einen 
Gedanken (236 ff.) erfanden, der so einzig und 
wunderbar in die ganze Seelenstimmung der Helena, 
die wir hier kennen lernen, hineinpasst, dass ich 



— vm — 

kaum etwas ähnHch Scjiönes und Ergreifendes in 
der ganzen üias aufweisen könnte. Und wie er nun 
selbst wieder das Wort ergreift in jenen ernsten 
und ruhigen Versen 243. 244 — das ist ebenfalls 
ganz einzig ! 

Was ist das ? fragen wir. Das letztere ist wenigstens 
nach Lachmann Betrachtungen p. 15 eine Ungeschicklich- 
keit, eine Kinderei! ^Aber den ungeschickten Uebergang 
von Ajas auf Idomeneus, nach dem gar nicht gefragt war, 
möchte ich ihm doch nicht zutrauen* (nämlich nicht dem 
Dichter, sondern dem Interpolator). 

Haben wir hier — so fragen wir also wieder — einen 
mit künstlerischem Bewusstsein oder naiv schaffenden Dichter 
vor uns ? Für diejenigen nun , die sich so vieler vollendet 
schöner Einzelscenen in den beiden Epen erinnern, ist die 
Beantwortung dieser Frage gewiss entschieden und man wird 
also auch da, wo unsere Scholiasten auf Solches und Aehn- 
liches hinweisen, ihnen getrost folgen dürfen. Nicht so, 
wenn sie sich auf die Erklärung und künstlerisch-ästhetische 
Würdigung des einzelnen Ausdruckes, der einzelnen Worte 
und Verse einlassen. Hier hat sie die einseitige Vorstellung 
von einem auch in den unbedeutendsten Nüancirungen des 
Ausdruckes noch mit bewusster Absichtlichkeit schaffenden 
Dichter ganz entschieden auf Abwege geführt. Denn es 
sind und bleiben Abwege, wenn sie auch in neuerer Zeit 
Dr. Albert Bischoff, übrigens von den besten Inten- 
tionen beseelt, in seinem Buche »Ueber homerische Poesie* 
wieder gewandelt ist. 

Die homerische Poesie ist doch im Einzelnen einfach, 
gibt sich einfach und will auch in der einfachsten Weise 
gefasst und genossen sein. Nur in dem lebendigen Nach- 
fühlen, in dem lebendigen Ergreifen dieser Einfachheit im 
Einzelnen Uegb das All des Genusses und Verständnisses : 



— IX — 

eine solche Poesie verträgt am allerwenigsten das un- 
natürliche Pressen des einzelnen Wortes und Ausdruckes, 
um die bewusste Absichtlichkeit des Dichters, sein vollendetes 
Kunstvermögen hierin aufzuzeigen. 

So schön und geistreich auch manchmal die Einfälle 
in dieser Richtung sein mögea, sie können nicht bestehen, 
wenn man als letzte Instanz den ganzen Charakter dieser 
Gedichte über die Zulässigkeit einer solchen Erklärungs- 
weise befragt. Da sprudelt ein frischer, lebendiger natür- 
licher Quell — ruhig und klar fliesst er dahin und wie man 
nicht weiss, „von wannen er kommt und braust", so ver- 
trägt er auch nicht durchgängig die Analysirung des ein- 
zelnen Tropfens zur Prüftmg echt - poetisch - homerischen 
Stempels. Und wenn man auch himdertmal von diesem 
oder jenem Worte, von dieser oder jener Nuancirung des 
Ausdrucks gepackt wird und dann den gewonnenen Eindruck 
mühsam in Worte kleidet, man wird sich doch da immer 
fragen müssen und ehrlich fragen müssen : hat der einfachste 
aller Dichter — der bonus Homerus — mit bewusster Ab- 
sicht auf die Hervorbringimg eines solchen Eindruckes hin- 
gearbeitet ? In den meisten Fällen wird man sich diese 
Frage sowohl den Versuchen dieser Scholiasten wie denen 
der Neueren gegenüber mit „Nein* beantworten müssen. In 
diesem Kreise bewegt sich ein grosser, wenn nicht der grösste 
Teil dieser Scholien. 

Eine ganze Reihe anderer Scholien beschäftigt sich 
wieder mit Ttqoßhfiiiaxa und Xvaeig von Aristoteles und 
Porphyrius, wie wir dieselben schon in der Poetik des 
grossen Philosophen angeregt und behandelt finden c. 25 ff. 
Gerade an ihnen kann man am deutlichsten erkennen, was 
Aristarch und seine Schule unserer Wissenschaft ge- 
leistet haben. 

Von allen Scholien aber verdienen wohl unstreitig 
diejenigen am meisten Beachtung, welche sich über den 



— X — 

Charakter der homerischen Poesie, über Darstellung, Cha- 
rakteristik und Aehnliches verbreiten, und feie verdienen dies 
um so mehr, als sie sich in einigen, wenn auch wenigen 
Punkten berühren mit Lehren, welche uns Aristoteles in 
seiner Poetik über das Epos hinterlassen hat. Es dürfte 
daher an diesem Orte ein kurzer Hinweis und eine kurze 
Skizzirung derselben, die von Vollständigkeit selbstversland- 
Kch absieht, nicht unwillkommen sein. 

Beginnen wit zunächst mit der 
Auffassung der Homerischen Poesie überhaupt. 

Da begegnen uns ganz überraschende Sätze: 

1) Sie verteidigen den Dichter gegen Plato und andere 
Phüosophen und suchen ihnen gegenüber einer richtigen 
Auffassung der homerischen Poesie Bahn zu brechen. So 
lesen wir unter Anderm S 344 : rgeig de elai rqoTtoiy xa^' 
ovg näoa Ttoirjaig d^ewqBiTaiy 6 fÄifirjrmdg rov alrjd-ovgy 
g)iXon:d'Vü)Q f fÄiaoyvvrjg, aTtiotog^ naQQrjaiaarrig y ö '^axä 
g)avraaiav Tifg aXrjd-eiag, ov öei f^rj xard f^CQog i^erd- 
Z^LVf OLOv ovx OTL rpvxcit yevovraL xal Xakovat, ndvriog igei 
rig %al yXäaaav exovai nat ßqoyxov, TQiTog öi 6 xa^' 
VTtiQd-BOiv T^g dlrjd'eiag y,at (pavTaaiag KvxXcoTteg, 
^acavQvyoveg xal xavxa rd Ttegt &ewv : — S 176: fÄ€fÄq)e'' 
rav öi nXdxtav tov xoof^ov, dyvowv log dvx^^TtOTcad^elg 
Toüg d-eovg 6 noirjTtjg elgdyei : — ^ 521 : dvd-QiOTtona^elg 
de Ol ^OfirjQixol d'Boi : — Sie haben sogar eine ganz richtige 
Vorstellung von dem poetischen Wert der homerischen Götter- 
maschinerie : da lesen wir zu 428 : otwf eig rrpf d^iav 
drevlarj (zd) rüv d-ecSvy roxa q)r]atv avrovg fxij Tciveiad-ac 
Tceql xh^rjTwVf (og ovöe av i^f^eig Ttegl fiVQfzrpiwv. orav d^ 
eTtiXoyiatjvaL tiJv Ttoirjrmi^Vy ^nsxai To7g fiid-oig xal 
Trjv V7c6x^eaiv lycrqayiifdEi avf^fiaxiag xal d-eofiaxiag Tcaqd-- 
ytav : — 



— XI — 

2) Die Keime zu allen späteren Sidlgattungen, poetischen 
wie prosaischen, hegen schon im Homer. Dieser Satz be* 
g^net öfters unter anderm B 478 avyyQaq>€is fisv to dhj' 
S^ig fiezadicixovaij TQayixol di to aefivoTCQOVf x(Ofiixot de t6 
ei/xoöovj üLTCBQ OTtavta rtaqa t^ Ttoitjt^ eariv . . : — 

8) üebereinstinunen sie dagegen wieder mit Plato und 
Aristoteles '^) in der Auffa£eung der beiden homerischen Epen 
als grosser Tragödien. 

FreiHch wird auch auf den Unterschied und die ver- 
schiedenen Bedingungen beider Dichtungsarten hingewiesen 
in dem interessanten SchoUon zu 6 69 : Taika fiiv ovv Xe- 
yofieva ex^i q>avxaöiavj dQiofieva de oidiv ioTv dia ro 
avvfj&eg : — 

Beachtenswert sind folgende Sätze : 

a) Homer verfährt dramatisch. -^ 16 : a/ro tov dirj^ 
YrjfÄarniov im ro fÄifÄrjTmov fÄsreioi log ro jjiTrnevai 
fiiv TiQiOToig €7teT€ileT0^* (J 301) Z 46. (Arist. 
Poet. 1460 a 5—10). 

b) Homer hat zuerst stumme Personen und Kinder in 
die Tragödie eingeführt, ui 332 nqcjtog ^'OfitjQog 
TtQogwTta 'Kwq>ä elg rrjv TQaywöiav naQi^yaye : — 
Z 468 : fCQ&vog naiäag iv TQay(fiöi(f elgdyei : — 

c) üeber die Unterschiede beider Dichtungsarten ver- 
breiten sich ganz gut die SchoHen zu Z 58 .... 
6 3e dxQoarrig av&Qionog wv fiiaei to ayav nvKqdv 
aal OTtavd-qtonov. o&ev xdv Talg T^ayqtöiacg xqv" 
TiTOvai Tovg ÖQwvrag rd roiavTa ir raig oxr^valg, 
xal 7] qxavaig naiv e^anovofiavaig f} 5*' dyyiXiov 

*) Plato Rep. X. p. 607 a: "OfÄtjQOP TtotfjztxwTaToy elyai xai 
TtQiatov rwy TQay(p6o7toid)y ; ib. 595 c sotxe fjtkv ydg taiy xaXojy dnay- 
ttov Tovtuiy r^y rgayixaiy ngutos 6i6äaxak6g xe xal fjysfdtoy yeyia^au 
ib. 598 d Theaetet. p. 152 e. Arist. Poet. 1448 b 34. 



— XU — 

VGTSQOv arjjuaivovai zd Ttgaxd-ivTaj ovdiv oXlo ij 
q)oßov(ievoL firj avxol av/dfiiarj^wai roig dQWfiivoig. 
2 20. 21 wird der Tod des Patroclus dem Achilleus 
gemeldet ; da lesen wir in den Scholien : omc «^ij- 
hoaav tovto ol TgayiTcot, dXka volg XvTtovf^ivoig 
fiaxQag CTcayovai rag dirjyqaeig %wv avfxq>0Qwv : — 

4) Mit dieser Vorstellmig des Epos als einer grossen 
Tragödie hängt wohl die weitere zusammen, dass im Epos 
wie in der Tragödie der Charakter des Erhabenen, das ac^- 
vovj gewahrt werden muss. Wie oft musste aber der Dichter 
dagegen yerstossen ! Sie merken es an und wissen es auch 
zu entschuldigen. £408 nanTta^ova tv : hivd-dvei ro 
xajtBLvov xrjg Is^siog nagevred-ev xaJ äid to Xeyov aal 
did To dxovov TtQogiüTrov : — / 206 : elg TaTteivrjv rd^iv 
fiayeiQixrjv xareQxofievog ovdiv rjftxov rijV '^Qouxrjv qwXdTrei 
aef^voTrjTa. Steigt nun der Dichter zu Beschreibungen und 
Bildern herab, die weit von dem BegriflFe des aepLvov ent- 
fernt sind, da heben sie die schöne Sprache, die auch dem 
Niedrigen Reiz verleiht, in hohen Ausdrücken hervor: F 570 : 
ETii xd sXdxiOTa naTdyevai ro dqiiodiov x<^ nqdyiiaxL ^rjTcov, 
ai de ztoirjrixat Xe^eig emxalvTCTOvai to xaTteivov : — IT 7 : 
Xaßwv evTsXig Ttqayfjia pLByaXoTtqBitwg xat jucr' evaqyeiag in- 
q)€Qei : — ^ 346 : elg xaTtBivwv TtqayiidTwv dnayyBkiav tf^- 
Tteotiv ixdlvtpev avrd Tg avv&eaei tcjv inid-iriov. t6 de rd 
/LiiycQd xal ccdo^a iieyakonqenwg i^eveynelv xat aefivwg 
aTtayyelXai d'OviiaaLag xal fieyiorrig iaxi ävvdfiecjg : — 
P 389 : eari i^ evreXovg piev rj elytciv, irg de evaqyeiq xeKoa- 
firjrai : — 

Die homerische Darstellung und Erzählung. 

1) Homer ist ^i^rir^g r^g dhj^eiag: daher begleiten 
sie die Treue und Naturwahrheit seiner Darstellung mit den 
höchsten Ausdrücken Z 468: laßwv rotro ix, tov ßiov 6 
noirfcr^g ixKqtag TteQieyevevo rrjg fiifii^aecog : — ib 479. M 110 



— xm — 

fiif^ovfievog de 6 noujrtjg rrjv dXrjd'eiav ^va yovv xov anEt- 
d'ovvra elgdyei ib 343 eazi rjd-ixä tdvxa xat iyytjg äXri&eiagy 
aTteq axQwg ano^ipLeitaL 6 Ttoirjrrjg : — So begegnet hier 
sehr häufig der Ausdruck ßiarcixd. 

2) Die homerische Erzählung. Auf einige Eigentümlich- 
keiten hat schon Aristarch aufinerksam gemacht, andere 
werden von diesen Scholiasten hervorgehoben. Ich möchte 
nur auf folgende Sätze hinweisen: 

a) Der Dichter schickt das Endresultat voraus und holt 
dann die Schilderung der einzelnen Momente nach. 
JT 116 bemerkt Aristonicus: 6 fiiv ovv Idqiaxaqxog 
t6 aviiTciqaOfJia Xiyei nqouqrjod'ai^ elra '/.ata f^äQog 
i/tr^xQißaiad'ac ... : — Eine ähnliche Beobacht- 
ung berühren imsere Scholien ^ 8: TOiovTog iaxi 
iieq)aXauüdeig Tivdg sxdidovg ntQLOxdg xat i^ dva- 
OTQoq)^g xard f^iqog diriyovfievog : — -^ 93 : iv 
xeq)aXaioig euiwv wg dvi^qrjvtai t6 Ttwg endyei 
Y.axd fiigog : — JT 180: nqoBinwv t6 iieq>dXaioy 
ndXiv 87tt fiiqovg i^fiyeiTai : — ib 335 t6 dir^yri^a 
nard dvaOTQoqn^v : — 

b) Die Erzählungsmanier des Dichters macht sich auch 
da geltend, wo man es nicht erwartet z. B in Reden. 
Diese ganz feine Beobachtung geht von Aristarch 
aus. Aristonicus bemerkt zu -// 747 : ozl ixTveTt- 
Tijycov elg Ttoirjtixfjv xataayievrjv to Ttagrjyfiivov 
fiqwiTLOv nqogcjTvov xoira tijv noirjaiv. Man ver- 
gleiche die Scholien zu Z 377 : tov TtoiTjzov to 
enid^Bfcovj oi xov Ttqogwuov : — V zu il 7 : xavta 
ex TOV Tvoitjtixov TtqogwTCOv elaiv. TcoXXaxov ydq^ 
evdverai rd i^qwixd Tvqogwna : — 

c) Die Anschaulichkeit, die Plastik feiern sie in den 
höchsten Ausdrücken des Lobes. Sie ermüden nie, 
immer wieder imd wieder darauf hinzuweisen. Manch- 



— XIV — 

mal in ganz eigener Weise wie z/ 154: aipele rov 
atlxov xat Trjy aaqrr^veiav fdiv ov ßl(>ipeig, arco- 
Xiaeig di xi]v ivagyeiav . . . : — Gewohnlicli 
geschieht es in den Ausdrücken yQaq>ixüiQ — r evctQ- 
yäg, die unzahligemal in den Scholien begegnen. 
Das schönste, was ich in dieser Beziehung fand, 
sind die Worte Z 468 : ovtcjg df iauv ivagysiag 
^eatd rä ercrj^ ort ov piovov dxoverai ra nQdygxavaj 
olkd xal oQarai. Man yergl. B 307 fiovov ovxl xai 
XqdfiaOLv r^puv rdv Xoyov (an ro/rov?) eai^/iave : — 
iC 461 nartaxod'ev inivrjae trjv evaqyeiav. M 465 
wCTteQ int yQaqfijg deiTcwaiv : — 

d) Von der Lebendigkeit — der iveQyeux der Darstell- 
ung handebi ebenfalls viele Scholien. K 369 eveg- 
yeiag fieatog iatcv 6 iTtixqadaivtov ro dogv. M461 
Ttavtaxo&ev sxivrjae xrp^ eviqyBiav , . ; — 313 
Ttavraxod'Bv rrjv ivegyeiav t/v^rjaev . . : — Nicht 
selten weisen sie auch auf das Unerreichte und ün- 
nachahmliche der homerischen Darstellung hin : 
n 104 äfiifjirfua rovra xat yQaq>evaL xat TtXc- 
azaig : — O 325 lart änaqapiilXrjfca ravra rov 
^OfJiYiQov . . : — 

e) Die Mannigfaltigkeit, die Abwechselung in der Dar- 
stellung wird ebenfalls oft und fast immer in den 
gleichen Ausdrücken hervorgehoben: £ 143 oqa rtjv 
noixiXiav T^g eQf^rp^eiag : — H 339 Ttoiallkei avvri^tog 
rag TtXrjyag. ib 593 TtoixUug xQfj''^cti TJf ra^ei . . : — 
ib 321 vTteQqwiig ij novKiXla . . : — -/f 104 7t oi- 
nlXXei to v/ronei^evov . . : — E 167 ixxXivei ro 
cfioeidig . . : — H 11 xat diavaTtavei. /ro Ofio- 
eidig . . : — / 125 dianoTtvsi ro xov xaxaXoyov 
df^oaxrjfiov tcSv äciftov to OfxoBideg inxXivcüv : — 
Z 37 naXov enBLOodtov nqog i^aXhxyriv xavTOtTf- 
rog : — H 153 T^ärj nqogdoxov^hov xov Tcivdvvov 



— XV — 

rdiv vetüv dwTteQd-ercag eriQip eTceiaodup i%aivo- 
ftoirjac rr)y inod-eaiv. Daher heben sde das Neue 
in der Darstellung oft hervor: ui 130 Tiaivov ro 
T^g VTto&iaetog : — P 290 ivaQyrig xai xaivOTtQe" 
^Tfjg rj dia&BOig : — Dadurch wirkt die homerische 
Darstellung nie ermüdend : Tl 394 d^avi^daeiev äv 
rig n]v ^OfitjQOv gwaiv Tiotä TtolXoL (xat) ort hxv- 
d-avei ro Ofioia Xiytovy äare doxeiv aila aal aiXa 
liyeiv : — !P 689 TvaQozi^Qei noacmig elTviüv TveQc 
rrjg dvaiQeaecjg Hot^klKov ovöofiov TCQogxogrjg 

f) Die unübertroffenen homerischen Gleichnisse beglei- 
ten sie mit überschwänglichen Ausdrücken des Lobes. 
Auch finden sich andere ganz gute Winke bei ihnen. 
Dahin gehören 

1) Anwendimg der Oleichnisse in vorbereitenden Momenten: 

r 2 t6 iiivtOL diOTievov rrjg noQslag avaTtXr^qovaiv ai 
TtaQaßoXai : — 

2) Sie beziehen sich immer nur auf einen Punkt : 

P 666 ftgog tovto fxovov ij Ttaqaßohq , ta de ev ^iatfi 
^Qog ovdev s^eiqyaOTai : — z/ 483 fjiixQ'' rovTov ra rrjg 
oiLioiciaecog, ta öe Xoirtä ivaßqvvofievog q)r]ai xat dicinwv 
rrjv 'qdov'qv : — JI 391. 

3) Die Unübertrefflichkeit derselben : 

Wo mehrere Gleichnisse neben einander stehen B 455, 
bemerken sie: vvv fidXiata ij dvvafdig rov 7toir]tov, oti 
Y,ay htaarov TCQayfia diaq)6Q(ov elxovcjv evnoQel : — 
381 dsl kavTOv naQsvdoxif^el 6 ftoitjTi^g ralg öfioiw- 
aeaiv . . : — P 263 avTr] ij eluwv nkdrwvog exavae 
rd Tpoii^fxaza, ovrcog sveQyeareQov tov OQCJfiivov tc 
düovofievov TtaQiattjaiv : — 



1 



— XVI — 

g) Auf das Dichtergemtit des Homer weisen sie in ver- 
schiedenen Wendungen hin. Gemütsvolle Teilnahme 
des Dichters erkennen sie vor allem in der (xtvo- 
aTQoq)rj, JT787 ij dTvoatQOcprj ar^fiaivst tov aw- 
ax-ä-Of^evov . . . : — z/ 127 itQognijtov^e Meve- 
Xd(p 6 TtoirjrrJQy dio avvexioTBQov avxi^ diaXiye- 
rat : — Auch iV 180 eome 6 noirp^i^g irp ixeUtf 
avvdx^ead'ai : — 

h) Auf die von dem Dichter mit so einfachen und 
leichten Mitteln erzielte Spannung weisen sie öfters 
hin. In der Figur der dvaqxavrjOig 11 46 :. a« dva- 
qxjjvrjaeiq avxai rov dnQoazi^v STtaiQouaiv i^dr] Ttgog- 
öoTcaJvra to deivov : — und öfters. M 113 arnicof" 
tix(^ ovofxaTi TLbxqrjftaL ti^ vtjniog ev ralg dva- 
gxovriaeoi nai Tcdvv dq/iodii^ : — Dahin gehört 
wohl auch die Figur der nQoavaq)iüvr]aig. jB 39 ij 
TtQoavaqxivTjGig «yfi^txij : — E 662 TtQoavaqxoveiTat 
fiiv did TOV €Ti TOV tov 2aQ7tr]d6vog d'dvaxov : — 
Aber auch öfters erkennen sie in andern Wend- 
ungen diese bawusste Absicht des Dichters: Z 392 
Tovxo de g)i]aiVf %va 6 dxgoctri^g dycoviciregog yevij- 
Tai, : — J^ 151 Tolg (lev dxqoaTaig skTvlg '^v i^eiX- 
xtad'ai JldzQOnXoVf 6 di ndXiv iTCLTagavTet ttjv did- 
voiav : — iV 219 de 7toir]Trjg q)iXo7toixilog Siv 
dXXa insiadyei . . : — und öfters. 

i) Die rjd'OTtoita des Dichters heben sie ebenfalls oft 
rühmend hervor. Sie suchen freilich darin auch mehr 
didactische Tendenzen, als uns lieb ist. Was die vita 
des Sophocles so schlagend wahr von dem g)d6f4r]Qog 
2oq)oyd7Jg rühmt: ix fiixgov ruiLOTixiov ij li^ecog 
fiiag oXov i^d^OTtoielv nqoguiTtov^ das merkten unsere 
Scholiasten auch von Homer an: ^ 348 öid fiiäg 
Xd^ewg oloytlriQOv fiiuv xov TtgogwTvov ro tjd^og voeiv 
TLaxaliXotTtsv : — Z 62. 360 und öfters. Z 390 



*xvn — 



Hat i'aviv Idelv avTixelfieva xa ^rgogio/ta ^'Earogog 
— l^Xe^dvdgov : — ib 492 Sati de ijd'i] OKOTceiv 
iioL(poqa ^le^dviqov xal '^'Ektoqoq . . : — 

Ich könnte noch eine Menge von Beispielen anführen, 
woraus hervorgeht, dass diese Erklärer denn doch nicht 
bloss mit den Augen abgestumpfter Granmiatiker in den 
Homer hineingeschaut haben. Manche der hier mitgeteilten 
Bemerkungen verraten doch ein anerkennungswertes Ver- 
ständniss für Poesie, und wenn wir ihnen auch nicht folgen 
können. und wollen, wo sie den freien Fluss der süssen ho- 
merischen Rede durch ihre von der Rhetorik der späteren 
Zeit getrübte BriUe anschauen und beurteilen, so freut man 
sich doch einmal wenigstens einer Aesthetik begegnet zu 
sein , die für das , was sie sagen will , einen scharfen und 
klaren technischen Ausdruck hat, unter dem man sich etwas 
denken kann. Eine ganze Reihe der hier mitgeteilten Sätze 
treffen femer auch zusammen mit den schönen Ausführungen, 
wie sie uns Bergk in seiner Literaturgeschichte p 781 ff. 
gegeben hat. 

Es wäre gewiss eine dankenswerte Arbeit, wenn Jemand 
den Versuch machen würde, das hier zerstreute Material zu 
sammeln und zu ordnen, damit wir ein anschauliches Bild 
bekämen von der ästhetischen Kritik der Alten, wie wir sie 
in diesen Scholien und anderwärts ausgeübt finden. Aus 
leicht begreiflichen Gründen sind diejenigen Scholien in erster 
Reihe zu behandeln, die den Versuch machen, den Manieren 
des epischen Gesanges, der eigenen Verfahrungsweise des 
Dichters nachzuspüren. Es sind freilich nur Versuche und 
sie können natürlich nicht mit dem Gewichte allgemein an- 
erkannter Grundsätze auftreten und wirken. Dahin gehören 
unter andern die Schollen z. B. ^ 449 ä 72 und V zu JT 35. 
Verständig hat darüber Naber gesprochen Quaestiones epicae 
§ 3. Diese Scholien verdienen desswegen unser Interesse, 



— xvm — 

weil sie das ehrHche wissenschaftliche Sta-eben ver- 
raten , diese Gesetze des epischen Stiles da zu suchen , wo 
man sie möglicherweise noch finden kann : also im Homer 
selber. Die Modernen sind da weiter gegangen : jetzt schreibt 
man dem Dichter ex ingenio Gesetze vor: natürlich nur 
unzweifelhaft richtige Gesetze: verfehlt er sich dagegen: 
nun so wird er wie ein Schuljunge abgewandelt. »Hoc hodie 
saeculum est* meint Naber ganz gut. 

Darum greift man bei der Leetüre des Homer gelegent- 
lich auch einmal wieder zu diesen exegetischen Schollen : sie 
zeigen wenigstens das ehrliche Bestreben, dem Dichter ge- 
recht zu werden, sind voU Begeisterung für die Vorzüge der 
homerischen Poesie , und wenn sie sich auch nicht auf der 
Höhe von Aristarch und seiner Schule halten, so dankt man 
ihnen doch manchen schönen und anregenden Gedanken, der 
sie uns nicht ganz unwert erscheinen lässt. 



München, den 16. Juli 1879. 



Adolph Römer. 



niJixegetische SchoKen der Ilias** nennen wir der Kürze 
wegen alle diejenigen Scholien, welche nicht im Venet. A, 
sondern in andern Handschriften z. B. Townleanus, Ventetus B, 
Victorianus etc. enthalten sind nnd die es vorwiegend mit 
der Erklärung des Dichters zu thun haben. Dieselben be- 
rücksichtigen die Auszüge aus den Werken der Viermanner 
viel weniger als der Venet. A und stehen daher an Wert 
auch den Scholien jener Handschrift weit nach. 

Dieselben wurden zuerst von Villoison auf Grundlage 
des Cod. Venet. No 455 (Venet B) herausgegeben, (1788). 
Bekker hat in seiner neuen Scholienausgabe (1825) diesen 
Codex nicht verglichen, sondern ist dem ersten Herausgeber 
gefolgt, hat jedoch durch teilweises Heranziehen des Cod. 
Victorianus das Material bedeutend vermehrt. Erst in jüngster 
Zeit hat uns G. Dindorf durch Vol. III und IV seines gross 
angelegten Scholienwerkes die Scholien des Venetus B in der 
G^alt gegeben, wie sie in jenem Codex erhalten sind, 
(Oxonii 1877). Dindorf zweifelte natürlich keinen Augen- 
blick und die allgemeine bisher geltende Annahme bestärkte 
ihn in dem Glauben, dass von allen Codices, welche uns die 
exegetischen Scholien überliefern, der Venet. B. weitaus der 
beste sei und dass daneben den andern Handschriften keine 
oder doch nur eine untergeordnete Bedeutung zukomme. In 
der Praefat. Vol. IH. p. IX spricht er sich darüber dahin 
aus: „Codices scholiorum Veneto B non aequiparandi 
quidem, sed similes ei non pauci exstant cum infinita 

1 



\ 



— 2 — 

scripturae diversitate ....*, und er hat daher den Town- 
leanus, Scorialensis , Lcidensis, Harleanus ,^ Lipsiensis höchst 
selten und nur zur Emendation der Schollen des Venet. B 
herangezogen. 

Diesem Verfahren D.'s und seiner Vorgänger gegenüber 
sucht die nun folgende Untersuchung soweit als möglich den 
Beweis zu führen, dass es von Anfang an ein verfehlter Ge- 
danke und ein totaler Missgriff war, die exegetischen Schollen 
der Sias auf Grundlage des Venet. B. herauszugeben: Für 
die exegetischen Scholien der Ilias ist vielmehr 
der Townleanus (Victorianus) die Haupthand- 
schrift und die Venediger darf erst in zweiter 
Linie und nur mit der grössten Vorsicht heran- 
gezogen werden. 

Eine scharfe kritische Prüfung der Scholien des Venet. 
B und die Vergleichung derselben mit denen des Victorianus 
lehrt deutlich, dass wir es bei den Scholien der ersteren 
Handschrift mit einem ganz geriebenen, sich auf aUe Kunst- 
stücke und Kniffe der Abschreiber wohl verstehenden librarius 
zu tun haben, und man darf sich bei dem regen Betriebe 
dieser Studien in neuerer Zeit füglich wundem, dass diese 
interessante Persönlichkeit so lange imentdeckt blieb. Nun, ich 
denke, wenn wir den Schreiber im Folgenden in seiner ganzen 
Grösse werden kennen gelernt haben, wird er uns wohl nicht 
weiter mehr imponiren. Es ist freilich keine sonderlich an- 
mutende Arbeit, in den trüben Kanälen dieser vielfach über- 
flüssigen und noch dazu verschlechterten Scholiastenweisheit 
herum zu fahren, aber das eine Verdienstliche dürfte sie viel- 
leicht doch für sich in Anspruch nehmen, dass sie manche Ge- 
sichtspunkte erschliesst, die für die Scholienforschung über- 
haupt von Bedeutung sein können, und dass sie zum ersten Male 
auf dem Wege des Vergleichs imd der Kritik diejenige Re- 
daction der exegetischen Scholien der Sias aufzuweisen sucht, 
welcher ein zukünftiger Herausgeber vorwiegend folgen muss. 



— 3 — 

Viele dieser Scholien, die man bisher immer ohne den ge- 
ringsten Anstoss gelesen hat, bekommen durch diese kritisdie 
Beleuchtung ein ganz anderes Gesicht, und es ist doch wohl 
auch gut, wenn diese exegetischen Scholien denn doch 
in der Tat nicht schlechterer scheinen, aLs sie wirklich sind. 
Die Scholien des Venet. B. lassen sich leicht und be- 
quem in folgende 3 Classen theilen (vgLDindorf,Praefat.V.flF.) 

1) In die mit litterae numerales yersehenen Scholien, die 
ursprünglich nur allein in dieser Hdsch. gestanden 
zu haben scheinen. Gerade wie in andern Hand- 
schriften, so sind auch in diesem Codex Buchstaben 
über die einzelnen Worte des Textes gesetzt. Diesen 
entsprechen dieselben Buchstaben am Anfange der 
Scholien, so dass deren Bezug dadurch deutlich 
kennbar gemacht ist. 

2) Die zweite Classe der Scholien ist mit kleineren Buch- 
staben geschrieben und der Bezug derselben ist nicht 
durch Buchstaben, sondern durch eigene vor den- 
selben stehenden Zeichen angedeutet, welchen die- 
selben Zeichen über den einzelnen Worten des Textes 
entsprechen. 

3) Von diesen 2 Classen ist streng eine dritte zu scheiden, 
deren Scholien mit roten Zeichen und Initialen ver- 
sehen kaum der Mitteilung wert sind und desswegen 
in der neuen Ausgabe Dindorf s in den Anhang ver- 
wiesen wurden. 



*) Die Ton D. in der Ausgabe angewendete Scheidung dieser 
Scholien ist durchaus praktisch, leider aber nicht frei von vielen Irr- 
tümern. Durch die Güte meines Freundes Augsberger bin ich in 
der Lage, hier auf einige hinzuweisen und dieselben zu berichtigen. 
E. 1. musste als erstes Scholion ohne asteriscus angef&hrt werden: 
ttXXoi fiiy naQtti ot ydg ^vXaxff i^to y€tSy ifnay zoi/4tifUyoi{ denn 
über TfaQa ist der erste Buchstabe in diesem Gesang (^'), der am 
untern Rande der Hdschr. wiederkehrt mit dem oben angeführten 



_ 4 - 

Nor die Schollen der ersten Glasse sind es, welche 
ich an der Hand des Victorianns einer eingehenderen Kriiik 
unterziehen möchte : denn im letzteren C!odex b^egnen selten 
Scholien , die von zweiter Hand im Venet. B geschrieben 
sind. Bevor ich aber tibergehe zur Darlegung der Principieri, 
nach denen der librarius der Venediger Hdschr. gearbeitet 
zu haben scheint, möchte ich hier am Eingange einige 
Scholien gewissermassen als Vorspeise behandeln, weil mir 
dieselben ganz besonders geeignet scheinen, den Schreiber 
derselben würdig einzuführen und vorzustellen. 

Von dem zu Tode getroffenen und schwer sich erholen- 
den Hector singt der Dichter: 



Scholion. Bei nayyvx^ot (2) steht das zweite Zeichen (6) und zwar 
mit roter Tinte geschrieben; auf dem Rande und zwar unmittelbar 
neben dem Text kehrt das Zeichen wieder mit den Worten Nvp to 
— vvxtog, Zeichen und das iV von l^vv sind rot geschrieben imd es 
wäre demnach nach D. Praefat. p. VIII ein Scholion der dritten 
Classe. In der Ausgabe ist es aber den Scholien der ersten Classe 
zugezählt. Unmittelbar naoh J^vy 6k nayyvx^^ — rvxrdc steht ohne 
weiteres Zeichen in derselben Zeile von derselben Hand: «2,Xot fiip 
TtaQa ytiyaiy aQiatr^fs navu^mtoy; eixoratf, afnporsQa yuQ — 
iXdaxovxo. Dies stellt Dindorf an den Anfang mit einem Stern. Weiter 
scheint die Anfährung des ganzen ersten Verses der Angabe zu wider- 
sprechen p. Vlil: „Lemmata in codice nuUa sunt''. Ein Hauptfehler 
der Ausgabe ist es auch, dass nicht überall die von zweiter Hand an 
die Scholien der ersten Classe gekommenen Zusätze genau geschieden 
sind. So ist K. 156 ränrjg: dvayxulov — dyanavoiro ein Scholion 
der ersten Classe, Tanrjg — dfKpoZBQütp ist von zweiter Hand un- 
mittelbar daran geschrieben. E. 273 ist (Jteyovxag xal zu streichen. 
K. 351. *AQiatagxos — idiat^ar und 353 nrjxtoy ttqotqov (lemma): 

ntficTop sind nach der Beschreibung in der Praefat. Scholien der 

dritten Art, sollten also je 2 Sterne haben. Doch macht Augs- 
berger auch die Bemerkung, dass es zwar leicht sei, erste und 
zweite Hand in der Grösse imd in dem Charakter der Schrift zu 
unterscheiden,! dagegen ausserordentlich schwierig oder vielleicht un- 
möglich, zwieite und dritte Hand, ausser wenn man nur rote Zeichen 
für Merkmale der dritten Hand nimmt. 



— 5 — 

S 437 e^ojAivog d' enl yovva iieXaiveq>€g al^^ dne/ieaaev 

Der Schreiber der Scholien des Venetus B erdreistet 
sich aber , die klaren Worte des Dichters in folgendes 
Bätsei zu hüllen ». . . eaviv ow el^of-tevog de t6 cu^a enl 
idv yovaTtov aTtifieaaev dvoUeiog di t^3 y,aiQ(ji ^ ivegysia. 
navra di dvvaTwg 7teq)QaaTai, wg xal enl 2aQ7tr]d6vog,'^ 
Ich habe in den Jahrbüchern für Phil, und Paed. 1878 
p. 534 die Lösung dieses Bätsels versucht und ich glaube, 
dass mir dieselbe auch gelungen ist ; denn diesen Unsinn, mit 
dem uns hier der Schreiber behelligt, kann kein Mensch ver-' 
stehen. Im V. lesen wir nach dnifAeaaev: ol de ygagHwaiv 
aTtiasiaey und da passt dann die im Obigen unverständ- 
liche Bemerkung dvoUsiog di r^3 xatQf^ ^ hiqyeia. ganz 
vortrefflich: unser Held mag nämlich von Varianten nicht 
viel wissen, er lässt sie also getrost aus und schreibt dann 
in bequemer Gedankenlosigkeit die Bemerkung nieder, die 
sich gerade auf die ausgelassene Variante bezog. Ich frage 
aber: Ist ein solcher Unsinn des Abdruckes wert? 

Allein unser Abschreiber ist nun einmal zu dummen 
Streichen aufgelegt ; sehen wir uns daher folgendes Pracht- 
stück an: 

r 136 spricht der Dichter von der Helena: 

ij di fiiyav larov vq>aivev 
dinXaxa 7toqq>vqerjv, noXeag svanaaaev dld'Xovg 

Der Venet. B lässt sich darüber in folgender geistreicher 
Weise vernehmen (JtTrAaxa: difAirov yXalvav ro dh ^ocq- 
l^iaqerjv rijV Xaf^Ttgdv, avvt^dov di tovto T(^ „lodveq)ig elqog 
exovaa^^ {d 135) xat Tiji „q)dQ€' v(paivova dXiTtoQqwQa^^ (^ 
53. 306. V 108). Er erläutert also den Text diitlaxa iiaq- 
liaqeriv\ aber welcher Gott oder Heros könnte uns das 
Folgende owciidov — dXinoqq^vqa erklären? Nun so hoch 
braucht man am Ende sich nicht zu versteigen ! Man lese 
den Vict. : diTtXa'^a lAaqf^aQ irjv: diTcXöida yhxi'^f^v. oi 



— 6 — 

de difiitov, ori naaat de 7tOQg>vQirjv, aal eavi awiitdöv 
y,lodveq)ig sIqoq e'xovaa^^ xai 9y9>a^£* vcpaivova^ aXiTiOQipvQa^* : — 

Ich frage wieder: Ist das Scholion des Venetus B weri 
abgedruckt zu werden? Die Streiche sind bei ihm im 
«Schwang«. 

J 339 ist Agamemnon sehr ungehalten und fahrt den 
Odysseus an: 

xat av xaKÖiai doXoiat xenaof^ive, xeqdaleotpQOv 

Unser Orakel berichtet darüber also: xaiiolai do- 
Xoiai: iiiaov yaq 6 dolog' xal int /uev rot; xanov /novwgy 
ini äi tov aiiqxrceqovg eldotog „eldcjg jcavtolovg xe dohwg^ 

(r 202) . . . 

Das ist doch unzweifelhaft gekürzt aus dem Original: 

V: xaxolat doXoiaii fiaoov yccQ d dokog' enl de 
tov dfjKfOTB^ eldoTog „eldaig Tvavroiovg ze dokovg xat /uri' 
dea nv%va^ {T 202), t6 de %e%aa iisvb ini xanov wg to 
^iKixaoTO xleTiToavvrj &''oQyi(p re** (r 395). 

Wird man ein solches Fragment, init dem uns der li- 
brarius des Venet. bedient, zum vierten Mal wieder abdrucken? 

Also, wie wir bisher gesehen, mit Varianten und 
Oi taten lebt unser librarius auf gespanntem Fuss imd 
die willkürliche Auslassung derselben hat ihm noch manchen 
dummen Streich gespielt. Sehen wir uns z. B. £ 83 einmal 
näher an: da wird von dem getöteten Hypsenor gesagt: 

tov o€ xar oaae 
elXaße 7COQq)VQeog d'dvatog xai fiöiQa n^avair, 

und der librarius des Venet. B mutet uns in allem Ernste 
zu, folgendes Scholion zu verstehen: eXXaße 7voqq)VQBog 
d-dvatog : 6 fiiXag wg to „noQqwgeov de k xC^a TidXvipev'^. 
»Sicvolo, sie jubeo, stat pro ratio ne voluntas**. Man sehe 
dagegen den V: 7toqq>vqeog x^dvatog : 6 f4eXag Tiat 
^7COQq)VQeov ö'aga xifia*^ {O 326) ^fxiXav de e xv^a 
xdXvxpeu^ {V 693.) 



— 7 — 

Gtinz Yon demaelben Kaliber sind auch folgende zwei 
Scholien: 

T 284 heisst es von der um Patroclus weinenden Briseis 

Ich wundere mich, dass Bekker wie Dindorf aus dem 
Venet. B folgendes Scholion gab: A/'y'exwxt;«: üg tjdo- 
vijv /tQoy(,ah)vfi6VTj rovg axovovrag, c^g xat Qetig yyf^iya (?) 
yaQ re ytat aXyeai tignerai ayij^" (o 400) : — Was hjit Getig 
mit dem folgenden Citat zu tun ? Aber zwei Citate waren 
nun einmal hier unserm librarius zu viel : er strich also eines, 
liess aber die Worte , die sich auf dasselbe beziehen , ganz 
ruhig und imbekümmert stehen. Im V. lesen wir nämlich: 
elg 'fjdov^v TiQOxaXovfAevri Tovg axovowag, wg xal Oizig 

nyOOV XfASQOV (ÜQGSV^^ (^^14)" Utk. . . : — 

Vom x^^^S wird -5 110 gesagt: 

dvdqwv ev avi^&eaai 'ai^etai ijiJirfi naTtvog, 

B. erläutert das mit folgendem imverzeihlichen Scholion : 

rjiJre xaTcvog: dvfiog ioTi ^iaig rov neQi xaQÖiav 
aifiatog di oqe^iv dvvikvm^aewg. xovtov de oqov nqüvog 
"Ofd¥]Qog Ttagidioytev. xaTtvov de to 7t vq q>r]aiv, wg zo „xa/r- 
viadv te xard xXiaiag^^ (B. 399). afonov ydq xaio/iivrj xat 
XafiTtovarj q>loyl xanvov eixdKeiv^ C^'^^S ^^ ot*x av Xa)Qig nv- 
qdaeiag yivoivo. naQerceTai de avrr] To7g OQyi^Ofiivoig did to 
OTteväeiv dfivvaad'ai xov dvrinaXov, : — 

Es dürfte sich wohl kaum Jemand bisher die Mühe ge- 
nommen haben, zu versuchen, diesen completen Unsinn zu 
verstehen : für diejenigen , die mit Bekkers Ausgabe arbeiten, 
war es auch ganz unnötig : denn dort ist ja Alles richtig imd 
klar : die unversiändüchen Worte des Venet. B : aroTtov ydq 
xaiOfiivTj xal ka(47tovarj q)loyl xanvov elxd^eiv sind daselbst 
ohne Anstoss : sie beziehen sich nämlich, wie man aus V sieht, 
auf den Vers : „wg d^ote xajcvdg Iwv e^ aozeog ald-eq* Xxr^tai^^ 



— 8 — 

{2 207) ; dort wird von Athene gesagt , dass sie über 
dem Haupte des Achilleus 

£x d' avTOv (pXoya TvafjKpavocoaav 
entzündet und diese q)X6^ nafj.q)av6waa wird nifti im Folgenden 
mit dem nanvog verglichen, der aus einer Stadt zum Himmel 
steigt und diese Scholiastenweisheit fand eben keinen andern 
Ausweg, als hier xoTtvog flir ttvq zu nehmen: qtojiov yäq 
T^aio^ivrj xal hxfxnovörj cpXoyt y,a7tvdv elytd^eiv. 
Man sehe noch i2 52: 

ov fiijv Ol Toye ytdiXiov oväs r' af^sivov 

B afieivo.v: XeiTtei to iazai rj xov navaaad'ai'. — 
ist kaum verständlich, 

V: afxeivov: XeLtzbl to eotac ' rd di avynQitmd ävti 
arcXciv und nun führt V richtig weiter mit ^ tov Ttav- 
aaad'ai : — 

„Sapere aude." 

Doch lassen wir hier die Einzelnheiten und wenden uns 
lieber einer ganzen Reihe von Scholien zu, um zunächst 
dieRedaction zu prüfen, in welcher sie uns im Venet. B 
vorliegen. Aus dem mir vorliegenden reichen Materiale will 
ich nur wenige Scholien geben. 

Agamemnon entschuldigt seinen Bruder gegenüber den 
Vorwürfen Nestors und spricht K 124: 

vvv d' Biieo TtQOTSQog lAoX BTtiyqBTO Tiai fxoi iTteatri 

Diesen Vers erläutert nun das Schol. des Venet. B in 
folgender Weise: juaA' STt eyqeTO : STteaTri Tox^cog . «dij- 
Xwae di (og 7toKU7) TrgovXaßev avrov exslvog dvaatdg : — 
und so ist das Schol. bei Bekker und zulezt wieder beiDin- 
dorf abgedruckt. Dasselbe ist aber in dieser Fassung voll- 
ständig sinnlos; denn in den Worten des Dichters ist auch 
nicht mit einer Silbe etwas angedeutet von dem raxdcog 
iTtiazT]. Steht nun das Schol., woran sich kaum zweifeln 
lässt, wirklich so in der Hdschr. , so haben wir es , wie ' es 



— 9 — 

scheint, wieder mit einer totalen Verkehrung einer ursprüng- 
lich guten und richtigen Bemerkung zu tun. V bemerkt 
nämlich zu y 32, wo von Menelaos gesagt ist 

ßrj d' Y^ev dvari^aiüv ov ddeXq)e6v 

in einem eigenen Schol d'^Xov wg 7tQ0exaQa%&ri Meve- 

hxog. Wenn nun Agamemnon dem Nestor gegenüber die 
angeführten Worte braucht, so kann die einzig richtige Er- 
klärung derselben nur die sein , die wir in V. lesen : xa i 
IX L €7t ioT rj: raxicog idr^hxiaev wg TvolXi^ nQOvlaßev 
ctvTOV dvaardg : — 

Von den Bossen der Rhesus wird K 475 bemerkt: 

TtaQ* avrq d' (onhg XnTtoi 
i^ BTtidKpQtadog nv^ccTrjg ifidai öidevxo 

der Venet. B äussert sich darüber: eniöiqiqidg i^eqog tov 
di(pQOv xad-^ snißaheiv eitod-aaiv . iyvioaav öi ij a/ro tov 
(leg. tov) ^P^aov fiiaov elvai ldi<je rj dno Tijg tc5v Xitncov 
-d-iag : — Ein solches Seh. ist doch wahrhaftig nicht der 
Mitteilung wert, wenn tms dafür der V folgendes bietet: I? 
en li iq> q id 6 o g : enidiqiqvdg ^SQog tov diq^qov , xa^' o 
ercißaiveiv elcod^aaiv. o\ de Ttjg avT vy og . n i & av cü g 
d € 7t Qo ST o i ^d^e i avT ovg 6 TtoirjTrjg dTteXdaei. 
T d yvwOTixd avT ([ß (nämlich dem Odysseus) tt bq L- 
x€ IT a i. eyvo) de 6 ^Odvaaevg 1^ dTt 6 t ov (Prjaov) 
fxeeov eivai i] tiov %7t7ia)Vy ottsq edrjXiooe did to 
9,0 vg vcoiv TV lg)av axe'^ (v. 478) . . . : — Daraus sieht 
man doch wohl deutlich, dass das syvwaav des Venet. B ein 
Unsinn ist. Der Cliarakter der beiden in der Dolonie auf- 
tretenden griech. Helden ist durchweg mit solchem Takte 
gehalten, dass der Schol. hier mit Recht darauf hinweist 
und dass die Heroen der nachhomerischen Poesie selbst daraus 
hätten lernen können. 

Die Scholien des Venetus B enthalten, worauf ich schon 
an einem andern Orte hingewiesen, manche gute Bemerkung 



— 10 — 

über die homerische Darstellung, über das Epos etc., und 
das dürfen wir unserm librarius nachrühmen, er hat auch 
viele getreulich mitgeteilt : aber für manche feinsinnige Be- 
obachtung scheint er doch keinen Sinn gehabt zu haben und 
hat sie desswegen aufgegeben. 

Den Eindruck , welchen die Ermordung des Dolon und 
seiner Gefährten auf den Troer hervorbringt, schildert der 
Dichter mit folgenden Worten: 

K 524 d-rjevvvo de /^eQfiSQa eqya 

oW avÖQeg ^e^avreg eßav noijLag STtl v^ag 

Venet. B bemerkt darüber : &rievvTode:T6 x^av^a 
Twv d'ecüfievcüv to deivov v7ioq>aivei tcov öqa&evTcov • ay- 
voovvreg yaQ o&ev ij iqtj^ia sd'avftal^ov : — ein ganz anderes 
Gesicht bekommt das Schol. durch V: t6 d^av^a tüv 
d'eco^ivwv TO deivov vnoipaLvH xwv dqad-ivTwv dg x at 
To xdXXog T üv oYxojv KaXvxpovg öia Tr^g ^Eq- 
^jLOv edi^Xwoe &eag {e 75) : — und das ist eine ganz 
feine Bemerkung und von der allergrössten Bedeutung für 
die richtige Würdigung der homerischen Poesie. Mehr wie 
einmal hat L e s s i n g auf dieses Gesetz hingewiesen, das also 
die alten Erklärer schon ganz richtig erkannt hatten. 

Ueberhaupt ist das ein hochinteressantes Kapitel und 
nur im grossen Stile und von hohen Gesichtspunkten aus zu 
behandeln und nach einer Seite hin wohl von einschneiden- 
der Bedeutung auch für die homerische Frage; denn so fix 
und fertig, wie Pallas Athene aus dem Haupte des Zeus, 
steigen nur Meteore auf, wie Lachmann, der da schreibt 
Betrachtungen p. 5: „Ich will lieber die Manieren der epi- 
schen Poesie erst lernön**. Dass da noch Niemand auf die 
höchst wunderliche Idee kam, Lachmann hätte zuerst die 
Manieren der epischen Poesie kennen lernen und erst dann 
seine Betrachtungen schreiben sollen ! Bemerkungen wie die 
eben vom V angeführten können uns zum Teil wieder mit 



— 11 — 

diesen Scholiasten yersöhnen. Und da kann man selbst aus 
dem Eustathius lernen, z. B. bei der Beschreibung der Höhle 
des Polyphem macht er zu t 216 

TLaQ/vaXi^cog d' elg iivtQOv a(piY.6^ety^ oväi /.iiv Evdov 
ev QO fievy dXX^ ivo^eve vofiov xatä nlova firiXa 

die ganz treflfende Bemerkung: ei yaQ ivdov ev^iO^r^ 6 Kv- 
TcXcoip^ dvaxeQr^g riv TthxG^rjvai ^ ^(pc^S '^^S noir^aeiog neqi- 
nixEia, 

Nur mit dem grössten Bedauern kann man sehen, wie 
in den meisten, ja fast in allen Ausgaben des Homer die 
Betonung des künstlerischen Momentes der homerischen Poesie 
yemachlässigt ist. Wie ein frischer Lufthauch wirkt da das 
schöne Wort Nabers' Quaestiones Homericae p. 55 : „Nihil 
tamen hoc pertinet ad cognoscendos mores veterum illorum, 
nam qui poeta Polyphemo pastori canem non addidit, credo, 
ne in fabula Tvid^avoTtjTa everteret , idem s e r v o s in regia 
Ulixis adesse noluit, primum ut magis conspicua fieret in 
Ulysse virtus, cui domum reverso nemo opem ferret, deinde 
ne quis .forte miraretur, neminem ex illorum numero procos 
auxilio suo adjuvare/ Und warum lässt denn der Dichter 
bei der Ankunft des Odysseus den Hund Argos sterben? 
„Artis est artem tegere". 

Doch kehren wir wieder zu unserm traurigen Scholiasten 
zurück : • 

K 39 spricht Menelaos zu Agamemnon 

deidai ^ij ovrig toi V7c6axr]Tcci rode eqyov. 

Venet. B bemerkt darüber: cog rjdrj dedeiyfAevrjg rfjg 
ßovX^g ijciXoyiOfÄOv elgdyei • elg xivrjoiv de vov äx,QOazr^v 
elgdysi did zo övaxeqig : — 

Die letztere Bemerkung elg xivrjOiv — dvaxeqig versteht 
man schwer, wenn man sie nur auf den einen vorliegenden 
Vers bezieht. Sollten wir auch hier nicht die ursprüngliche 
Fassung im Vict. haben? deldco fiiq ovvig : dg r^örj 



— 12 — 

dedoyfievrjQ (sie) Tijg ßovXfjg iTtiloytaftov eigayei . xivriaig 
de Tov än^oaTOv . iiov ov y a q ov x^ i n: i fxa Qtv q et a i 
(og dvGx^Q^S eTteiaodiov elgd^wv rg Ttoiijaei: — 

Und so sind noch manche derartige Bemerkungen ent- 
weder ausgelassen oder von diesem oder einem andern librarius 
umredigirt worden. 

Odysseus und Diomedes haben kaum die Achaeer ver- 
lassen : so heisst es X 274 

roiat de de^idv rjuev iqwdiov eyyvg odolo 

B bemerkt : eyyvg 6 d olo : iyyvg Ttjg i^odov, 7t qo 
rov TtOQQO) avTovg aTroßijvai, V: TvaQcc tiJv e^odov . 7t qo^ 
Xa Q i^et a i de r cT) dxQ o az^ 7t qo av a(p o)v üv 
avT üv T rjv Y.ax6q&o)aLv\ — 

Der Dichter charakterisirt den Dolon, da wo er ihn 
zuerst einführt, in folgendem Verse : Ä 315 

.... dokcov^ Ev^rjdeog v\6g 
xT^Qvxog d'eioto TtoXvxQi-oog 7toXvxccXyiog 

dazu liegen nun folgende 2 Scholien vor: 

B ofuog YMiTtSQ ex(^v TtdvTa, di* dXa^oveiav riQaa&fj X6^- 
dovg, t6 yoLQ 7tXouTe7v aal \7vTt0Tq0cpiag i/^Ttoiei Ttod^ov, eveX- 
7tig de rjv cog, ei Xrjcp&eii], did tovtcov XvTQcox^oexai : — 

V: 7toXvx^'^^og; xal o^cog i^Qdavhj xiqdovg ri dC 
dXat^oveiav ^xeqov ri Ttaqd x^fcrov. ro ydg TtXovxeXv Y,at i/r- 
7toTQoq)iag ifiTtoiei TtOx^ov , ^^ iv a nai (og ev 7tXov - 
T (^ T ed' qa ^JL ^iv og av av d qog jj x ai iv a m}eX7tig p 
wg el Xr]q>d^elr] did tovtwv XvzQwd'rjGerai : — 

Ich glaube die einfache Gegenüberstellung genügt, um uns 
zu zeigen, wo die älteste und ursprüngliche Fassung vorliegt. 

Man vergleiche femer folgende Scholien. So wird zu 
W 502 

alel d^^vLoxov xovirjg ^d-dimyyeg eßaXXov 

in B bemerkt rjvloxov: rov Jio^i^drjv • xat Tovg \7t7tiag 
ydq r^vioxovg xaXet ytat ovx axoTtov: — das ist denn doch 



— 13 — 

nur ein unklares Stammeln gegen V: rjvioxov xov Jio^jLridrp/ 
(ig jy& gaavv i^vioxov q>o qiovT eg ^*E%t oqa^^ 
(0 89). T L ovv aT 071 ov el xat r ov g ^vioxovg 
iTtTtijag iv trj ji (151) xaAel; Maxi äi ro „aiel^^ 
(og To yi aiel de nv Qal venv wv Tca iovx o haftet- 
al'' (A52). 
Zu W 523 

Xei7ceT\ droQ xä TVQcixa Tcal el diaxovQa XiXeiTTXo 

bemerkt B : xivig ovo ^egr] (paaiv^ IV j öiaxov ovqaf afÄeivov 
de avv^exov elvai : — die genauere Angabe bietet wieder V : 
diaxovQa: xiveg dto fieQf] n ax ä avvaXo tq>T^v , 
eTt aidu] q>f]a IV yjoa aa de d ianov ovga" (v 431). 
af^eivov de xo ovvO-exov^ aal y ä q an 6 xüv %ax a x äv 
vi ikjov q)f]al Kaxcofiadioio (432) : — 
Nestor spricht V 632 

evd''* (wxig ixoi o^oiog olvt^q yivex^ olV a^ ^Erceidv. 

Zu diesem Verse bemerkt B: dei Tta^dely^iaoiv oheioig 
XQ^i^ciL bxav, Xivd TtQog TcoXefiov rj TüQog fiovofidxu>v naQOQfA^. 
xat vvv ev xoig eni IlaxQOiiix^ ad^Xotg nahxiov enixatpiov 
pieiivrjfxai : — 

Wir entbehren dieses Schol. leicht, wenn wir im V. 
lesen : del Ttaqadeiyfiaaiv olneioig x^ijirai. ox av fi ev y dg 
X IV a in l ixov o iidxi-ov e §av a axrj a ai d-ekrj ^ x d 
n eqt ^Eqev & aXimv a Xey e i (z/ 319) , ox av de 
l^xi'Xkeaentxriv /^d x^v ^ x d n eQi xov^HXea- 
xov n oXe fi ov {^ 669) xai vvv ev xdlg enl TlaxqoytXov 
ad^Xoig naXaiov inixatpiov (xefjLvrfcai dyüvogi — 
Betrachten wir die Scholien zu ^ 743 

nolXov^ inet 2id6veg noXvdaidaXoi ev i^axrjoav 

B bemerkt : 2id6vegnokvdaidakoi: agiaxoi xexvl- 
xai xd xoiavxa ol 2id6vioi. xo de eldog elnoiv x6 yivog inri' 
yayev. Aber Bekker hat Recht getan, das Schol. nicht nach 
dem Venet. B zu geben, sondern nach V, wo es lautet: 



— 14 — 

aQiOTOi rexyitai ta roiavta ol JSiSovioi jji^Qycc yv~ 
vaiTiwv 2idovi(ov^* (Z 289) xai „S i d 6v og 7t oXv- 
XaX%ov Bvxopiai clya«" (o 425), ro de eldog etTvwv 
TO yivog iTtr^yayev (o g t 6 ,yJovXi%loio Ex iv d & (av 
(sie) ^' iegacov vijaftii'" {B 625). Ttgüroi di Ool' 
V i%Bg T ä fii y tax a d lejt i qaa av n eXd yrj : -r— 

Ich stelle hier noch folgende Scholien zum Vergleich der 
beiderseitigen Redactionen gegenüber: sie mögen für sich 
selbst sprechen. 

2 117 spricht Achilleus zu seiner Mutter 

ovde yoLQ ovde ßir] ^HQaxXriog tpiye y^r^qa 

dazu bemerkt B : ntqiaari ^ fiia airoq^aig. Tta^yogia di 
yiyove to ^Hqa%Xtiov naqadeiyiJialix'^^ *Ofi zj (LirjTQL naqa- 
ftv^ia ydq naiv iv avfiq>OQaig ^ Ttegt xqelaaovg drvxloLi — 

V : Tteqiaari ?} iila dTtoqnxaig. %al ot i xhvtjTog 
'HqaTiX^gy 7CQ6g rä iv tj venvif dd-Btoviteva. 
ij Qe liiet di^HQdnXeiov ti aqdd eiy f^a lixiXXeX. 
naqafiv&ia ydq taiv iv aviJiq>oqaig rj Tieft zovg XQeiaaovg 
(dtvxicc). 7t qog de ttjv ftrjT 4 qa, ort ov 8 iv 7t a- 
qdd o^ov 7t e i a BT a i, t d avt d d li 7t d a xov a a 
TteqitovTtalda: — 

2 378 

Ol J' rjtoi Toaaov fdiv e'xov tiXog^ ovata S^cwTtio 
daiddXea TtqogeT^eito 

findet in B folgende Erläuterung : toggov: dvvt xov oXov. 
Ol di iTtt ToaovTov eaxov xo riXog üate tüv wtcov 7rqog' 
delad-ai, rivig di xoaaov ro XoiTtovi — 

V xoaaov ftiv exov x eXog\ xoaaov dvxi xov okov. 
„(og x6 (sie) xo fijv aXXo xoaov q>oivi^ lyy" 
{V 454). ovx ojg ydq q>f]a i 7t qog xd ^ aq^ oXiyov 
xexeXeafiiva. oi di yXcoaao yqd g^o i xoaov 
dvxi xov X 6 a w fjia. ol di iTtt xoaovxov eaxov xdXogy 
wate xwv äxcjv 7tqogdeia&ai. xivig di xoaaov x6 XoiTtov: — 



— 15 — 

2 410 heisst es von Hephaestos 

H xat OLTt^ dx^od-eTOio fcihoq aYrjTOP äviart} 

und B gibt dazu folgendes Scholion : to tv iXwQ del enl 
fAsyid'Ovg xaaaeTai. xo di aXrjTov 6 ^H^wdiavog axfjf^ceri^ei 
Ttaqd rö cZ^t, ixov äriTov^ aujrov to f4eya nal dvvneQßXrjtov 
xal Ttaqa f^iriSevi ov. rivsg de ro alerrjddv xo}Xevo)V tcJ ydq 

V: Tcal'd'edv diayQdq>ei, d- av ^d ti avr ov 
elv a i ixay a (prj a ij aar iv ovv t s fag fiiy a. to ydq 
TtehüQ ini /^eyix^ovg zdaaerai. to di aX tjt ov 'HQCjduxvog 
cxifj^aTi^ei Ttaqd t6 el^i kxov aijtov to fiiya xal dvvTta^TOv 
xat na(jd firjöevl ov, ol di luffirifievovj 7t aqd to 
jydtxa de ag)iv evl g)Qeat ^vfiog arjTO^^ (^386). 
rivig di altvridov xco^ct/y, eTtei to yafiiffdwxa tcüv dijveiov 
XotXevei. ol d i 7t afd to aX & cd to Ttvgcideg: — 

T 21 sagt Achilleus 

MiJTeQ £^1], tä ixiv OTtXa d^eog 7t6Qsv, oV iTtieiKeg 

B bietet da folgendes Scholion: OTtXa ixiv 7idvTa tloi" 
vüig rd awrelovvTa elg XQ^^^^ ^'^^ ' ^^ ^^ ^^ 7toXefAi7cd 
q>r}aiv : — 

Man vergleiche nun damit V: vvv rd TtoXef^ixd . xai 
T d r rj g vecog ' „o 7i Xa x e 7t dvx a elg avtXov'^ 
(f* 410) Hat y,0 7tX^ ev x^Q^^'^ ex^v ;faXxi2i*a" 
(y 433) : — 

T 89 spricht Aeneaa 

ov fiiv ydq vvv 7CQwra Ttodcuxeog aW' ^x^^V^S 
GTiioofjai, dXX'* ijdt] f,te xat diXore dovQt fpoßijoev 

dazu bemerkt B dioXov 7taQavfjQi]Teoyj ozi xard fteQog zd 
eqya tov l^xtXXecjg deovvcjg dedriX(axfj^ . ylverai di xat 
d§i07tiaT6TeQ0v t6 Ttaqd zov TtoXefiiov iyxiifiiov : — 

Aber dieses Scholion durfte nur nach V edirt werden, 
wie es Bekker getan : dioXov TtaQaTtjQtiriov, ort xazd ftegog 



— le- 
rer egya xov Ifixilliiaq deovTcog d€diil(x)/.sv „dddeyia de 
^vv vtjvol TcoXeig* Tte^og d' ?vdexa q>rjfii'^ (/ 328). 
vvv de y,at ä^iOTtiaroTeQOv vo TvaQo, xov 7CoXeixlov eyxaj- 
fÄiov : — erst durch das Citat 1 320 wird das folgende 
vvv di Tcal d^LOTtiavoteQOv recht verständlich. 

So ist auch das Scholion in B zu ^^ 169 

iv de TS Ol y,Qa3Lrj avivei aXxifiov '^toq 

durch willkürliche Weglassung eines notwendigen Citates un- 
verständlich geworden. B bemerkt nämlich : el ptev sgtiv 
evd'Biag t6 xQaditj roiovtov eoriv ovivei tj xagdia^ fJTig 
eaxiv rjtoq . ei de domijg, dyyelov Tijg ipuxfig vTCovorjfceov 
rijv naQdiav . to de TtQcneqov OfirjQixioTeQOv . q)i^ol ydq {y 18) 
^TerXa&i xQadir]'^ dvrt xov tpvxrj : — ■ 

In V ist das ganz klar und verständlich el ftiv eativ 

evd-eiag to Tigaditj to de TtQoreqov 

OfÄTjQiyiCüTeQOv ' q>r]at ycq {v 18) „rirXad'i %qadLrj^ nat 
e 7t dye i ^nav^aTtrofievog q>iXov rjx oq'*^ (ib. 23). 
& eq iJio g de q>v o ei äv eTtl TtXeov d- eq fia iv e^ 
Tai . dio OTevei : — 

Es fehlt mir nicht an weiteren Beispielen, woraus er- 
hellt, dass die Redaction dieser Scholien im Venet. B. unge- 
nügend oder schlecht ist: soviel geht aber aus dem oben an- 
geführten zur Genüge hervor, dass wir, wo uns der V so 
gute Scholien bietet, auf die vielfach veränderten und zuge- 
stutzten des Venetus B. gern und leicht verzichten können. 

Eine Specialität , worin unser librarius , wie wir später 
noch sehen werden, gross ist, ^springt hier sofort in die 
Augen: Er lässt nämlich vielfach nicht zum Vor- 
teile seiner Scholien die wörtlichen Gitate 
weg oder verwandelt sie in Referate, ver- 
schmäht überhaupt genauere Angaben, notwen- 
dige Begründungen u. A. 

Dadurch wurde nun zuerst und zunächst die Ursprung- 



— 17 — 

liehe Gestalt dieser Scholien alterirt und zwar manchmal 
durch das besondere Ungeschick, das nun einmal unseres 
librarius bestimmtes Erbteil' war, derart, dass dieselben zum 
Teü, wie wir oben gesehen haben, geradezu unverständHch 
wurden. Ich möchte hier noch auf einige eclatante derartige 
Fälle hinweisen. J A51 spricht der Dichter von Antilochus: 

Tlqütog d* l4yciXoxog Tfciiav VXev avdga xoQvavrjv 

Unsere Scholiasten machen da, wie so oft, höchst müssige Be- 
merkungen und B. lässt sich also yemehmen : n: qwt og d* 
u4vTlXoxog: tovxo xaqitetaL aittf enu xai aXkrjv ogiaz- 
eiav avTOv ov yQaq>ei, iiiXcjg xe %al ^rjXdi tov TtareQa „TtQW' 
Tog" yag qnjaiv tfSycav ^Xov aväga^^ (A 738). xai ^cotjjv ocvxdv 
£X^i. d-BQiioxrixog de xovxo vecoxeqix^g BQyov, ij TQiHeg naxe- 
g>Q6vovv NiaxoQog xat naxd xovxo f^aXkov xo pigog nQioxog 
axQOvaav : — 

Aber da haben wir sicher nicht den ursprünglichen 
Tenor des Scholions: denn die höchst überflüssige Frage, 
warum nun gerade Antilochus zuerst einen Feind erlegte, 
wurde, wie wir aus V ersehen, von dieser überlegenen Scho- 
liastenweisheit dahin entschieden: ^rjXol xov nariqa — viog 
iaxt — rj Tguieg und darum ist gewiss ursprünglich , was 
wir im V. lesen: dort heisst es nach 'd'eavrjv exei xat „^v- 
xiXox\ ov xig obIo vedxegog aXXog l4 xcciiHv*^ 
(0 569) d-EQfÄOxtjXog ovv vecDxeQiurjg x6 €Qyov rj T^oieg . . : — 

Ueber die Apostrophe des Verses ^127 

Ovde ai&avj MeviXae, d'eot fidycaQeg XeXa&ovxo 

bemerkt B unter anderm: eildf] de x^g ä7toaxqoqn\g xavxa^ 
x6 TtaQo. ke^Lv oxav ex ^exox^g elg ^^fia fAereX&T], xo rtagd 
q^qaaiv^ oxav dno xov ditjyri^axog elg xo gdi^Tjxindv ftexiXdTj 
. . . : — aber es unterliegt nicht dem mindesten Zweifel, 
dass hier die Citate, die in V stehen, ausgefallen sind: 
dort lesen wir nach $^i"a ^eriX&r] „€^ Ofto&ev Ttecpvw- 
reg, ^ev^ de" («477), und als Beispiel für die zweite 

2 



— 18 — 

Art ist dort angefahrt „iTtTtevaiv ftev Tvqüta' og de 
yC dvr^Q'' (^301.306). 

J 249 ruft Agamemnon den Achaem zu: 

ocpQa idfjT^ di x' t/^/^iv VTciqaxrj x^^cc KqovIcov 

das ursprüngliche Scholion zu diesem Verse steht im V. und 
lautet: iitel eXeyev „o^ yaQ iitl yjevdeaoi^^ (v 235) xai 
j,avr6g iTtiaoelyGi^^ (v 167), aweigtpeQetv rov oIkcIov 
Ttovov 'AeXevEi rfj xov d-eov v/trjQetovvrag ßovX'^Gei, äg cprjai 
xat 6 rqayixog evd-ev hxßcov y^aivog xi vvv dq^ %^ovt€o 
dal^ovag naXei, r^3 yccQ tcovovvxl xcj d-eog avXla/^ßdvei*^ 
(Eurip. Pragm. 435). tovto övv TtQWTog ^'Of-itjQog elnev: — 
in B sind die Citate , auf welche es hier ankonmit j^aiTog 
htLOOBirjGt^*^ und „aizog — TidXei^' weggefallen. 

Nicht selten wurden auch längere oder kürzere wört- 
liche Citate, die unser librarius in seinen Vorlagen fand, der 
Bequemlichkeit wegen oder aus sonst einem andern Grunde 
in einfache und kurze Referate umgewandelt. So lautet das 
Schol. K 335 in V : 'AQaxl d^ erti yitLdtrjvx oi dvva- 
Tai eivai Ixriderjv ro reXeiov' attog yoQ cptjai „rov ö^CLTtd 
fiiv TCTidirjv nvverjv^' ^QiaToraXrjg di qyrjaiv ,,r/,rtg t(^ov 
fÄö lov Kvvidi(p M eX i T a iip , 6 qv i'd' o q>d y ov 
roig a ixr^v e.G IV ivt rj QedKov. 1 6 de al3 olov 
6 CT ovv xa i laad'aiaTQayyovQiiüvag^', l'awg 
olv na^ ^O^T^Qip 7iaT^dq>aiQeGiv iati rov 'i: — 

Statt des wörtlichen Citates lesen wir in B „ixrig iott 
nat^ l/iqiaxoTeXriv ^(pov oQvi&oqidyov , o^oiov ^itlqiI) Tcvvidici), 
ov ro deQfia q)OQei, 

K. 291 bietet V: Sg vvv ^o i ed-eXova a 7t oq i- 
ar aa o: y,aXd}g tjg awercDTegog ^Odvaaevg exoivoTtoir^aB xiqv 
evx'^v i,d 6 g d i n dXiv enl vrjag evTL^alag dq>i' 
xecr^at" 6 di „a/teio fio i^^ . . . : — Kaum ver- 
ständlich ist, was B daftir hat: oga Ttwg 6 ovvetioteQog ^Odva- 
aevg rijv evx^v inoivoTtoirjcev , ovxog di Idifjc %ai aXkwg : — 
W 10 V: T et aQ7t ci fi€ a-i^a yooio: u^laxtlog 



— 19 — 

(fr. 382) „o? TOI ar evay fioi t lov n 6v (ov la- 
f.1 aT a^^: — B : u^laxvXog q)r]aiv oxi OTivayfiol twv Ttovwv 
td/LiaTa ov /.litgia rvyxavovatv i — 

So lesen wir auch K. 75 in V die wörtlichen Citate der 
homerischen Verse, während in B wieder Referate begegnen. 

Hand in Hand damit geht eine weitere Eigentümlichkeit, 
die wir bei dem Schreiber der Scholien des Venet. B. nicht 
'selten beobachten: die Quelle nämlich, woraus er 
seine Weisheit geschöpft hat, gibt er nicht 
gerne an und hilft sich darüber durch andere 
Mit t eichen hinweg. 

So lesen wir zu J 132 bei B Xd^vvey od-i ^cuair^- 
Qog oxijeg: %va , , . vtvo xov ^coaTrJQog: . — So liest auch 
V, aber er giebt seine Quelle an, denn im Anfang bemerkt 
er : ^vrox^cov ovTcog ' %va , . . ^(oatrJQog : — Ebenso ist 
es mit J 133. Da wird D. p. 204. 31 eine weitere Erklär- 
ung von diTtXoog ifyrcro «^w^iy^ in B. mit den Worten 
gegeben ij otzcog, während V hier wieder hat: u^vzo- 
X^iov ovtiog. So ist auch J 319 in der von B gegebenen 
laTOQia der Name des Gewährsmannes ausgefallen. V bietet 
am Schlüsse \a'voqE'i IdQvaid'ogi — 

Ich darf hier einen Punkt nicht imberührt lassen, der 
wohl nicht in das Bereich dieser Untersuchung gehört, der 
aber doch für die richtige Charakterisirung unseres librarius 
von Bedeutung ist. Es ist schon längst beobachtet und wieder- 
holt hervorgehoben worden, dass Auszüge aus den Werken 
der Viermänner in Venet. B. nur spärlich vertreten sind — am 
häufigsten begegnet noch Nicanor. — Allein die Art des Aus- 
zuges ist ofb eine ausserordentlich mangelhafte und durch die 
vielen stattgefondenen Kürzungen hindurch ist es nicht selten 
schwer, die ursprünglich wertvolle Bemerkung herauszukennen. 
Indem ich auf E 487. 506. &56. 683_verweise, wo LV. voll- 
ständig übereinstimmen, will ich nur wenige Scholien be- 
handeln. Achilleus spricht V 806 

2* 



— 20 — 

OTCTtoTBQog x€ cpd^oiv OQE^afievog XQoa yiakov 
tpccvor] d^evdlvcDv 3id r'IWca xat iiehxv al/^a 

Der zweite Vers wurde schon im Altertume athetisirt und 
V berichtet uns darüber: a&exEi rov orixov l^QiaraQxog. ov 
yccQ elg to äyciv (sie), evdivcjv de axovei k'vdov tov 
XQOJTog. t6 Te f,did T^evrea xat f^eXav at^a*'^ fÄeziJTiTai 
ano /Johovelag (K. 298) , oi di ev divtov rwv svTog 
OTtXcDv . l4qiGToq)dvrig de ovrcog yqaqiei j^OTtTtoxtqog tcsv TtQO" 
ad-ev eTtiyqaxpag XQ^^ i^akov (p^ijrj enev^a^evog (!) dia 
T'evrea vmI q)6vov dvdqiov^^ : — Wie bescheiden klingt da^ 
was wir in B lesen: eväiviov: twv evdov tov ;c^ccnrdg. 
oi de Tiov evTog otiXwv CLTto rov evdov : 

Wie der librarius aber seine Quelle verstand und behandelte, 
davon nur noch ein Beispiel. F 18 wird von Paris gesagt: 
avTccQ 6 öovQe dvo) iiex,OQv&^eva x^^^V 

und V bemerkt : avrccQ 6 äovQe dvco: avev tov oQd'QOv to 
j^avTccQ doüga" iv ndoaig ycat x«?'C^^«V^'5 > ^ de (cod. eläi) 
avv T(p (XQd'Qcit yQaq)ri xaiTOi fi^ ovaa I^qigtoqxov ofACog exet 
"^OfitjQmrjv avvi^&eiav, ed-og (igog cod.) yccQ avTcp Tteql tov 
avTov diaXeyoiJLtvi^ /xeaohxßelv to aq&qov (og TteQi aXXov XeyovTi 
(og erci tov ,,2aQ7tr]dwv ccvtov /xev ciTn^fißQOTe, 6 de Ilrjdaaov 
ovTa^^ {n 466). Das ist doch klar und verständlich. 

Dasselbe gibt uns in etwas anderer Weise B : to avTccQ 
TTaqd ZtjvodoTc^ xat TÖig akXoig ovk ercayerat to ccq&qov. 
0f.ia)g ovv eoTai xal tovto Trjg ^O^rjQfKrig avvrjd-Eiag, e&og 
yccQ atTcJ TteQi tov avTov diaXeyo/xevq) [leaohxßelv to aq-d'Qov^ 
(og xat tteqI aXXov Xeyiov Ttoiel „SaQftrjdcov — o de 
ÜTJdaaov^^ . . . : — 

Giebt es denn ein köstlicheres Missverständniss als die 
Worte verraten wg aal neql aXkov Xeycjv noiell Das cog neqi 

ixT^ov Xeywv oder liyovTi seiner Quelle fasst unser Bitter, 

als ob damit gesagt sein sollte, der Dichter wendet diess 

nicht bloss bei Paris an, sondern auch bei Sarpedon ! 



— 21 — 

Wenn mich nicht Alles tänscht, haben wir es mit einem 
ähnlichen Missverständniss 2 275 zu tun, wo zu dem Verse 

aarv di nvQyoi 
vifjfjhxl re nvhxi aaviäeg t' ini t^? dqaqviai 

in B bemerkt ist : TtvXaii vvv al diodoi. dXkaxov di irtl 
TÜv JtvXüv „iv xeqai nv)Mg l'xerfi" (O 531) „eQQTj^e di nvlag 
ymI iaokqov oxrja^^ {N 124) : — Was sollen diese Citate 
ffir Ttvlai tiprilai beweisen? Wegen des folgenden aavideg 
enl Tjg dqaqvlat erklärten die Scholien wohl vvv al dloiot 
und nun kann man nur fortfahren mit V : ciiXa%ov di hti 
T lov d-vQüiv jjiv xß^cTiv Ttvlag l^fiTfi" jt^'^Q^S^ di nvhxg 
xori ^ceycQOv ox»7of." 

Aus diesem Allen ergiebt sich doch zur Genüge, wie 
der Schreiber der Scholien des Venet. B. seine Aufgabe ver- 
standen und seines Amtes gewaltet hat. Sein erster und 
oberster Grundsatz scheint ja der gewesen zu sein, sich seine 
Arbeit so leicht als möglich zu machen, und wären uns nicht 
zum Glück andere Handschriften erhalten , wir hätten einen 
schweren Stand mit den Scholien, die durch diese handwerks- 
mässige Gedankenlosigkeit vielfach in einen ganz desolaten 
Zustand geraten sind. Doch greifen wir ihn hier einmal 
direct an und begeben uns auf dasjenige Feld seiner Tätig- 
keit, auf welchem er wirklich Grosses geleistet hat: auf das 
weite Gebiet der Streichungen und Verkürzungen. Da ist 
die Frage ti nqü^ov %ov eTteiTa %i d^vardriov xaTole^o) ge- 
rechtfertigt und die xaxa sind da so viele, so offenbar und 
handgreiflich, dass man sich billig wundem muss, dass dies 
nicht schon längst an der Hand von Bekker's Ausgabe, so 
viele Fehler sie auch enthalten mag, erkannt worden ist. 
Auch sei hier von vornherein bemerkt, dass wir das Fehlen kri- 
tischer Bemerkungen, die wir in V finden und in B vermissen, 
nicht auf seine Rechnung setzen wollen: wir begreifen und ver- 
zeihen ihm gern seine Abneigung gegen alles Gute, ohne 



— 22 — 

dabei der Ansicht zu huldigen, unser librarius habe die kri- 
tischen Scholien des Venet. A. geschrieben und da sich an 
dem Guten etwas übernommen. 

Wir werden daher hauptsächlich nur solche Bemerk- 
ungen heranziehen, die ganz in dem gewohnlichen Geiste 
dieser exegetischen Scholien gehalten sind und vor den Augen 
unseres Hbrarius keine Gnade gefanden haben. Und das ist 
sicher und unläugbar, dass wir es hier bei diesen aus dem 
Victorianus gewonnenen Bereicherungen nicht etwa mit den 
wertlosen Niederschlägen breiter byzantinischer Geschwätzig- 
keit zu tun haben, während die Scholien des Venet. B uns 
die ursprünglichere, kürzere xmd präcisere Passung bewahren, 
die dann etwa später erweitert und verbreitert worden wäre : 
eine solche Annahme ist schon desswegen ausgeschlossen, weil 
ja die Spuren seiner summarischen redactionellen Tätigkeit 
in vielen Scholien offenbar und handgreiflich vorliegen. Man 
betrachte nur die oben behandelten Seh. B 437 und F 136. 

Wenn sich nun also der Schreiber der Scholien des Venet. 
B, wie wir nun einmal annehmen müssen, da zu willkür- 
lichen Kürzungen seiner Vorlage entschloss, so werden wir 
auch bei allen denjenigen Scholien, die ausführlicher im V 
enthalten sind, nicht umhin können, dieselben Kürzungen 
zu constatiren, wenn er dabei auch manchmal glücklicher ge- 
wesen ist, als in den beiden angeführten Fällen. Dafür spricht 
ausserdem die eine hochwichtige Tatsache, die ich durch Ver- 
gleichung der Scholien mehrerer Bücher gewonnen habe , die 
Tatsache nämlich, dass die Kürzungen am allerhäufigsten am 
Schlüsse der Scholien stattgefunden haben, seltner in der 
Mitte,' am allerseltensten aber jim Anfang. Und was ist 
natürlicher als das ? Auslassungen und Verkürzungen am 
Anfang und in der Mitte tangiren ja zu oft die ganze Fas- 
sung des Scholions und wollte da der Schreiber seinen Lesern 
nicht den baaren Unsinn auftischen, so musste er oft mit 
seiner selbständigen redactionellen Tätigkeit und Aenderung 



— 23 — 

eintreten, wozu er eben nicht immer aufgelegt gewesen sein 
mag : aber dergleichen Beschneidungen und Kürzungen Hessen 
sich vortrefflich am Schlüsse anbringen, wo mit einem kühnen 
und glücklichen Schnitt ein gutes Stück lästiger und imbe- 
quemer Arbeit abgetan war. 

Es gibt wohl keine gröbere Verkennung dieser ureignen 
Specialität unseres librarius, als wenn Dindorf dasScholion 
jB477 also herausgiebt : k'veifiev: ovrcag al ^QiaTagxov. %6 
(XTtXovv iariv el^ev. Ttäv de ^^cc o^vo^evov ev TJf avvd-iaei 
dvaßißd^ei tov tovov : — und dann in der Note bemerkt 
dvTCjg a\ !/iqLOTaq%ov om. Ja wohl ! So lesen wir in I4 V. : 
aber wir kennen unsem Mann besser : denn wenn die Worte 
in seiner Vorlage wirklich standen, so war es nur dem von 
ihm vielfach eingehaltenen Principe entsprechend, dieselben 
nicht mitzuteilen. 

Es mögen hier nun einige Scholien folgen, die im An- 
fang verkürzt erscheinen. ^ 248 

devTBQOi ev vT^eaai noXvuXi^iai Xtnrja&e 

erläutert B durch folgendes Scholion : devregoi: eaxccroi 
ysi'vaicog de rov eavrov ovx olycTi^erai d^dvarov: — aber <J«;- 
CEQOL kann man doch unmöglich mit dem Superlativ ecxarov 
erklären ! Man prüfe wieder diesen glücklichen Griff an V, 
dort heisst es: devreqoi: vaxeqoi nat „devT^aTog ^A- 
^fij'" (T 51) civTi tov eayjaxog. yevvaliog ovn olurtCeTai 
Tov d'dvarov: — 

Man betrachte W 452 

Toio d' dvev&ev eovxog o^o^XrjT^Qog dnovoag 

erläutert B avev&ev iovTog: rovreovi fiangdv aTtovxog 
Tov fjVLOXov : — das ist ganz unverständlich — der Scholiast will 
erklären, dass avevd-ev eovtog ofiOiclrjTiJQog zusammengehören, 
und das geschieht in V : to7o d' avevd^ev: x^'^Q^S ovrog 
TOV ofÄOxXririJQog j rovriauiv ixayLqdv dnovxog tov ijvio- 
xov : — 



— 24 — 

Man betrachte noch die Fassung der Schollen zu folgen- 
den Versen: 

^'EüToga devQ' iqvaag dwaeiv xvatv cifiä daaaad-at 

V: daaaad-ac: Xelnovrog xov X (xarayayßlv?). 
Ol de fiegioacd^ai, eidd'aai de ol xvveg ailog ailod'ev aTto- 
OTcäv xat fieQi^ead'ac t6 acSfia : — 

B: wf^ä daada&ai: wfxdig aTtOf^eQiaaad'aL. elci^ 
d-aoL aiüpia : — 

W 173: 

ewia Ti^ye avaxTL TQaTte^^eg nvveg rjoav 

V: Yacog ro cofiov avrov eldaig yial 6 TcarrJQ 
fiovainrjv avxov id ida^ev, TtXeov de avrov 'qyQiioaev 
6 iTair^oxAot; d-avarog (og rovg Ttvvag xat Tovg Tqwag naiecv. 
dco cjg ayavaxTwv 6 TtoirjTtjg cprjai ,y'Kaxd de q>Qeal (jLtßeTO 
eqya'' (v 176). 

B : xat TiQoreQOv XLav dfiov ovra nXiov rjyQiwae . . . : — 

W 184: 
wg gpar' aTteiXilaag, tov d^ov xvveg dficpenevovro 

V: aTtecXi^aag: cvvt] d-wg iqf^lv wg t6 „ärtei- 
Xtjoav ydg ol aXXoc^^ (B. 665). did de zrjg dvacpiavriaecüg 
ed-e^Ttevae xov d'/,qoaTr[v • ^'dij ydq avvejtaaxe Ty %ov ''£x- 
xoqog alY,i(jc : — 

B: did T^g dvaq>wv7]aecüg aliil(je: — 

K 141 : 

Tlq>d'^ ovTco xaxd vrjag dvd azqaxdv oloc dXSa^e' 

V: TtQocpeQead'e (Glosse), Tai» ra de dvaxexa- 
lievrj rj qxovy xal wg axexlid^ovxa (sie), oxi d^OQvßovai 
xovg axqaxiwxag fjLOvoi oi ßaoilaig wnxog Jtequovxeg. didu 
ydq (jLTj XL vewxeqov iaxcv ev xqj axqaxi^ : — 

B : xavxa wg axexlid^wv oxi oxqaxi^ : — 



— 25 — 

Ä164: 
2xhXi6g iaaiy yeQaci, od ixh tcovov ovrccrve Arjyeig 

V: iqäv en LTtisTi^ig q>iXo7toviag xat aQeTrjg. 
axixXiog .... neQiaaoregov : — 

B: axexXiog 6 a^ia dyavanTriaeiog .... Tteqiaaoreqov : — 

J 24: 

^Hqrj ovx %a(Jfi az^d'og %ohiv^ aXha TtQogrjväa 

V: evi^eiag iart (ako *'H^i;, nicWH^g), ^^q>aaig 
de ioTL TTig diä tov OTOfiarog vrc€}ixeof.ievr]g oqyrjg: — 
B : ef-icpaoig eari Trjg OQyiig : — 

Von den um den Tod des Patroclus trauernden Rossen 
des Achilleus heisst es, dass sie ruhig standen, wie eine 
Grabstele, P 434 

aiU' woTB ari^lrj fxevsc sfiitedovy ^V STtt zvixß(^ 
dviqog eotrjur] ze^rjorog t^t yvvaixog 

Das erläutert uns B mit folgenden Worten: äaze arrjXr]: 
TtXeov TL l'xei rj naQaßoX'q. ov ydq tijv ardaiv (iqvov arj(.iai- 
veiy dXXd xat rriv noioir^ca zt]v Eni t(^ -rcevd^ei, ngog ydq 
r^v xazTjcprj otdoiv ^ naqaßoXri : — Wie will man hier den 
Comparativ ttXsov verstehen? Man kann ihn zur Not durch 
das folgende ov (jlovov — dlld xai gerechtfertigt finden. 
Anders und entschieden besser ist aber das SchoKon in V: 
Tovg ^iv uiani^ag dqvoiv eqqL^oafjLavaiq ei^aasv 
(M 132). ivd^däe de l'/et rt nXeov ij Tvaqa ß oXri . . 
aiJLa de ozl Kai daeßeg yciveTv ozt^Xtjv: — 

Doch begegnen uns dergleichen Kürzungen, wie schon 
erwähnt, seltner am Anfang der Scholien: häufiger dagegen 
in der Mitte derselben. 

Die Reihe der hier zur Sprache kommenden Schollen 
möge eröffiien K 450. Dort sagt Diomedes mit unwider- 
stehlicher Logik zu Dolon unter anderm 



— 26 — 

f] xe i^ai vaieqov eiod'a d-oag im vrag lA%ai(üv 

Das erläutert uns B: eTtei ovyj ^EXXtjvixov to tov ixeTrjv 
dvaiQeiVf TtQOcpdaetg dvayuaiag TteQud^tjxev, a/^a de xat ccto- 
7t ov T]v avtov ndXiv V7toatqlq)€iv elg rag vavg, a^ia de xal 
(jjg TtQoäorrjv dvaiqeX. vno ydq ixeivcjv fÄEfiiarjrai nqcirovj 
oig Tovg olxeiovg TtaQedwxev. Da versteht man doch zu- 
nächst wegen des varegov elad-a das avtöv von Dolon und 
das geht doch nicht leicht an: klarer und deutlicher und 
gewiss, auch ursprünglich ist die Fassung dieses Passus in V, 
wo auch ausserdem eine andere vorgebrachte Möglichkeit 
zurückgewiesen wird. 

Nach TteQie&TjTcev heisst es: dfia öe xai azoitov rjv 
ndXiv VTtoaTqecpBLV elg rag vavg ayovrag Jo'kcuva 
'Aal delv ev ^iofi rfj oäq), (ätj 'Aal riveg dtd Xdcpvga 
eXd'OVTeg fidd-coai t6 ttuv naq^ avxov, dfia de xat nqo- 
doTTjv Ttaqidcoxev : — 

Am gewöhnlichsten fehlen so in B Citate, aber auch 
andere Bemerkungen, Es mögen hier zum Belege einige 
ähnliche Scholien folgen: die fehlenden Citate und Bemerk- 
ungen sind durchschossen gedruckt, wertlose und unbe- 
deutende Varianten werden nicht angegeben. Statt der lem- 
mata will ich hier lieber die einzelnen Verse vorsetzen. 

K 255 

Tvdeidt] ^iv dßxe ^eveTtroXefiog @Qaavfii^Srjg 

V.: iva /AT] drtiovTeg ndXiv elg rag axvjvdg xqovorcQL- 
ßoiev, cprjal ä^ „ix ie fvXaxrrJQeg avv revxeaL^^ (/ 80). * 
OTiXiC^ei de avtov @QaavfÄridrjg wg vewoTl rov NioToqa ow- 
aavra : — 

Ä 436 : 

TOV de xaXXiorovg Irtftovg Xdov rjöe fieylarovg 

V. : (og q){XL7T7tog ' -Aivdvvevei yovv öl* tnnovg r) (og f^e- 
yiOTa xccQi^o^evog dvrl trfi Idiag ipvxrjg. (prjal yovv „dXX* 
ifie fiTJv äijaavtsg^K toaovrov de dniaxe tov Xaßelv Tovg 



— 27 — 

%7t/tovg, OTL xai rwv ev rq) arqatOTiedii) xaXXiarcov iTtTtcov 
rtQodoTTjg ylyveTaL : — 

V 24: 

^H ^a xat ^'EKXoqa diov deixia fir^dero eqya 

V: dnBOixota öievid-ec eqya. zovto äi sori to enl 
üTOfia eKTeTvai rd acdf,ia xal IvvßqiZeiv tiT) ov% dvriXafÄßa- 
voixevij) „'KCüq)r]v ydq (Jtj yaiav^^ (ß 55) rj xovxo deixig to 
Tov (^ell^co Ttaqd ttj tov rjoGOvog eqqlcpd^at ay.r]v^ : — 

V 120: 

rag fxev BTtei/ta äia/tXi^aaopTeg Hxaioi 

V: äcäxonTOvzeg nqog rrjv av^fÄerqiav xal „T(p oi 
drcoTcXri^ag xeq)aXrjv^^ (x 440. Camuth Ariston.), to de 
öiankr^aoovteg (sie. leg. diaTrXiaaovzeg) noai dtaßdvteg: — 

W 243 : 
ycat Ta fiiv iv xqvöiri cpidXrj %al dinXaxL dr^f,uT} 

V: dyyeii^ Xeßrjroeiäel BY.7CEnXaTva^lvq) ävcoO-ev. cprjalv 
ovv y,df4,(pid^eT0v (pidXriv ajtvqov^^ (v 270). ^ijiwr^IJ dh tcl 
OOTCL TLaXvTCTu Ttqog TO XiTtaivofAEva ^arjTtra fxrj ttvai : — 

'F 485 : 

ÖBvqo VW ri rqiTtodog TteqidcjfieO-ov iy^ Xißrjzog 

V: äevqo xat elg rovrov tov rönov „i^ devqco fjiev 
ETiovxo (F240) xat fyxcAfitar^xcüg „(Jct;^' ay' tcJj/" {ji 184). 
avoTaXxaov äi ivd^dde ro yvv did to /.liTqov : — 

V 568: 

Xsqot axiJTttqov ed-rjxe oicojtfjaai ir' exeXevaev 

V: axi\7trqov dexsvai äid xd fiiXXeiv örjfiTjyoqeiv „axrJTt-- 
xqov de o\ sfißaXe X^'?^ ijqcog Ileiarivcüq'^ {ß 37). 6 ii 
UvTiXoxog Ttqog fiovov MeviXaov diaXiysxai : — 

J 49: 

Xoißrjg re ytviarjg rc. ro ydq Xdxofiev yiqag ij/uclg 

V: xal avxoig ydq Sf^ieqi^ov ol d^vovxeg „nat "^Eqfx^ 



— 28 — 

MaiccioQ vleV^ (? 435). xaXdig de 7tQoavayiva:axeL vofAov 
dasßeiag. %va de fir] (Joxjf 6/r' oXiyoig ayäkkead-at^ q>T]at „ro 
YCCQ hixofĀv yiqag i^fisig^^ 
E 92: 
TtoXXa d' t/r' avrov eQya xaTi^^CTte '^ctV al^rjcjv 

V: dvrl tov äv^qiäTtojv „fÄivvd-et de re eqy'* dv- 
d-qtJTvwv^^ (JZ 392). eiKpavxiTciog de xal rd vTto veaviüv öl- 
nodofÄTjd-ivta Ttaqaavqeod^ai (prjaiv : — 

Bemerkungen fehlen in der Mitte: 

K 158: 

Xd^ Ttodt xcvTiaag üxqvvä te veixeae t' cxvttjv 

V: elycog avrov did rovg /ue^' iqfiiqav novovg ovk ala- 
d^aveod^ai. xaXcSg de ort ov /Äovoecdwg icdweg 
diVTtvi^ovtat, dvowTtrjTcxov de rd vito yeqovxog dviara- 
ad-at, dio xat Xd^ avrov dviarr^aiv, rrjv dnqövorioiav dvei- 
di^cov : — 

Ä515: 

Ovd^ dXaoaK07tii]v ßl^' dqyvqOTO^og ^InoXhov 

V: TCiog orx dXaog eari roaovTiov Tteifovev^ävtjv ; ov 
XeysL ort ecpvXaooe rd nqaoooixeva, dTcoxey.T^QVXto ydq VTto 
Jiog rolg &eo1g exarfi^j OTQaTsvfÄari ^araßorjO-elv dlX'* wg 
eldev eX&ovaav ^4d^rjvav Jtqog jJiOfifjdrjv xal avrog riX&e, 
TOOovTOv de avrov ^ lid-rjva TtQovXaß ev, oaov 
eq)x)-r] r^ J io iirjd ei rrjv dvaxioqrjOLV Ttaqaiveaaiy 
IdnoXXtav de xareX^civ ovdev eTtqa^ev dXV ?T€- 
qov iyeiqei. ßqadetjg de iveqyel dediwg Jia, fj de Ldd-rivd 
eicDx^vla evmXäv ri^ J il „ort vorjaet^^ (0 402) 
xai TtQoreQOv naqd nqogray iia rovrov xareX- 
d-ovaa elg rr^v (jLcixrjv Y.at vvv r<^ J LOfirjdet 
Ttaqiararai: — Für die letzteren Worte elcodvux — 
TtaQiararai ist wieder eine kürzere Redaction in B einge- 
treten : ^ de ^d^Tjva raxecog. eiwd^e ydq naqaßaiveiv rdg 
evroXdg Jiog : — 



— 29 — 

K 567: 

cpdtvr] iq>* irCTteirjf o&i neq ^lOfii^ieog Xtcttol 

V: avtov yaq t6 xaTOQd^ioiaa, nat vrjoicoTfjg oiv 
ov'K oldev %7t7tovq*Odvaaevg^ 6 de dciaiäalficjv ^Odva- 
aevg xa dg>ieQW[xiva Ty d^eij) Xafißavei : — 

Citat und Variante fehlen W 692 : 

wg S'^od'^ VTCO q)Qiyidg Bogicj dvaTtaHezai Ix^vg 

V: orav ägxofiivov nveiv dvs/ÄOv iTtiari^rjTai to ni- 
kayog, rote aJiXovtai ol Ix^'veg ävio xai naTO). nai €y,€i 
y,fA€Xalvav q>Qtx^ V7tai,v^ei^^ (O 126) ol di YQa- 
(povoiv „VTtai ^mfjg*^ ivagyeg di ro rrjg elxovog. dva- 
nrjd^ yaQ exdrsQog xai TtdXiv naracpäQerai : — 

V 767 jubeln die Acliäer dem Odysseus zu : 

vinrjg lefiivt^f fidXa di OTtevdovri liiXsvov 

V: TtQog t6 evvoiKOv tvjv ^ßJhqv(av. x^etctidfcxre^og 
yct^, 6 di nqog rtdvzag dnrjvrjg, xaXüg di TiQüaed-rfAB 
To fjfÄaXa de OTtevdovzi neXevov^^, xdlg ydq dfieXovaiv axo- 
nov Gvvaycjvi^ead^ai : — 

Man entbelirt niclit gern den Zusatz, den wir F 6 lesen: 

dvdqdai JIvyfÄaioiai q)6vov nat x^^a tfiqovaac 

V: xa/- ry ^eV^ti rijg laioqiag xpvxciyjoYei xai tov d-Qovv 
av^ei, TiQordXoig yaQ avxdg dXe^ovTai» q>'qot di 
avzdg ^E^avalog irrt oxrjfKx xav x^tcSv (sie) i^iovxag dXe^a- 
od'ai avvdg, xdg di ytaTaq)QOvovaag xov jUijxorg noXe^eiv 
Ttqog avxovg : — 

Beachtenswert ist auch F 148. Nachdem zuerst gesagt 
war 0« d^dfiq>t n^iafiov^ fährt der Dichter in anderer Weise 
fort: 

Ov'/.a,Xiycov xe xat I^vxt^vwq, 7tenwfjisv(a afiqxj) 

Dazu bemerkt B. : fiexaßcg int exeqov yivog nat rijv tttcS- 
üLV rjXXa^ev, ^Axxv^dv di x6 dnd alxiaxiKrlg elg evd-eiav fiexa- 
ßaivsiv : — aber da scheint mir ein Zusatz ausgefallen, den 



— 30 — 

wir in V lesen nach ijXXa^ev: alavvrov ydg ovroi^ dafür ist 
wohl zu schreiben ^lavrjtov yäq ovtoi. 

Allein hier bei den Kürzungen in der Mitte der Scholien 
ist der Schreiber noch ziemlich maassvoll verfahren : viel kräf- 
tigere Schnitte bemerken wir dagegen am Ende derselben und 
da erkennen wir vielfach wieder den Feind Alles Guten, wie 
wir ihn schon früher kennen gelernt. Das Material, welches 
man aus der Vergleichung von nur wenigen Rhapsodien 
gewinnt, ist so ungeheuer, dass man sich mit der Bewältig- 
ung desselben schwer tut. Ich beschränke mich daher nur 
auf Scholien in K und W y und diejenigen mögen voran- 
stehen, denen man sozusagen den Schnitt noch ansieht. 

K 378: 

ZcjyQeiT'* , avraQ iyav ifAS Xvaofiai. toxi yaq Ivdov 

V: ßaQßaqvKOv xo evd-vg Tteqi kavvov diaXeyeaß^ai Tcat 
iva (ig dyevovg avrov xaTaq>QvrjaavTeg firj Ttaqaviä g)OV€V'' 
awaiv avTov, dXXd (4 d& co a cv : — 

K 387: 

7] Tiva avXTJaiüv vekicov xajaveß'vrjciTCJV 

V : iTtivrjdeg ivdoaifiov avt<p (ycaiQOv om V) xpevafxd- 
xcjv äidcüoiv, 07t wg avrov doxi/ndar] Tovg Xoyovg . tl ydg 
TtaqäTQBxe xovg ve^QOvg , ec7t€Q OKvXevoai &iXei ; iv a el 
a a fi ev g % r^v n q6 q)a a iv Xa ß wv xp ev d o cz o %ai 
7t e Q l T äv Xo iTtwv dTttOTolTo: — 

^ 462 : 
ijroi ydq xdg TtQWta cdov Tteql xiqixa ßaXovaag 

V : xafi/tTOvaag ^ev ydq avxdg aide, ^std de to ^dfiipai 
ovxhi. ixeX ydq avzog €7teaev: — 

^ 468: 

al (J* i^rjqcürjaav, htü fiivog eXkaße &vfx6v 

V : e^(o Tov dqofiov ojqfirjoav nov q) la d- e%o ai t ov 
r V 10 xov : — 



— 31 — 

Es mögen hier einige SchoKen folgen, in denen Be- 
merkungen über den epischen Stil, über den Charakter der 
Darstellung, über Aehnlichkeit und Verschiedenheit derselben 
ausgefallen sind. 

K 5: 

wg d' ot' av doi^Ttrrj Ttoaig ^'Hqrfi "qmofÄOio 

V : TCQog TO didjtvQOv y,ai o^u xat f.ietd GnefXjjarog 
ylvea&ai roig azevayfiovg. pLEyakonqejTtug de %ov %r\g *£Ua- 
8og azQazijydv eYxaae r^5 fieyiat(^ züv d^ewv, etvl de 
^Odvaaeiog tvx w%ov o xi](Äa tv eg tu ei fiev ov % a- 
7t e ivqv ed-Tjxe r ij v eluöva „(og d' or e y aar e q^ 
a y ij p" (i; 25). 

K 299: 

Ovöe f,iev oväe Tgcoag dyrivoQag eiaö^ ^'Eiccioq 

V : vuo Tov avrov xqovov dfi<p6zeQ0L rovg xcrraaxoTrotg 
nifiTtovai, awjvyxdvovGc ydq dXKrikoig lovzeg. dXT 6 noir^- 
rrjg ecif^irjae to ^EUtjvlkop tj TtQOTeqff zd^ei tov Xöyov, 
eoxi de olxorofiixov ro Tcaqd J oXtav og xal 
7t tat IV Ttoiovv Tolg vvxr e q iv olg rwv^Ellr^' 

V o)v % at q x^ (jj liaa tv i — 

K 321: 
d}X aye /^ol to anq/trqov dvdoxeo ymi /äol Ofioaaov 

V : eig to artiOTOv Ttiv ßaqßdqcovy otl rag 7tiöTeig oq- 
xoigy ov Tqo/toig dyad'olg ßeßaiovvrai, 6 ä e J lo ^ridrig 
oi d e fie fjLvrjT a L T fig do o eo) g: — 

K 323: 

dwae/jev, oS q^oqeovoiv d^vfxova IlrjXeicjüva 

V : ^ev "EiTwq TOt^g dqioTOvg %7t7tovg dwaeiv vTtiaxevo, 
ovTog de Tovg i^jf/A^ewg ahei^ rovTOvg eldoig dqiotovg, cfi- 
q)OT^qcüv de tijv droTtiav xat avoiav edijXwae. cpiXi7t7tov 
Xa qaKT rjq {^e L tov J oXiav a vvv fiev Tciv l^xi'X- 
Xewg %7t7t(av iqävTa^ ev de Toig l^ijg ertai' 

V ovvT a T ov g jPijcxot; 7t€qtTTdig: — 



— 32 — 
K 500: 

V: md^avcug xat dvd'Qcoftivwg, %va Toig Xomoig Ttiarev- 
ocofAEv* ov yccQ aroTCOv ev roiavzT] xaqaxy Ttageiad-ai tl xat 
Tovro ov Twv dvay^aiwv j aXkd xat dvz^ avrov ^Oövaaeig 
f.iefi7jxdvr]Tai, aal ij Xi^ig' ov yccQ elrvciv eneXad-eto 
eTtTjyaye t6 to^iiJ, dXXd TOvvavTiov. tovtc^ 
ofioiov iari xat ro STtt 2aQ7trjd6vog „ßdqvve 
de fiiv ÖOQV fiaKQOv kXKOfievov, to fiev ov Tig 
e7teq)QdaaaT0^^ (£664). 

W 697: 

alfia noXv miovra, KaQi] ßdXXov^ krigcoae 

V: TtoXv, TO ydq oXiyov t<i) auXiif XeTtrivetai . ivaQywg 
ÖS avrov 7t aqioTijaev \ — 

Mit Citaten versehene Erklärungen und Verweisungen 
fehlen : 

K 75: 

evvfi ivt fAaXaxfj^ Ttaqd ö^tvtBa 7toiY,LV eyceizo 

V: ovöe ravra 6^, dXXd to nqijiov avTolg aci^ei. fia- 
XaxT] yaQ otqco^vtj sari Tqj yeqovTi cog xat tiT) 0oivLY,i 
„xwca TE ^ijyog ts^* (/ 661), tc^ de /Jiojuijdet vecoTeQci) 
ovTL vTveavQCüTO ^ivog ßoog (v 155) tov öe ^Oövaaea xave- 
7,Xiv€v iSuf-iaLog vitoßaXcov ^wnag Y,ai „dig/iia iov-d-döog 
dyglov alyog^^ (^ 50) yial tcT) J lI ttjv veod-tjXea 
Ttoiijv avad licüoi ,jXcjtov r' eQO'^evT^ i^de xqoxov 
i^d' vdytivx^ov^^ (S 347) : — 

K 122: 

ovT oxvcp eYy,cov ovr' dq^Qadirjac vooio 

V : q>iXa5eXq)iüg aTtoXoyelrai, ovo de iari di* wv yqdq^ei 
TTjV ^ad^u/^iav^ d^iXeia xai avoia, xat ev ^Odvöoeiq 
yjvrniog ij« xaXiq>Qü)v rje Ixar fied^let^^ (rf 371) 



— 33 — 

(ig za äoTcovv afjKXQtrj fia elg iyxwfiiov r^g ^rei- 
^•aQxiciS neQiiar aTai : — 

K 138: 

i^ vTtvov dviyeiQe requiviog InnoTa NeartoQ 

V: ovdiv eri tcolbl ^yafiififwv , diX ^Tcetai avTq, 
TOVTO ärjXovvTog %ov noirjzov dg sv taig XQBiaig 6 dwarog 
(Aoy<^ om. V) ocpeiksL ndvta TtqaxTBLVy ovx 6 ßaaikevg tc al 
^Oävaaevg „xotQavewv eTcenwXelzo^^ : das letztere 
ist ein Irrtum, der Schol. meint „cög oye noiQavicjv diene 
OTQaTov'' {B 207). 

K 206: 

eX&elv; ei zivd tcov drjttjv i'Xoi iaxccrowvta 

V: ^wyQi^ooi nqog x6 nv&eo&at td Ttaqd (sie) tc5>/ 
Ttolef^icjv. äid di tov „icxctrocovra^^ to duivdvvov VTcifprjve 
T'^g TtQa^etjg xal dvz iTtaqeßaXe xo ,jfxeya nev ol 
VTtovqdviov nXiog eXrj^^ (v 212): — 

K 415: 

ßovXdg ßovlevei &eiov Ttaqd orj^axi ^'Ikov 

V : aTQaTr]yixiog tov xonov toitov arceki^axo f^iaov ovxa 
TOV TtedloVf iva /uj} ot ^'EXKrpfeg dnoTv^elv ßovXo^evoi Xad-oiev 
avTov, jyfitj Xoxog elgeXd-rjOi tvoXlv Xawv djteov- 
Twv" (0 522). q)r]ot yovv „o« äi Ttaq^ ^'iXov arjfia 
fxioaov KaTt Ttediov^^ {^ 166) 

K 422: 

ov ydq aq>iv naläeg oxsädv e^aTat ovdi yvvalueg 
V: elg to davfiTiad-eg tüv ßaqßdqwv. evXoycjg de dno- 
xqiverai. rjqwTi^&r] ydq jyTtwg de a\ tcüv aXXcov Tqcjcov 
(pvXaycai Te xat evval^^ (v 408), ov fiovov neql 
Twv (pvXaaoovTiJv \ — 
'F 33 : 

evo/devot TavvovTo did cpXoyog ^H(paiaToio ' 
V: ^vetv TO Tdg xqixag dTiOKaiecv „evae ftioTvXXev 
Te xat dficp^ 6ß eXola iv erceiqev^^ (^ 75) 

8 



— 34 — 

"F 79: 

dfiq>€xccv9 ovvyeqtj ijjteQ Xaxe yeivofXBvop tzbq 

V: xatiTtiev „€t^' afAfie xavot neql Ttdvrag 
oXed-Qog^^ avrl tov maxaTt lol: — 

W 90: 
€TQaq>i z'ivdvxeojg xat adv d^eQaTtovv^ ovoiirpfBV 

V: naXelad-ai iftoirjaev o eotiv eivai „aij TcaQaxoiTig 
nixXfjfiai^^ {J 60) cvtI tov eifjii: — 

W 304: 

TLvXoiyevieg de 6i InnoL 
wxvTtoöeg q)€QOv oQfia 

V : 'yQaq)eTai xal j^Ttahxtyeveeg^^. „of^q^o) ydq drifißovTai 
veoTTjTog^^ (v 445). to de WKVTtoäeg int veotrpcog c5g ro 
„evfieXirig ÜQiafAog^^ xat „nediqt dvd-efioevTi^^ (B 467) 
T^ 2xaiÄavdQi(p, 

W 566: 

ToTai di xat Mevihxog dviararo dvfjidv dx^vcuv 

V : ov did OficxQoXoylav eq)ieTaL tov ^ei^ovog ad-lov, 
dild qrvaei Ttdweg vixav d-iXo^ev. q)iX6Tifiog /xiv ovv iari 
Tteqt rijv vixrjVy ort de ov dvaegig, k'dei^e TtaQaxQtj/i^cc Sia- 
Xvadfievog. (Äe/Acperai de avvi^ djtazrjaavTL xat Tcaqd Ttiv 
r^QCüi'xrjv dTtXottjza navovqyiioavTi. xat läxtXXevg ,,€x 
ydq (Jij fi^dTtarrjae xat ijXiTe^^ (/ 375) 

^ 635 : - 

!dyxaXov di TtdXrj JJXevQiüviov, og fioi dviatrj 

V : Ttagd t6 „dyxdg dXXi^Xiov Xaßexrp>^^ (711). fieydXag 
ydg elxe X^^ßoff. l'oiog de xat uaqd rag TtXevQog IIXevQcivcog, 
Locog de dno Ttjg d-iag dvaardg rjycJviaaTO röv xriQvxog ßo- 
TiaavTog xat ev ^Odvaaei(f „fiij rig tol dfieivtov 
aXXog cvaav^^^ (a 333) : — 



r^\ 



— 35 

"F 885: 

xäd de keßrift* OTtvQOv ßoog a^iov avd'BfioevTa 

V: dv&efÄoriaiov ij noixikov avrt (sie) Tc3y ivretoqev' 
liivvDv dvd-üv aneq nat avd^efia nalovacv. aal Tlivdaqog 
(Ol 2. 271) „Sv^fijua de xqvoov'': — 

Den Schluss derartiger Scholien möge machen das merk- 
würdige SchoKon, das wir in V zu Ä 247 lesen: 

Totnov y*ea7tofĀvoio xat ix TtvQog aid'Of^ivoio 
afxqxo voazT^aaifAev 

y : TtQog TO q>iXdXk7]lov ovx el^te vooTrjaaLfiL xat VTto- 
(falvec wg ei ixilov etkero, aitiog av. &avatov dfiq>OTiQOig 
xad-eOTi^xei xat eoixev tY.eiv to d-eloio „fiovovg yccg 
d-sovg ovn dvallaxei ro rcvq^^ (?) 

Ausserdem sind auch sonstige Mitteüungen, die auf gute 
Quellen zurückgehen, ausgefallen. 

Ä 85 : 

q)&€Yy€0 fxtjd* dxiwv irt^ efjC eQxeo» TiTtre de ae XQed ; 

V: TaQucoofievog q>r]acv. eine Jt' tjv alxlav Ttqog pie 
riXd-eg. af^a de nai die z^g q)cov^g d-eXec f^ad-elv, 
fxrj ex&qog eHrj' ovito) yaQ elxov owd-rifiara. rj 
Vaiog VTtovoel iiri QQaavfirjdi^g ea%l rijy xa^iv 
exkeXoLTtaig q)vXdxo)v : — das ist wohl in B zusammen- 
gezogen exrcXr^TTevaL ydg inovoüv rijy rmv TtoXe^ioiv eq>odov ? 

Ä 510 : 

firj xat 7teq)oßr]fiavog eld-fig, 
fiT^ jtov Tig xat TQükxg eyelQrjaiv l^eog aXXog 

V: ov fÄOvov did tov ,,7teq)oßrj/Äivog^^y dXXd xai did xov 

„d-eog^^ ixdeiiiaTdi. x6 de ,,aXXog^^ eail^avep otl xat ovtj] 

d-eog iariv. r^drj di xat TtagoifÄiiudeg yeyove „^>; 

reg xat Tqwag eyeiQr]^^ : — 

3* 



— 36 — 

y 100 : 

ovd^ kXaße. xpvxij de xara %d'Ovog ^t/iB xoTtvog 

V: diä To kenrov xai Ttvevfiarwdeg. rl TtQog ri^v 
xivtiaiv. ZcitXog di q>f]aiv ort dXX^ 6 xaTtvog avio 

Man vergleiche noch die SchoKen K 149, 394, V 271, 
730 bei Dindorf mit denen von Bekker. 

Begründungen, eingehendere Erklärungen etc. fehlen sehr 
häufig : 

K 140: 

hi d^^Xd-e TiXiairjg xal ag)eag Ttqog fiv^ov eemev 

V: SvawTteiTaL yoQ Niotoqog xaXovvrog. ov deiXog de 
oTi ivtog T^g aycTjv^g Tcad^evdei. ov yaq Ttqog aaq)dXeiav ai 
anTjvai, dXXa Tcqog OKiTtTjv avrolg TtenoirivzaL, 6 yovv 
l^yafiifivtjv elg rijy Gxrjvrjv eigaqxBTai Nearo- 
qog (?) ovdev ixvqov exovaav nqog eq)odov noXe- 
ßiliov : — 

K 192: 

ovTit) vvvj fplXcL reuva, g)vXaaaere, ^rjde tiv^ vrcvog 
aiqetTCJ 

V : Tex^ixdig did xov TtaqayyeTXai avtolg Sfiolcjg qwXdr- 
reiv in'jßveae tb a/ia xal nqogera^ev dvB7tiq>96vo}g, ev de xal 
TO y,q>iXa Tf'xya". Tqi ydq avyyevixt^ ovofian zrjv an 6 rot 
v/tvov vevixrpiev iqdovriv. xov de Tcaidog ovä^ oXtog 
ifivtjfiovevaev : — 

Ä 233 : 

Tolai de xal (jLeteeinev ava^ dvdqäv Idya^ifjivixtv 

V: Ttavra Niazwq dKiixrjoe xataTtXrfx&ivrog xov ßaai" 
Xt(og. dtOTtov de f^v t6 acpwvov avxov fAelvai. vvv ovv r<^'5 
l^dqaei Twv dqiazitov üoTieq dvaa<pi^Xag qnrjal neqi xov ddeX- 



— 37 — 

q)Ov^ OTOTtov yccQ ijv NioToqa xai tovxo igelr 
ytaraßaXXovva rov MeviXaov z — 

K 243: 

nag av CTceir^ 'Odvaatjog iyaH ^eioio laihoifitpf 

V: Tj eavTOv &a^^wv avdqlff avfdßovlw aiQEtrai. dio 
Ttagltjai ^Yavra: — 

K 427: 
TOiyaQ iyd xat ravra (icV äxfjBxitag xavali^o} 

V : xai TtXeiova wv r/^r?]^ij Xiyec avfAßovlog yivo/dsvog 
rov oXed-QOv Ttüv avfi/iaxtov. lovxo ie deiXiag xai 
XctvvovfjTog avfißoXov : — 

Ä 433 : 

ei yaq drj fÄSf^arov Tqcjiüv naradvvm OfJiXov 

V : Ol fiiv TteQi *Odvaaia ov TQavorerov i^iqrrjvav %iiv 
ßovXrjaiVj 6 äi avfißaXXetai avTciv zf^ axiil^ec xat fiiag ipvx^g 
aüv^iff nqodidiüöi, oXcyp z6 ov^^axinov, oi de xal Inai^ 
vovatv (v 448) wg OTCOTQexpafievov avrovg ^'E%%OQog 
diä rov inaLvov tüv @Q(je>i(Sv : — 

V 30: 

TtoXXot fiiv ßoeg aQyoi dgex^^eov auqü aidri^ 

Ausser den von B gegebenen Erklärungen lesen wir 
noch in V : ?/ otqyüg^ o eazi Taxi(og wg „raxeeg 
d^lTtTtrjeg ayeqd-ev^^ (287) viveg öi dqyol avvex^lgy 
raxelg^ ädidXeiTCtoi rj dqyi^ aidi^Qq) rtp TtoXiif : — 

^ 139 : 

aiipa de oi ytevoeixia vr^ecyp vXrjv 

V : TijV aQeOKO/Äivrjv l^xiXXei f] rriv TtQenovaav tj nvQ^. 
cprjat yovv ,yfcaqd re axelv wg iTtieixeg^^ (50). /ustcv^- 
vextav de OTtd räv ^civTwv, xvglwg ydq av etTtoi 
Tig fievoemeg ro t^ re fxivet dqeorov xat xara- 
&vfiiov : — 



— 38 — 

W 301:. 

livxih>xog de zitaqtög ivtQixccg (OTtXlaa^^ trCTiovg 

V : ov (jLCLtrpf lircikoxog dytovi^erai. IfCTiiTcov yaq ioTi 
TiaTQog xai nagi^ei acpoQfirjv z^ rcaxql VTCO&rjuag aiz^ 
fjvLoxBiag Ttaqadovvai. &XX(ag ze nat djtoyovog iaziv 
iTtTtiov d-eoi Iloaeidcjvog : — 

W 336 : 

jyx' ^tt' (XQiözeQa zouv, ardg zov de^iov %7tnov 

V: i^Q^fia nXidijvat. nqog z6 fi'qze ozQd}pai (sie) zov 
di<pQOv yial zov de^iov Xjtnov xerzgiaai nqog z6 dgafieiv, 
äXld xai %ovq>iod-rlvai zov diq>qov xal Tvegi- 
ÖQafielv, 6 di dqiozeqog axoXoclzeQOv ävvei: — 

V 537: 

diX' aye (5ij ol dwfiev di^-liov, (og STtieixeg 

V : diödaxei zovg naqd zr^v d^iav dzvxovvzag iXeelv xai 
lirj Z'^g dQBT'^g iav vitsqreQeiv zrjv zvxfjv (dUrjvY). aXXaig 
ze Tcai OeaaaXog 6 EvfirjXog : — 

V 599: 

Xr/tov dXäi^OKOvzog, oze q)qiooovaiv aQOvqai 

V : oz€ zeleiovvzai ol azdxveg : zoze ydq q>avtQd ylvezat 
ij dQÖaog, ovx^ St« eiat zaneivoL ii dvoQ&ovvzai 1^ Tcivovvzai, 
k'azL de xai Ttqog TtoXefiiovg jtq^og MeveXaog: — 

W 612 : 
^H ^a, xai udvzikoxoio Norj^ovi dwxev ezaiqif) 

V: ovofjia {yuvqiov o. V) o xai iv ^Oövaaei(f (ß 386) 
ffviog Ogovioio Noi^fiCJv^^, del de zovovzov elvat ^v- 
ziXoxov ezaiqov : — 

W 720 : 
ovt' ^tag ävvazoj xqazeqri S*exev ?g ^Oövafog 

V : ij /lercf zixvrjg, zovzip ydq ivixa, tazi de TtaXatazi^g, 



— 39 — 

cl'yc xat xov Oikofir^keldrjv xareTtdlaiaev {d S42): — 
dafür hat B kati di nahxiat'qg e/tiari^fMov, 

Man vergleiche noch die SchoKen bei D. V 353, 649, 
666, 736 mit den SchoKen bei Bekker. 

Diese Beobachtung hat sich mir durch alle Bücher 
liindurch bestätigt und ich könnte das hier Gebotene noch 
um Reichliches vermehren. Leicht kann sich davon ein 
Jeder überzeugen an der Hand von Bekkers Ausgabe, wo 
die Zusätze aus V vielfach angegeben sind. Doch ist hiebei 
zu bemerken, dass nicht selten für die Sigla V bei Bekker 
fälschlich A steht. Auch sieht man daselbst nicht selten 
Scholien mit der Sigla BLV versehen, die nur einzelne 
Teile mit einander gemein haben, wo also die Zusätze aus 
V nicht eigens kenntlich gemacht sind. 

Aber das Hauptübel, woran diese Scholien des Venetus 
B leiden, ist nicht etwa mangelhafte und ungeschickte Re- 
daction, willkürlich^ und unverständige Kürzung, so sehr 
dieselben auch dadurch verschlechtert wurden: am gröbsten 
wurde denselben von unserm librarius mitgespielt durch ein 
anderes Verfahren, das ein würdiges Seitenstück bildet zu 
den oben dargelegten Principien dieses Schreibers : es ist das 
heillose Verfahren der Cont amination. 

„Verkürzen und Zusammenziehen** sind die Losungs- 
worte dieses gedankenlosen und handwerksmässig arbeitenden 
Gesellen gewesen: und er hat damit gearbeitet und Pracht- 
stücke in die Welt gesetzt, die noch bis auf den heutigen 
Tag in unsem Scholienausgaben glänzen — ja bis auf den 
heutigen Tag, obwohl der Schreiber nur zu deutliche Spuren 
seines unsauberen Verfahren« zurückgelassen und Irrtümer 
begangen hat, die gross und mächtig sind „wie der, der sie 
gezeugt.** 

In der Recension von D.'s Scholia Vol. HI u. IV (Jahrb. 
1878 p. 536) bin ich der De scholiis Victorianis Homericis 



— 40 — 

nur constatirten Tatsache etwas näher getreten, und eine 
eingehende Beschäftigung mit dieser für die richtige Gestalt- 
ung und Herausgabe dieser Scholien so wichtigen und ein- 
schneidenden Frage hat mich voUständig belehrt und über- 
zeugt, dass eine neue Ausgabe nur gewinnt, wenn sie jenen 
Codex erst in zweiter Linie heranzieht; denn es lässt sich 
mit den triftigsten Gründen erweisen, dass wir, wenn heute 
im Venet. B ein einziges grösseres Scholion steht, wo der 
Vict. 2 oder mehrere durch Lemmata geschiedene Scholien 
bietet, in den Scholien der letzteren Handschrift die ur- 
sprüngliche und älteste Gestalt derselben erblicken müssen. 
Denn es ist nicht anders: der Schreiber der Scholien 
des Venet. B — oder ein anderer vor ihm — hat, 
um nicht immer neue litterae numerales über 
die Worte des Textes und an den Anfang der 
Scholien setzen zu müssen, der Bequemlichkeit 
wegen 2 oder mehrere Scholien in ein einziges 
zusammengezogen. Anders wüsste ich mir diese Tat- 
sache nicht zu erklären ! Mit dieser Contamination allein war 
ihm natürlich noch lange nicht gedient : treu dem früher 
gezeichneten Verfahren hat er viele ihm vorliegende Scholien, 
an denen er diese seine Hauptoperation vollziehen wollte, 
sich zuerst zurecht präparirt durch kräftige und kühne, am 
Anfang, in der Mitte, insbesondere aber am Ende ange- 
brachte Schnitte, ganz so, wie wir es eben dargelegt haben. 
Dass durch diese grossen und kleinen Operationen diese 
Scholien nichts gewonnen haben, ist vollständig klar. Nun 
sind freilich noch andere Annahmen über diesen Punkt 
denkbar und zulässig , so dass man vermuten könnte : nicht 
die Scholien des Vict., sondern die des Venet. B repräsen- 
tiren die älteste und ursprünglichste Gestalt dieser Scholien. 
Z. B. Es war ursprünglich ein zusammenhängend ge- 
schriebener, mit de vermittelter Commentar : diesen schrieb 
nachher ein anderer — vielleicht ein byzantinischer Ge" 



— 41 — 

lehrter — in einer andern Redactionfjform so ab, dass er die 
einzelnen Erklärungen sonderte und sie mit eigenen lemmata 
versah. Oder: was schon viel wahrscheinlicher klingt: dieser 
ursprünglich zusammenhängende mit äi vermittelte Commen- 
tar ward zunächst hinübergeschrieben mit Auflösung der ver- 
bindenden Partikeln an ein Exemplar des homerischen Textes 
— an den obem, mittleren, unteren Rand — über die Zeüen 
etc.: diejenige Redaction tmserer Scholien nun, welche noch 
am meisten an den mit de oder anderen Partikeln verbundenen 
Commentar sich anschliesst, repräsentirt also die älteste Ge- 
stalt derselben. Ich muss gestehen : auf diesem Wege kämen 
wir direct zu dem librarius des Venet. B: Aber wir wollen 
ihn uns so fem als möglich halten: denn kein Gedanke 
im Entferntesten daran, dass' wir hier in diesem un- 
seligen Wirrwarr vieler grösserer Scholien die älteste Quelle 
des ursprünglich verbundenen Commentares vor uns haben : 
die Beweise vom Gegenteil sind ja zu offenbar und sprechend : 
die ursprünglich getrennten Scholien wurden vielmehr von 
unserm librarius zu einem oft geradezu unverdaulichen Con- 
glomerat in unverantwortlicher Weise zusammengeschweisst. 
, Facta loquuntur.* 

Man betrachte einmal folgende Fälle. 

r 201 sagt Helena von Odysseus: 

og TQdq>f] iv dr^fjKp-^Id'd'Krig nQavafjg neq eovarjg 

Dies erläutert nun B unter anderm mit folgenden Worten : 
ijdsi de Tovrovg c5g ^eviad-ivrag Ttag* ovtj, o did to yr^og- 
Tioqeg eTtt fiovov ^Idof^evewg earjfiavev. ote ydq ix Tevidov 
eTtQEoßsvaavTO ol Tragt Mevelaov, rote 14vti^vcoq 6 ^iT^etaovog 
vTteöe^aro avrovg Kai doXocpovela&ac fieXlovvag eacoaev. o&ev 
liexd T'^v Tfjg Tqoiag aXioaiv Idyaiie^vwv eniXevaev q)€iaa- 
ad-ai Tcov olxeiwv IdtvTT^OQog, TtaQÖdXewg dogav e^aifjag nqo 
Täv OLTLiav avTov : — Wenn das Jemand verstehen könnte ! 
In den Worten ^det äe tovtovg dg ^eviad^evrag rcaq' avty 



— 42 — 

• 

— iar]iittvep will der Scholiast sagen: Helene kannte dess- 
w^en den Odysseus , wie den Idomeneus , von welchem sie 
V 232 sagt : 

TtoXXdytL fiiv ^eiviaaev dqrfCq)ih)g MeviXaog 
ol'xf^ iv '^fieriQip, otiotb KQ^Ttjd-ev Ilxolto. 

Von einer Bewirtung beider in Troja kann also gar 
keine Rede sein! Was haben nun die ersten. Worte da zu 
tun mit dem Folgenden ore yaq ex Tevidov — olxwy 
avTOv : — ? doch wohl gar nichts ! Sie beziehen sich ja, 
wie Jeder sieht, auf etwas ganz anderes: nämlich auf die 
Worte des Antenor 

V 205: 

ridt) yccQ xal devQO Ttox" xiXvd^t diog ^Odvaaeug 
aev Jrfix' ayyellrjg avv aQrjicpiiÄif Mev€Xd(i> 

Da haben sie Sinn ! Doch wie kommt unser Ritter dazu ein 
solches monstrum von einem Scholion zu produciren ! Ich 
dächte, das ist einfach und natürlich. Hatte er nämlich 
mehrere Scholien flir seine traurige Operation ausersehen 
und durchgemustert, da wurde ihm, wie er denn ein Schlau- 
kopf war, sofort klar, daas er z. B. hier von sich aus keine 
verbindende Partikel, kein de oder xai etc. einzusetzen 
brauchte: das zweite Scholion lautete ja mit ydq an und 
spricht von ^evi^eiv wie das erste und da hat er beide fried- 

« 

lieh nebeneinander gestellt! 

Bekker hatte da£i schon richtig erkannt und daher die 
Scholien nach V gegeben : 

a) nQavarjg neq iovatjg: xai XvTtQa ydf %o)qia 
TtigwTtev aqicxovg avdqag iiiq)€Qeiv. jßdei de tov- 
Tovg C(5g ^evia&evTag Traq^ ccvrfj, o did ro Tcqog'KO- 
qeg int fiovov ^Idoiieviiag eo'qftavev „TtoXXdxi 
fiLv ^eiviaaev^^ (232) 

b) ¥^07] ydq nai äevQO (205) : oze ydq 

avTOv : — 



— 43 — 

In einem prächtigen Gleiclinisse schildert uns der Dichter 
J 422 ff. das Anrücken der Danaer : 

wg tot' iTraaavTBQai Javaoiv -klvvvto ^layyeg. 

Da bemerkt nun B zu dem Gleichnisse: ov ngog tov tjXOVj 
aXla rr^v STtdXki^Xov tüv q)aX(iyyi()v (pOQdv noQBvovzai yccQ 
jiOiyij äeidioveg arjfidvto^ag^^ (431). Ziqivqov yäq naqihxßev 
av(od'ev iftiuvkiovra rd KVfiaTa, iqe^aiuig re aq^^ai y^eTtL" 
relvezai de vareqov, dio xat ro vtco xivr^aavrog, xat ovT(x)g 
xard fjiiqog av^ei rd rov TtoHfxov, TtQoawipoi de xat vvv 
To Jiofii^dovg TtqogcoTtov : — Wie kommt, so frage ich, Dio- 
medes zu der Ehre, in diesem Gleichnisse verherrlicht zu 
sein ? Nun sehr einfach , durch die Dimmiheit unseres 
Schreibers ! Bei der vorgenommenen Durchmusterung der 
ihm verfallenen Scholien begegnete nämlich seinen Augen 
ein grosseres und ein kleineres : er seufzt über die Arbeit : 
beginnt aber mit dem harten Stück derselben zuerst : atmet 
nach dessen Beendigung hoch auf und setzt dann ,,den 
Pferdekopf** daran. Ich habe nämlich sehr häufig beobachtet, 
obwohl es bei diesen Schreiberlaunen auch Fälle vom Gegen- 
teil gibt, dass er gern bei seiner Contamination mit dem 
grösseren Scholion beginnt, dem er dann das kleinere an- 
hängt. 

Hier ist es unzweifelhaft so V : 

a) raXaaiq>QOvd 7t eq: Tcgogawipöl (sie) ro jtQog' 
(OTtov JiOfjLridovg : — (421) 

b) (ag rf'oir' iv aiyiaX^: ov Ttqog tov rffpv . . . . 
TtoXefiov : — 

Hätte man früher nur eine Ahnung davon gehabt, wie 
die meisten grösseren Scholien des Venet. B entstanden sind, 
man hätte kaum den in ihnen oft breit daliegenden Unsinn 
zum Abdrucke gebracht. Davon noch einige Beispiele : 

Helena sagt F 180: 

dariQ atr' fijtiog saxe KvviOTtidog, ei Ttoz* erjv ye 



_ u - 

B lasst sich nun darüber in folgender geistreicher Weise 
vernehmen: if^og eane xvvciTtidog: n^g ti}v arjf^aauxv 
VTtrivzrflB Tov xvvdTtiäag xal t6 ifzog. dai^Q yaq ifiov rrjg 
xwcjTtidog. T] ovtwg et tcox* erp^ <Jö^)?> ßi"Og eijv. tovtov de 
TO dTjXvTcov ov ddei^af dXKct yaXiog, Sid di rov daiqog Xtkrj- 
d-ortag tov avdqa oXoqwQezai : — Das ist nun wieder voll- 
ständig sinnlos ! denn was hat das ri ovitog ei rcort' %rj[» 
dai^Q, i^og erjv mit der vorausgehenden Erklänmg des Genit. 
-KvvtaTtidog zu tun? Wie kann man da von einem rj ovrcjg 
reden? Sed vide »quid distent aera lupinis*. V bietet: 

a) da'^q ifidg nvvtiTtidog: Ttqog rrjv arjfiaaiav 
VTtr^vTtjae, to ydq dariq ifzog drjXöi ro da^q ifiov 

TTJg xwdftidog, Tovtov de t6 dTjXvxov 

TOV avdqa oXoqwqerai : — 

b) fil'TTor' srjv ye: ii Ttove r^v dai^q, ifiog riv darfi. 

Aus diesen beiden Scholien ist das eine in B in höchst 
ungeschickter Weise contaminirt worden. 

Dass der Sinn oder vielmehr der Unsinn, der durch 
eine oft so geistlose Gontamination entsteht, unsem Schreiber 
nicht im mindesten genirt, davon noch ein Beispiel. 

Helena fühlt Sehnsucht F 140 : 

dväqog re Ttqoreqoio nat aateog rfie Tox^wy. 

Zu diesen Worten lesen wir in V das eine kurze Scholion 
dvdqog Jtqoveqoio: ayvoel ttjv Orjoicog dqTtayi^v OTtcog 
(lege : 6 Ttocrjti^g). int dvo yovv Ttqoreqoio qrrjat : — Ein 
ähnliches Scholion, wohl aus dem Werke des Aristonicus 
stammend, lag auch B vor: er schreibt: ayvoel rrjv Orjaetag 
aqnayriv 6 TtOir^xrjg, i^ (»^ ist zu streichen) to nqoreqoio eTtl 
fjLOv&v MeveXdov red-emev^ (og elvai devreqov ^Xe^avdqov : — 
Man ist ordentlich froh, einmal Etwas Gutes bei ihm zu 
lesen, aber was thut er, der Unglücksmensch ? nachi^Af^ay- 
dqov fahrt er allen Ernstes fort : eTtai nqäxov ftiv VTto 



— 45 — 

l4%üJiA(aq iv ovelQq) ow avrdg ov fiifjivr]Tai : — ! ! ! 

K 257 heisst es von Thrasymedes , der den Tydiden 
zum Auszug rüstet: 

df^q)i de ol xvvhjv xB(paXfjg>iv edirpuBv 
TovQeirjVy aq>al6v tb xai äiXoqtovy ijre xctvaiTvi 
i^iuXrjxaiy ^etai de xdgi] d-akeqtüv ai^rjciv. 

Worauf mag sich aber das Scholion beziehen, das wir 
in B lesen? Dindorf setzte das lemma ^verai de xaqv} 
vor: deinwaiv ori TtQog fiovrjv aximjv, ov TtQog noof^ov Tte- 
TtoiTjrai, wate rg /ley ifi7th>x'^ tcüv Ifidvrwv dvadidXvrov 
elvai To TiQavogy T?]y de e^(x)d-€v e7tiq)aveictv ansTtead'ai fiecä 
Twy odovTwv TTvxvcUg eqeiod-evcwv : — 

Wer könnte je, wenn er die Sache ernstlich nimmt, 
diesem Scholion einen Sinn abgewinnen ? Es ist unmöglich : 
die Worte beziehen sich eben auf verschiedene Verse und 
im V sind sie wieder ganz richtig geschieden : 

a) ^verai de xagr] (259): ort nqog iiovrjv aninr^v 
7iejtoLr[catj ov Ttqog xoa^ov, (faXog de eati fiiTtQog 
Ofiqxxlog, ov devcai 6 X6q)og : — 

b) ^ivov TtoiriTi^Vy TtoXiaiv d^evroa&ev i^fi- 
aiv (262) : wäre t jf ifirrXox'g xiHv Ifidvtcjv dvadid- 
XvTov fielvaL %6 v.qdvog^ xiv de e^iad-ev i7tiq)dveuxv 
axi7tea&ai xard (sie) rtiv odovrtav TCVTivcüg egei" 
a&ivTCJv : — 

Da ist Alles klar und verständlich. 

E 407 lesen wir : 

ovTi fidX* ov drjvaiogj og dd-ccvdtoiai ^dxrjxat 

B bemerkt: ^crA' ov dr/vaiog: ov (idhx drjvaiog 
xal xQOviog, elg evaißeiav de rjfAag did tovtwv TtaQaxaKel : — 
das ist so kurz und sieht so unschuldig aus und doch ist 
es contaminirt. Man sehe V : 



— 46 — 

a) om fiaX^ ov drivaiog: ov fidla drjvaiog, eis 
evaißeiav ^f^Sg diä rovtcav TtaQaxcdei: — 

b) ov drjva Log: noXvxQoviog: — 

Das ist sicher da£i erste und ursprünglichste, a gibt die 
Erklärung von der Stellung des ftaX" ov für ov fidk\ woran 
sich noch eine andere Bemerkung angeschlossen, b ist eine 
Glosse, die mit dem ursprünglichen Scholion nichts zu tun 
hat. In B sehen wir nun Glosse und Scholion zu einem 
Ganzen friedlich vereinigt. Ich denke daÄ ist ein hochwich- 
tiger Gesichtspunkt für die Betrachtung, wie die ursprüng- 
liche Gestalt dieser Scholien zuerst verändert wurde. 

Ich möchte nun zur Besprechung eines Scholions über- 
gehen, das wie kaum ein zweites die Kritik herausfordert 
und das in mir schon früher den Gedanken an eine Conta- 
mination wach rief. Es mögen zuerst die Scholien folgen, 
wie sie im V stehen. N 367 ff. ist von Othryoneus die Rede. 
V hat da folgende Scholien : 

a) r^ (J'6 yiQO)v Tlqiafiog (367): q^ovevcov avrov 
diddaTcec firj rd vneq dvvafxiv eTtayyeiXBö&ai firjre 
firjv Toig Toiavraig TtcaveveLv V7ioa%eaeoiv : — 

Nun das ist vollständig klar : diese Scholiasten spüren 
ja bei dem Dichter immer moralischen und didactischen Ten- 
denzen nach , eine solche nahmen sie auch hier wieder 
an : zu diddaxei ist also Subject 6 TcoirjZT^g und g)ovevü)v 
heisst ^ indem er ihn tötet d. h. töten, sterben lässt** gerade 
wie wir E 635 vom Dichter gesagt im Seh. lesen : äio xai 
TXrjTroXeiiov dvaiqei. Der Scholiast meint, man solle nicht 
das Vermögen übersteigende Versprechungen geben , wie 
Othryoneus , noch solchen prahlerischen Versprechungen 
glauben, wie dies Priamus tut. Also kann das Scholion 
ganz gut bei diesem Verse stehen. 



— 47 — 

b) 6 ö^iTtev^aro gxüvrjaiv %b (v 373): tlvb^ de 
xeQTOfiewv €7tog rjvda, ov yäq Tiavxriftctviav 
aiQei Xoyov, dXXd oaQxaa^ov dvanXectiv : — 

Das hat seinen ganz guten Sinn und wird Kenner dieser 
Scholien kaum befremden , da wir ja Varianten zu den eine 
Rede einleitenden Worten genug haben; femer ist auch der 
Charakter der folgenden Rede mit aaQxaafiov avanXBiag voll- 
ständig richtig getroJBfen. 

c) cu ^OS-qvovevi rj dno avrofiohav Iq ertl rqf enay- 
y^Xfiari TtecprjjiiaTai railg fiev e/r' eXTtidi vUrjg, 
Tolg 5' "EHrjaiv ijt^ dßeXrrjQiav : — 

Dieses Scholion ist corrupt, aber wenn man die Worte 
auch nicht sicher emendiren kann, so ist doch der Sinn von 
dem, was ursprünglich hier stand, unschwer zu erraten. Das 
lemma zeigt uns den Namen ^OS'Qvovev und nun war wohl 
bemerkt, Idomeneus konnte den Namen wie das Versprechen 
des Othryoneus entweder von Ueberläufem gehört haben 
oder die Sache war überhaupt öjBfentlich bekannt gemacht 
worden, um die Troer mit der HofiBiung auf den Sieg zu 
heben, die Griechen einzuschüchtern. Was nun das erstere 
anbelangt , so bemerkt Aristonicus zu S 45 i^dytovOTa de 
iylvero TtaQa tolg noXefiloig wg nat rd neqi tov ^OO'Qvovea 
und zu K 447 elxog di rivcov yivcoaxeod'ai xd ovofjiaTa, (og 
av öe^ahovg yeyovorog xQ^^^^ . . . : — vgl. Arist. zu 
Y 389, so geht also die Bemerkung in V teilweise auf eine 
ganz gute Quelle zurück. 

d) alvi^o^ai : i^ eTtaivü nagd tov alvov ij (poßov- 
fxat Tiaqd t6 deivov (sie) r/ dirjyrjalv oe noii^aofxai 
naqd to cuvov „alvog ftev toi dfxvfxmv^^ (^ 508) 
Tiveg di alvl^Ofiat: — 

Dieses Scholion bedarf wohl keiner Erklärung. 



— 48 — 

Statt dieser 4 Schollen bietet nun B zu iV^ 374 ein einziges 
mit folgendem Wortlaut : r[ inl räv avro(i6hav rj im 7tavx(av 
alxf^ahitiüv ij iTvt rcHv en iXTcldi eTtayyeXfÄatütv ai ävaqxo- 
vrjoeis xatTOvraL, o\ fiiv ovv TgiSeg avrov skTridi vUrig 
d'avfid^ovai xat avaiQOVfiivov q)oßovvxai, 6i de ^'EXkrjveg STti 
dßektrjqi(f €7tLg)Cüvovaiv \ q)ovev(ov de avtov 6 ^Idofxevevg di- 
daaycei firj xd vtveq dvvafiiv irtayymead-at ii'^tb ^tjv tolq 
Toiavraig TCiareveiv VTtoaxeaBaiv \ ov xavx^f^ctriav de TtqO" 
(piqei Xoyovy a}Xd oaQxaauov dvccTtlecov \ Xiyei ydq alvi- 
to(iat ijroi ertaivü naqd xov alvov rj (paßov^ai TtaQa ro 
alvov : — 

Ist liier auch nur ein einziger vernünftiger Gedanke ? ! 

Meinetwegen der Scholiastengedanken : ol fiiv ovv Tgoieg 
avTOv eXniöi viiir]g ^av^aC^ovOi ycai dvaiQOVfiivov cpoßovvrac: 
denn ol de "EkXrjveg enl dßelTtjQiif iTtiqxavovaiv ist schon 
wieder unrichtig oder ungenau! Doch folgen wir lieber unserm 
Dunkelmann in's Einzelne : es ist eine lohnende Aufgabe : 
wir ahnen also zunächst, dass unserm Schreiber 4 ähnlich 
oder gleichlautende Scholien, wie wir sie aus dem V mit- 
geteilt, vorlagen: Nun, was hat er damit angefangen? Er 
hat sie zu einem wunderschönen Ganzen verbunden. Doch 
wie? Zunächst hat er mit dem Scholion begonnen, welches 
er zu dem v 374 gelesen : 

^OO'Qvovev^ Tceql örj ae ßqoxüv aiviCo^'* äjtavxcov 

Nun wir konnten aus den Worten des unter c mitge- 
teilten Scholions doch wenigstens annähernd einen Sinn 
eruiren : aber wer deutet uns dieses Orakel : „»/ ini xüv 

avxofioXcov 11] enl ndvxcjv alxfiaXcjxwv ai 

dvaq)covriaeig xdxxovxai ; ? doch mag vielleicht schon seine 
Vorlage corrupt gewesen sein und wir wollen ihm daraus 
keinen Vorwurf machen. Aber warum hat er nun gerade 
mit diesem Vers angefangen ? Weil er ein Schlaukopf war ! 
Er sah ja, dass von den Scholien, an denen er seine beliebte 



— 49 — 

Operation vollziehen wollte, 2 sich auf den Vers 374 be- 
zogen, also hat er praktisch in seiner Art gerade damit an- 
gefangen : das war natürlich das Ttquivov ifßevdos l Hatte 
er also mit der Rede des Idomeneus begonnen, so musste 
notwendig das unter a mitgeteilte Scholion, das nun zunächst 
unterzubringen war, in einen falschen Zusammenhang und in 
eine falsche Stellung kommen und das war die Veranlassung, 
warum der Schreiber den Namen ^[dojispevg einsetzte und fort- 
&hr: g)ov€vcov da avrov 6 ^Idofievevg diddaxet. Aber damit ist 
nun gerade dem Geiste dieser exegetischen Scholien, soweit 
man da von Geist reden kann, auf die gröblichste Weise 
ins Gesicht geschlagen : denn es ist doch eine der trostlosesten 
Wahrnehmungen, die man bei diesen f(ir Poesie so wenig 
emp&nglichQU SchoUasten macht, dass sie überall in die ein- 
fachen, natürlichen Worte des Dichters die lacherlichsten 
didactischen Tendenzen hineintragen: darum ist nur einzig 
richtig, was in V steht oder zu ergänzen ist ^'OfitjQog oder 
jroifjtrjg. 

Mit dem Einsetzen des Namens ^Idofuisvevg war aber für 
den Schreiber viel gewonnen : denn passend oder unpassend 
musste er ihm die beiden folgenden Scholien b und d zu- 
sammenhalten : ov 7iQoq^€Q€i Xoyov — Xeyei yag. Wir müssten 
xmsem Variantenfeind von früher her wenig kennen, wenn 
wir nicht im Voraus bestimmen könnten, wie er mit den 
unter b mitgeteilten Scholien umgeht: das Grundprincip 
heisst Streichen! Er lässt also die Variante weg und fahrt 
dann fort Xeyei yaq alvl^Ofiai r/noi hcaivü .... Ttaqä 
t6 alvov : — Aber es ist geradezu lächerlich, uns zuzumuten, 
den Sarkasmus der nun folgenden ganz vortrefflichen Rede 
nur einzig und allein in dem alvl^ofiai zu suchen. Auf 
die allerungeschickteste Weise hat unser Ritter die unter d 
gegebene Erklärung von alvi^OfxaL, die mit dem Voraus- 
gehenden gar nichts zu tun hat \m^ nur für sich besteht, 
natürlich wieder mit den nötigen Kürzungen angeflickt. 



— so- 
wie nun zunächst durch diese bequeme und geistlose 
Gontamination dieses dunklen Schreibers eine ganze Reihe 
von Scholien vollständig unklar und unverständlich geworden 
ist, so wurde dadurch wieder in andern die ursprüngliche 
Beziehung und Bedeutung derselben total verändert und ver- 
kehrt, was ja ganz natürlich war, sobald dieselben einmal 
aus ihrer richtigen Stellimg verrückt mit Scholien verbunden 
worden, mit denen sie gar nichts zu tun haben. Sehen wir 
uns daher einmal einige an : 

J 228 ist von den Rossen des Agamemnon die Rede : 

EvQVfiidwv, viog nTol€f,iaiov TleiqaCöao' 

Das erläutert uns B in einem Scholion : JleiQaiog IleiQaidrjg, 
TleiQdidrjg 'Kara didoTaaiv. dvanaveL de avröig rrjv dvvaixiv 
elg Tfjv liiiXovaav Tafiievofievog fddxtjv : — Unter dem avzoig 
kann man natürlich nur die Rosse des Agamemnon verstehen 
und das klingt doch sonderbar genug. Wenn wir nun im 
Folgenden lesen 229, 230 : 

r^ liahx TtolX inereXle Ttaqiaxifxev, OTtTtore xev (ziv 
yvia hxßjj xa/iarog, TtoMag did TLOiqaveovra 

so sieht man deutlich, dass dem ursprünglichen Stholion eine 
andere Beziehung gegeben wurde, dass das, was von Aga- 
memnon gesagt wurde, durch airoig unpassend auf die 
Pferde desselben bezogen wurde. Gewiss lesen wir wieder 
das Ursprüngliche und Richtige in V, wo 2 Scholien stehen : 

a) IleiQatdao: rieiQaidg IleiQaldrjg %al ev diaaxdau 
xov L 6 IleiQdi'drjg wg uiXyiatdrjg : — 

b) T^3 (idXa TCoXX^ STcirelXe Ttaqiaxi^Bvi 
sdei ydg dvvafxiv elg trjv (lelXovöav rafiievea&ac 
f^dxTjv : 



— 51 — 

Ganz ähnlich scheint es sich auch zu verhalten mit 
dem Scholion, das wir zu E 141 lesen 

Da bemerkt B : ov%coq ydq avv€Qxovrcci dXXT^Xaig , iTteiddv 
Ttforjd'coaiv, i/jtoi de rag ^tiaag q)r]aiv rj Tag xctraßaiXo^ivag, 
did de Tov Tiexvvrai to TtXijd'Og drjXot wg rö jffieXiaadiJv 
ddivä(jt)v^^ (B 87) xat „iU^A' ddiva^^ (a 92). ivaQywg de twv 
öediotcjv eai]fiave oxfj^cc : — 

Ich nehme hier Anstoss an den Worten Ivaqydg de 
rüv dedioTcov eaiq^ave axfjf^cc: — Sie scheinen mir unrichtig 
auf die Schafe bezogen ; aber der Scholiast lässt es ja un- 
entschieden iiroi äi rag ^ciaag q)f]aiv rj rag navaßaXkofiivag, 
ob sie lebend oder todt waren. V bietet hier 3 Scholien : 

a) dlXd Ttard ata&fiovg dverai: ivaqycdg de 
tov dediOTa eai^fxavev : — So hat es Verstand, 
wenn man es von dem Hirten versteht. 

b) al II ev — Y,exvvT ai: ovxwg ydq avveQxovtai 
dXkiijXaig iTtLTttorjd^e'iaai ijzoi de al ^waai f) al 
nazaßaXkofÄevaL : — 

<i) 'Kexvvx ai: to nkrld-og drjXoL dio xai ro „/uc- 
Xiaadiov däivdcjy^^ (B 87) q>r)at xat „^u^A' ddivd^^ 
{a 92) : — 

üeberhaupt sind in diesen Scholien nicht wenig Ver- 
stösse gemacht worden durch Einsetzen falscher Worte, so 
dass die ursprüngliche Beziehung derselben ganz verdimkelt 
wurde. Das ist natürlich am meisten bei den contaminirten 
Scholien geschehen, aber auch bei nicht contaminirten ist 
mir der Fall mehrfach aufgestossen. So lesen wir zu dem 
Verse E 171 : 

ndvdaqey nov toi to^ov Ide TtTeQoevTeg oioTol 

in BL : oixcia ra eyndfiia t&v oiütojv r jf TtQOTQOTty, ag eig 
avTov dq>0Q(6arig fiovov T^g tüv Tqcuiov aoJTfjQiag: — Wie 

4* 



— 52 - 

kann man von dem gewöhnlichen TtTegoevreg oiaroi so 
sprechen : olneux tä ayxtoixia vcov olaxüv ? WaÄ ist denn in 
dem Tfcegoevteg gerade besonderes ? Man sehe Y : 

nov xoi TO^ov : ij to^eia, olxela de rd iyxco^ia rjf 
TtQorgon^ tog eig avtov /lovov aaXevovotjg rrjg aanrjQiag rwv 
Tqciiov : — So beziehen sich ganz natürlich die eynwfzux auf 
To|ov — oi'avoi — xXiog. 

So sind also zunäclist, wie wir bisher gesehen haben, 
durch das Contaminationsverfahren diese Scholien oft bis zur 
Unkenntlichkeit entstellt worden: aber diese so zusammen- 
geschweissten Scholien haben, worauf ich schon oben hin- 
gewiesen, noch mehr gelitten durch die starken Striche und 
Kürzungen, die in denselben angebracht sind. Uebersieht 
man nämlich ein beträchtliches Material, so ist die allerge- 
wöhnlichste Beobachtung, die man macht, die, dass die 
meisten dieser Scholien in derselben Weise Kürzungen er- 
fahren haben wie die oben angegebenen. Wie dort, so sind 
auch hier Citate, Erklärungen, Begründungen etc. ausgefallen, 
so dass wir unsem alten lieben Bekannten von früher auch 
hier wieder treffen. Im Zusammenhange damit steht ein 
anderes von ihm beobachtetes Verfahren, dass er sich nämlich 
oft wenig um die richtige Reihenfolge der zu contaminirenden 
Scholien kümmert, also hier mit diesem, dort mit jenem be- 
ginnt, wie es scheint ganz nach Belieben, ohne Bücksicht 
zu nehmen auf die Aufeinanderfolge der sich nach der Stel- 
lung der einzelnen Worte des homerischen Textes richten- 
den Scholien. Denn ob er dabei ein Princip und welches er 
einzuhalten flir gut fand, das zu ergründen ist mir nicht 
gelungen. 

Von diesem dunklen Treiben unseres librarius möchte 
ich nun im Folgenden ein recht anschauliches Bild entwerfen 
und beginne zunächst mit denjenigen Scholien, die aus 3 
Scholien zusammengeschweisst wurden : Alles dasjenige was 
im Venet. B fehlt , ist durchschossen gedruckt : der Kürze 



— 53 — 

wegen lasse ich die homerischen Yerae weg und schreibe 
lemmata. 

a) K 151: dy,(pl ä^itaigoi avdovj ino xqaalv 

d^exov aOTtidag: diä tt^v ^c^' 
r^^iqav xaXaiTVuqiav xoifitLvrai. 
arQaTitJtixov yäq Tciig avTCÜg onXoig XQV' 
od-ai xai ngog növovg xal nqog ava^ 
TtctvXav : — 

b) K 152: eyx^^ ^^ atpiv oqd'^ erti aavQiO" 

tiiqogi TQonov zivä Tteqixaqomovvca %dv 
fiyB(i6va. qxxveQOv (leg. q>oßeQ6v) di t6 
Gxrlf^a xat noif^wf^ivaiv y iacDg €fiq)aivovTog 
TOv TvoirjTov xai did tovrov to dvdQeiov 
Jionridovg xai ^toifiov elg f^axtp^. ö i6 
xal rd ivawia e^^g g)fjai Ttegt 
Qgffxwv dg ipiycov „cvrca di aq>i 
naXd Ttaq* avTOiGi x^ovt xi^XitOy 
ei ycaTd noof^ov^^ (471) : ^— 
c) K 153.4: r^Xe de x^^^og XdfAnei yQaq>ixag 

T(p anid^ovri Tfjg wxvog dvTiTteQuarr^aB 
Tjjv ex Tiov alxfÄiSv dvaXdfÄJcovaav avyijv 
xai xavtriv xfiXe: — 

Diese 3 SchoUen sind nun in B in Folgendes zusammen- 
geschmolzen : 

tqoTTOv Tivd TteQixccQaxovvra tov r-yefiova, ifiq}ai' 
vei de xai 6id rovtov 6 rcoirjtrjg to dvÖQeTov Jioii'q- 
dovg xat itoifiov elg l^dxrpf. öTqaxictycLinüg de roig 
avxoig OTtXoig xQfJt^cci nat nqog novov nai TtQog dvd- 
7cavXav. t(j5 de axidtflvcL tilg ^^^"^^S dvTineQiiarrjae 
TTjv ix TÜv alxf^cSv dvaXdfiTvovaav avyrjv : — 

Beleuchten wir nur mit wenig Worten sein Verfahren : Alles 
was hier in B ausgelassen ist, ist ganz dem Geist dieser exe- 
getischen Scholien entsprechend: ich habe schon früher darauf 



— 54 — 

hingewiesen, wie diese Scholiasten bemüht sind, überall die 
Unterschiede in der Darstellung aufzuspüren und hervorzu- 
heben : daher hat die unter b mitgeteilte Bemerkung und das 
yQaq>ixa)g bei c nichts Ueberraschendes. Der librarius von B 
hat nun auch hier wieder mit dem von ihm gekürzten 
grösseren Scholion b begonnen, wohl weil er zu den Worten 
dieses Verses 2 Scholien vor sich sah und hat dann die 2 
andern ebenfalls ein wenig beschnitten und daran geflickt ; 
den wüsten Unsinn, den er damit seinen Lesern vorsetzte, 
hat er natürlich nicht gemerkt: denn wenn wir hier lesen 
TQOTtov Tivä TVBQixaqanovvTa tov iqyefÄOva, so muss man das 
doch auf eyx^^ beziehen und wenn er nun fortfährt atQa- 
TiioTixcoQ äi Toig atTÖig ojtXoig xqwvzai xat nqog tcovov xat 
TTQog dvonavXav, so muss man doch bei tcc avta onXa auch 
an die eyxea denken. Das ist aber eine lächerliche Unge- 
reimtheit : denn man kann darunter wie in V nur die äaniöeg 
verstehen. 

Wir werden gewiss unsem alten Freund wieder erkennen, 
wenn wir sehen, was er mit folgenden 3 Scholien angefangen, 
die wir in V lesen zu K 258 : 

a) acpa'kov re: 6 qxxXog 6fxq)a}j6g eari fxinQog, döTttdi 
f^iytQ^ TtaQaTtXi^aiog y xeiTai de nard to fxenanov 
vfceqixiav räv 6q>QV(ov, dnooKid^cov ttjv ai5yijy tov 
ijXioVf olai x&v KoQvßdvr cov eiatv al xo- 
Qv&eg Tiat xüv IlaXXadiojv, otc de xard 
r iiexiOTtov ioriv 6 q>dXog, drjXov i% 
%ovx(i)v j,t6v $' eßaXe TtQcÜTog y^oqvd-og 
q>dXov^ iv di fierwTttp tt^^c" (/^459), xax 
TOV „xpavov ^' iTtTtOKOgMOt TtOQv&eg Xafi- 
TCQolai q>dXotoi^^ (^132): — 

b) aXoq)Ov: Ttqog t6 Xavd-dveiv. aq>aXov di (aXo- 
q)OV?) dvayxaiwg ix ydq taiv q)dXa)v eicu- 
&aOLV ixdelo&ai ol X6q>0L: — 



— 55 — 

c) TcaTaiTv^: Ttaf^a ro xarco zevvxd'cci. X6q>ov yäq 
ovx exei. 

B : 6 q>dlog 0fiq>aX6g lariv danldi fiirtQ^ naQaTchqaiog, 
neitac di xard ro fxirwTtovy VTteqixojv x&v 6q>^a)v, äfco^ 
axid^cjv Tijv avy^v tov fiUov. rjv di aqxxXog xai akoq>og did 
tÖ hxvd^avtiv. xarahv^ de naQa ro xavu) Tervx&cci. ov ydq 
ixBi X6qx)v : — Köstlich ! wie er mit dem Schol. b umge- 
gangen : denn was das aq>aXov zmn Xav^dveiv beitragen soll, 
sieht man doch nicht ein. 

Viel leichter tat sich natürlich der Schreiber, wenn er 
kleinere Scholien zu contaminiren hatte, die sich auf einen 
Vers bezogen: F 242: 

a) olVxß« deidioreg: atvyovvteg wg „^^y^" 
davfjg ^EXevTjg^^ (T325) arvyrjz^g : — 

b) xal ovalSea: lig to oveldea otmxeovj iTtiidr^ 
TO fto^Xa owaXeiq>6fxevov ov d^^crat aTty/xriv iv 

c) TtoXX^ a II Ol iari: dvrt %ov ÖC i^i iavi. eav- 
trjg de xarrjyoQOvaa e%eov eTtianarai : — 

B: OTvyovvteg, elg de to oveldea arvKreovj iTteidrj t6 
7t 6 XX* avvaleiq>6fievov ov dixevai ariyiir^v iv fiera^vxrjTi. 
TO di TtoXX^ a fioi iari avtl %ov a ifiov x^Q^^ iativ, 
eavr^g di narrjyoQOvaa elg eXeov iTviaTcSrai: — 

Manchmal sind auch die Scholien so zusammengeschlossen, 
dass man sie wirklich für ein ursprüngliches Ganze halten 
könnte. 10: 

a) ov d^av iydv äitdvevd-e ^ecHv: ro e^g' ov 
av iywv l'do) tüv d-ewv x^Q^S ^^ov iX^ovra eig 
TTJv fjictxrjv xai &eXovTa Tolg Tguatv ij ^'EXXrjUi 
ßorjO-fjoai : — 

b) cLTtdvevd'e d'ewv: ^Qiaroq>dvr]g aTtateqd^ev* 
X^Qig if^ov dlxcc ifÄfjg ijtitqOTtrfi : — 

c) ri TQwea aiv aQrjyefiev: ro xotvov ov Xvrtei. 



— 56 — 

Diese 3 Scholien sind nun in B so verbunden: ro h^g 
ovTcog' ov av iyw idw zuiv d^eciv xioqig ifiov xai dixct rijg 
ifirjg iniTQOTvrjg ii^ovra eig rtjv fioxtp^ xai d-iXovta %oig 
Tqcjoiv tj Tciig ''Ekkrjoi ßorj&iloai' t6 yag xoivov ov XvTvei 
xiva. Man sieht: es ist hier Alles ganz gut untergebracht 
bis auf die in Y angegebene Lesart des Aristophanes , man 
konnte fast dem Schreiber gar nicht beikommen; aber eine 
Ungeschicklichkeit hat ihn doch verratene nämlich das aal 
dixa T^g Bfirig iTTiTQOTt^g: denn in a wird uns nur mitge- 
teilt, wie die Worte des homerischen Textes zu verbinden 
sind , wobei QTvavBvd-B mit xci^Qig if^ov wiedergegeben ist : 
in einem solchen Scholion hat absolut keine Erklärung Platz^ 
wie wir sie in B lesen xat dixa T^g €/M^g iftiTQonfjgj die 
darum auch in Y in einem eigenen Seh. behandelt ist. 

Gehen wir nun zu andern Scholien über, die aus 2 ur- 
sprünglich getrennten Scholien contaminirt wurden. E 16 
und 17 : 

a) i]de äi oi %axa &vfi6v : ro TtQOvorjtixdv avrov 
xal h raig avfxq>OQaig drjXovTai fii^ aTtogxxanovrog 
ToTg öeivoig : — 

b) NioTOQ^ int Ttgcirov sXd-ifiev: ort öei %at 
iv Toig xanöig hei aocplav xaTaq>evy€Lv, avrovQyei 
di dva(i)7tu}v avrov, oniog rov ßaaiKitag xai rov 
yeQOvtog diaq^oixwvTfov vTtomovaoiöiv 6i XoitvoL txqo 
oXLyov di x^Q^^ ^^^^ ^S ^^ ^i^ latgov 
voaciv, d-iXei q)oitäv TtdXiv wg xal Ev-- 
q>0Qiü)v q>7]al fyTtoXXäyci ol TcXiairjai nv^ 
Xrjyeveeaa l re vrjvatv ivvvxi'Oi TtiTvavro 
v6a(p (XTttQ irjTrJQeg^^ (sie) : — 

B schliesst das nun also zusammen : ro TtQOvorjrindy 
avToi xal iv Toig avfxq>0Qdig drjXovTat ^ij d7toq>aa>LOVTog 

toig deivolg, deUvvai di ort Sei xal iv rdlg xaxoig 

VftaxoiatoaA ot Xoinoi : — 



— 57 — 

Nun dagegen ist am Ende nichts einzuwenden, da man 
dieses Schol. wenigstens versteht: genau genommen hatte er 
doch schreiben müssen : äiä de xov NioToq^ ejti tvqwtov 
deUwaiv OTL . . . xrA., da es sich ja doch auf den folgen- 
den Vers bezieht. Und dieser Gesichtspunkt ist gar nicht 
so unwichtig, als es den Anschein hat; denn dadurch dass 
der librarius bei der Verbindung manchmal die lemmata 
hinweg lässt , werden die SchoUen oft schwer verständHch, 
so z. B. E 153 (Dindorf p. 240. 11) ^ue^ ovg ovx inaido" 
TtoirjOev 6 TtarriQ, ol r^Äc T^g '^Xixiag yevoiiivi^ riji naxqi 
rtxd'ivTBg. iliyx^i di rovg ijti yi^Q(jf oiofiivovg äeiv naiäo- 
noieiv, oncog diadoxoig xQrioaLvxo wg xaxdig olofiivovg, vix^ 
yoLQ ri Tc^Quaig (?) : — Dieses Seh. ist ebenfalls aus 2 con- 
taminirt : 

V: a) aiiq)(o rrjlvyitü): fi6^' ovg ovx .... yevvtj' 
d-ivTBg : — 
b) 6 d^izeigeto ytJQa'i lvyQ(p: iXiyxBi . . . . ij 
TtejtQiüfiivTj : — 

Gewiss wäre es flir die Verständlichkeit des Scholions 
besser gewesen, wenn er noch geschrieben hätte diä de tov 
6 ö^eTeiqBTO yrJQaL Xvygt^ eXeyxei. Aehnlich ist es 
auch mit dem von ihm wie wir oben gezeigt, so sehr ver- 
ballhomten Schol. zu J 339 : da schliesst er an roi^ro de 
qyfjaiv , ort xat Tijg ßo^g ja^cro xal äveßaXevo : — Ja 
woher weiss denn dieser Schreiber, dass Odysseus das Ge- 
schrei gehört? davon ist doch in diesem Verse Nichts an- 
gedeutet! V kann uns da wieder Aufklärung schaffen: dort 
lesen wir time nataTtrwaaovTeg: ya&eTo yag Ttjg 
ßo^g. 3i6 dveßa'kexo. äio %ai doXiov aözov xai iiSQdaXe6(pQ0va 
xakei. oveidi^ei ovv rijg fiovrjg : — 

Natürlich jetzt passt das eher : denn wenn wir hier 
lesen xaTaTttdoaovveg : da kann gesagt werden jja&ero yaq 



— 58 — 

T^g ßorjg etc. Und so hätte auch unser librarius schreiben 
müssen, wenn er Etwas Klares und Verständliches geben 
wollte : did öi ro xataTtTciaaovteg delxvvatv , oti etc. 

K 32: 

a) ßrj d^cfÄEv dvari^acov: d^Aoy dg TtQoezaQdxO'^ 
Mevilaog, 6 de (rtoitjTrjg xavarcX^^ai 'qO'iXrjae did 
Tov ßaaiXvKiaxiqov Ttgoatiitov ' did x ov ^ t o 
dv o TT] a wv 

b) og liiya TtdvxcDv xtX,: did rdxovg iviq>r]VB ro 
a^iiofia Kai xovg aQxof^svovg OTtcog Ttqog rovg aq- 
Xovrag diaxelad-ai deov nai rovg aQxovtag OTCoiovg 
ocpeikovaiv ecevrovg nagexBiv tdig oQxofiivoig, %va 
(dg &eoi Ti(jL(üVTai : — 

Das hat nun B so zusammengeschweisst : did rdxovg 

€V€g)rp^e t6 d^icofxa Kai rovg aQxof^svovg OTtwg S-eot 

TifdüivTai. driloy de (og TtQoeraQax&r] Mevilaog 

TtQogcüTvov : — 

Er hat also hier wieder, wie so oft, mit dem grösseren 
Scholion begonnen, das zu v 33 gehört, und dann das kleinere 
zu V 32 angeschlossen. Aber ich möchte wissen, wie sich 
nmi aus diesem Verse 33 ein df^Xov de ergiebt — So konnte 
und durfte er unmöglich fortfahren, wenn er verständlich 
werden wollte. Also die Angabe, wodurch sich ergibt wg 
nqoeTaqdxd^rj MeviXaog durfte hier um so weniger wegfallen, 
als ja eben in B dieses Seh. nicht bei dem Verse steht, zu 
dem es gehört. 

K 151: 

a) TOV de Kixavev eKXog aTtq KXiairjg: atqa^ 
TiioTiKOv (sie) TO ald^QiOKOixe'iv, deiKvvöi de ort 
ov Xoyij) iiovov eaxl &Qaavg: — 

b) Gvv rev^x^^'^'^j dfig)t d^eralgoi: ovy^ c^fcXia- 
fievog (deilcüv ycfg), dW oiov 7cX7jaiov exo)v rd 



— 59 — 

q>vXdTTOvaiv retayfiivoi neql top ßaaikea : — 

ist in ^ in der Weise verbunden : oü^' iü/rXia/iivog 

neQiaroixovvTeg tov ßaailia. OTQaTrjYindv (sie) de 

Tiai ro al&QioxoiTeiv : — Aber die ausgelassenen Worte haben 
ihren ganz guten Bezug auf den Schluss von /• 

Was ist nun aber aus folgenden 2 guten Scholien des 
V geworden ? 

K 249 : 

a) /J^ii]T^ OQ fie fidX^ aYvee: ivrev&ev 6 XiXwv 
t6 fiTjöev ayav q>rjalv, aQiorecjg de t6 &eXeiv 
fAev evq)rjfiiav, ovx dvadex^o&ai de avri^v. Tivig 
de TOV koyov ävaxeivovaLv eig to „^5 qpfiv- 
yceg" (0 94). ovn av de exelvov tov xaiQOv 
ilAVT^od-rj enl NeaxoQog oaov t6 xa^' avzov 
nqodovvai avrov : — 

b) eldoai ydq rot Tavra: Tteqiaaog ydq 6 fiera^ 
» Twv q>iXtov eTtaivog, nQog de tovg dyvoovvrag 

„el'ix' ^Odvaevg ^aeQriddrjg^^ {i 19) 

Die Reliquien in B lauten : ivrev&ev ro fÄtjdev ayav 
dnjXovrai, dqiaxiwg de to d-ekeiv fiev evgyrjiuiav^ ovx dvi%eod^ai 
de avT^g, TveQiaaog ydq 6 fxera^ twv q>IXwv ejiaivog : — 

Ist dieser librarius nicht der Feind Alles Guten? Bei der 
Verbindung hat er sich diesmal leicht getan : das zweite 
Scholion lautet ja mit ydq an und im Vorausgehenden war 
ja auch von der evq>rjfÄia die B/cde: und so liess sich das 
ganz leicht zusammenschHessen. Dass es hier aber auf den 
Hauptbegriff eldoai ydq ankommt, sieht Jeder. 

Mitteilenswert scheinen mir auch die Schol. von V zu 
Ä 303: 

a) TAg xev fioi Tode eqyov: 6 fiev ^'ExTwq fiefcd 
TtqogTa^ecog tov ivcaxovaofxevov t^ XQ^^V ^^tAcI. 



— 60 — 



de NiatcjQ VTtOTi&erai, Kai oi ^iv a ix^vaiv inay^ 
yiiXovxai di fiev dwQOv, 6 de or ifÄCog piiad'Ov. xat 
TCQWTVv sra^e tov ßia&ov. dio deX^al^e- 
Tai 6 vlog TOV TtoXvxqiaov : — 
b) oi y,Bv dqiaTBVioOi (sie v 306) : a\ uiqiOTaqyiw 
yyaqiaTOi iüiai/^ ZtjvodoTog öi ^^avTOvg o5J q>oqi- 
ovaiv a/ivf,iova IlrjkBUova^^, o\ fiiv^'Ekltjveg a k'xovoL 
öidoaai „olv vTioQQrjvov^^, 6 de ^'Ektcjq ovg ovk sxsi 
%7t7tovg. uiQiazocpavrig yQdq>€i „xaAoi)g oi q>0Q€0vaiy 
üfivfiova Tl/jXeuova^^ : — 

B : 6 fiiv ^'ExTcoQ fieTa TtQoaTci^ecog tov VTraKOvoofievov 
Tp XQ^^V TcaXei, 6 de NeoTcoQ inoTid'exai, nat oi fiev a 
exovaiv eTtayyeiXovTaiy 6 de a ovx eyei. %ai o\ fieV äcjQOVy 
6 di aTifdCjg q>Tiai (xtod'ov : — 

K 350 hat V folgende 2 Schollen : 

a) TCaqedqaiJLe dg)Qad ifj a iv : Ttagedgafiev» 
av iiqxavov TtT) ,jßrj $' ctv odov /xe/xadg^^ 
(339). BTtt de Twv ^Elli^vcjv „ßdv $' livai\^ 
(273)" 'qqefia ydg dei x^^Q^*-^ Tovg xaTaaxoTtovg rrjy 
oipiv TieqiayovTag nqog eTciyvcjaiv dxQißrl : — 

h) dq>Qadi7j(ji: ov d^eaod^evog avTovg o/xolug 
Ti^ „TOV de q^qdoaTo TtqogtovTa dioyevqg 
'Odvaevg'' (339) 

In beiden Schollen wird also wieder, wie so oft auf den 
Unterschied der Darstellung hingewiesen — auf das unge- 
schickte Benehmen des Dolon und auf die fast an das In- 
dianerhafte gränzende Geschicklichkeit des Odysseus. B hat 
folgendes Schol. „naqidqa^e q)7]alvj dovveTwg, ov d^eaad^evog 
avTovg, dei de Tovg xaTaaxoTiovg Tr^v oxpiv neqidyeiv nqog 
iniyvtoaiv oxQißrl : — Die Hauptsache TtaQedqa^e , was den 
Scholiasten zu seinem '^qipia ydq dei x^Q^^^ veranlasste , ist 
wieder übersehen und dann das Gkinze in eine andere Be- 
dactionsform gebracht worden. 



— 61 — 

Leicht tat sich dagegen der Schreiber bei der Conta- 
mination folgender 2 Scholien, eben weil sie sich auf einen 
und denselben Vers beziehen und desswegen auch in Y unter 
gleichem lemma stehen : K 369 : 

a) dovQi d^iftataacjv : irtovotav didovg oti ßdXfj 
avTOv. Oovaaevg oe ov rogevei, rj yaq av 
iq>6vevae ij TtQOTveTtrjyog (^CQoßeßriTiiüg??) 
ovx av elde to ßekog 6 JoXcdv diä ßQcc- 
XvzfjTa: — 

b) dovQi d^inataacov : iveqyeiag fieoxog 6 XQadai" 
viov TO doQV xal ßotSv dq>r]0(üv in^ avTOv ei fXT^ 
arg : — 

B : VTtovoiav diöovg ort ßcLky avtov. ivegyelag de fi6- 
OTog iaziv 6 ijnnQadalviov . . , . ^ij arjf : — 

In geradezu lächerlicher Weise ist aber die richtige 
Ordnung folgender 2 SchoHen des V verkehrt worden K 389 : 

a) rj a^avTOv d-vfiog dvrixev: al avvexeig nev- 
oeig ovn eüaiv elg ipevdog ZQanrivat : — 

b) V7cd d^ eTQef^e (390)* 'KatdaxoTcog iqHüQad-rj Tcat 
ei fUTj äXrjd'eveif eXnida (acarrjQiag) ovx OQcav : — 

B : xavdaxoTrog ydq ecpwqdO-ri y.al ei fdt^ dXrjd-evoL, aco- 
TTjQiag eXirida ovx ^QV- "* ^^ avvexeig nevoeig orx eujoiv 
eig xpevdt] TQajtr^vai : — 

Dass die zweite Bemerkung al de avvexeig — TQaTtrlvai 
hier ganz past festum kommt, das sieht auch ein Blinder. 

Ich habe noch zu wenig schlechte Scholiasten gelesen, 
um eine annähernd richtige Vorstellung von der breiten Ge- 
schwätzigkeit dieser durch und durch hohlen Wortmacher 
zu haben : und bei diesen exegetischen Scholien der Ilias 
tut man vielfach gut, mit verständiger Resignation und 
mit kaltem Heroismus sich einzuleben in den „Geist*, der 
uns aus ihnen entgegenweht. So weit man das billig 



- 62 — 

verlangen kann, habe ich es versucht, aber dabei kann ich 
den Gedanken nicht los werden , dass wir bei diesem 
Schreiber der Scholien des Venet. B es manchmal mit einem 
argen „Impostor'* zu tun haben. 

Ich lasse mich da sehr gern von Kennern belehren — 
denn ars non habet osorem, nisi ignorantem — und bringe 
das folgende daher mit allem Vorbehalt vor. 

H 433 ff. schildert uns der Dichter in kurzen und 
bündigen Worten die Errichtung des TVfißog — des Tsixog 
etc. In 9 Versen ist die ganze Beschreibung abgetan und 
er geht dann mit v 442 zu Etwas Anderem über. Da lesen 
wir nun in V zu 435 folgendes Scholion: 

TVfißov ä^dfi^' avTT^v Sva Ttoieov: rä dva^ia 
TTJg TjQOJix^g fieyakovoiag TtaQarQsxei xai ovdeig avrwv ^fit-* 
QCDvanTwv OQaTaL. Hat man sich etwas in diese Scholiasten- 
weisheit eingelesen, so kann man das Seh. schon verstehen. 
Diese Herren haben nämlich eine merkwürdig hohe Vorstel- 
lung von der ijpwixij aefÄVorrjg — Beispiele könnte ich die 
Menge anfahren. Wahrt nun der Dichter diese „heroische 
Majestät**, dann heben sie es immer hervor ; verfehlt er sich 
aber nach ihren Begriffen dagegen, nun, da merken sie 
das an und in der Regel wissen sie es auch zu entschuldigen : 
also meint der Seh. : das , was der '^QajLUTJ fxeyalovoia nicht 
entsprechend wäre : diese handwerkmässige Tätigkeit bei der 
Errichtung des rv^ßog — reixog etc. „das behandelt der 
Dichter rasch, geht schnell darüber hinweg** und wenn ich 
die Worte xai ovdeig avraiv xeiQiava'KTuiv OQarai. richtig ver- 
stehe: so meint der Seh. „bei dieser banausischen Tätigkeit 
wird auch keiner der Heroen namentlich angeführt** x^^Q^' 
vaxTüiv wird von Passow nur hier citirt, der Ausdruck 
XeiQoyyaxTixdg kommt dagegen häufiger in den Scholien vor. 
„Wir sehen also — meint der Seh. — keinen der berühm- 
ten homerischen Helden zu dieser banausischen Tätigkeit 



— 63 — 

erniedrigt.^ Aehnlich spricht sich Eustathius zu den Versen 
ans: "Ort tijV Teixortoiiavj rfv 6 Niatwq yevia&ai VTteri" 
^ero, (v 336 ff.) ovx(a vvv (pqaCei ddiaoxeviog aal iiti- 
TQOxadrjv 6 Ttoirjzi^g did to /m»J dvayxaiov Trjg TtoXvloyiag, 
d. h. er erklärt die Kürze der Behandlung von Seite des 
Dichters nicht wie der Seh. in V als nicht entsprechend der 
i^QCüi'Kri fieyaXopoia, sondern um wegen v 336 ff. die noXv- 
Xoyia zu vermeiden, aber bemerkenswert ist der Ausdruck 
ßTtiTQOxdörjv ! 

Das ist nun gewiss Alles ein müssiges und überflüssiges 
Gerede ; aber am Ende verzeihlich , wenn man in BL Fol- 
gendes liest : ou TtQogti&eirac &Qrjvog evtav&a. xd ydq 
dvd^ia T^g rjQwiKTJg fÄeyaXoq>vtag naqatQexei. xat ovdeig 
avTÜv xBiqoiv bqaxai tcjv dxdyiTWv Ttal d-OQvßtJÖcüv ixelvcov (?) 

Also : ov TTQoatixyeiTai d^Qrjvog ivrav&a ! Das sieht 
wirklich aus , als ob es Verstand hätte : aber dem ist nicht 
so: denn dass der &Qrjvog bei Errichtung des xvfxßog statt- 
findet, ist undenkbar — man sehe W 255 ff. — und der 
^Qrlvog soll dvd^iog x^g T^QOJinTJg fieyaXoqwtag sein — nun 
das zu glauben, wird man doch wohl kaum Kennern der 
Dias zumuten. So beschränkt sind auch diese exegetischen 
Scholiasten der Ilias nicht gewesen ! Aber ein byzantinischer 
Schwätzer und Wortmacher hat die ursprünglichen und halb- 
wegs verständigen Worte seiner Vorlage „tö ydq dvd^ta xrjg 
^QcoiKrjg fieyaXovoiag TtaqaxQexei^ die sich auf etwas ganz 
Anderes bezogen, nicht begriffen und hat nun da den &Qrjvog 
erfunden und hineinmanövrirt ! 

Dass er das ovdeig avxaiv x^i^j^orxrojfi' OQaxai in 
seiner Vorlage gehabt, will ich nicht einmal zu behaupten 
wagen : aber dass die Worte „xot ovdeig avxaiv x^^Q^^ 
OQaxai xäv dxdyLXCJv nai d-o^ßwöwr ixeivcjv Tqcjcjv^^ — ein 
wüster Unsinn unter diesem lemma und bei diesem Verse 
sind , das steht fest. Da kann doch von dem axaxxoi und 



— 64 — 

&oqvßiod€ig TQcHeg absolut keine Eede sein. Möglicherweise 
sind es die Ueberreste eines Seh., das ursprüngHch bei 
V 430 ff. stand, wo die Achaeer nur mit dxvvfxevoi k^q 
charakterisirt sind, während es von den Troern heisst y 428 : 

ddxQva d-BQpid xiovxtQ^ dfda^dcov i7cdeiQav. 
ovö^ eia xXaieLV Ilqia^og fiiyag. 

Mit diesen armseUgen Erfindungen und willkürHchen 
Zusätzen haben wir mehr als einmal zu rechnen: und sie 
erstrecken sich nicht bloss auf einzehie Worte, sondern ganze . 
oder halbe Scholien scheinen das ureigenste Werk unseres 
librsirius — aber es sind „Worte, Worte, Nichts als Worte.* 
Betrachten wir einmal folgenden interessanten Fall. Hector 
ruft dem Diomedes zu 165 : 

oiü yvvaixag 
a^eig iv vijeaai. ndqog roi daifiova dciaco 

Dazu lesen wir in B folgendes Seh. zu v 166 : Xoyov 
naxov xal dyytUav. doiacj ydq aoi gpjja^v vTtOfÄvrjOLv , orav 
iv raig vavaiv TLQaxiqao) aov, ij fxaiXov ttjv daifdova ijrot 
TrjV Tov d^avdxov ipfiq>ov : — das zweite r] fiaXlov — \pi{q>ov 
scheint die richtige Erklärung von daifdOva zu sein imd wir 
lassen es bei Seite, um uns mit dem rätselhaften Anfang zu 
beschäftigen. Dieser Seh. hat ja wie es scheint den homeri- 
schen Text ganz anders gelesen wie wir : denn in den Worten, 
die uns heute vorliegen, ist auch nicht die Spur von einer 
Andeutung zu finden, woraufhin man zur Erklärung kommt : 
Xoyov xaxov xgcevT^ao) aov : 

Höchstens sieht man, dass der Seh. in höchst unge- 
schickter Weise das iv vt^booi zu dem Folgendem construirt 
hat. Ich glaube, wir plagen uns vergeblich ab, um hinter 
die Lesart zu kommen, die in jenen Worten 'erläutert ist: 
sie scheinen mir das traurige Product unseres oder eines 
andern librarius zu sein! Aber wie kam er dazu? V hat 



— 65 — 

hier das Schol. : tvoqoq toi daifiova: daifiova Xoyov 
xaxov, 6 di Zrp^odoTog „rtorfiov iqn^act)*^ : — Nun daraus 
wird man eben so wenig klug, wifi aus B. Es muss wohl 
auch verdorben sein: ich denke, das dai/nova war ursprüng- 
lich hier erläutert mit: daiixova: Xoiyov, xanov. Dieses 
koiyog ist dann schon früh verderbt worden zu Xoyov und 
so fand es der Schreiber der Seh. des Venet. B vor : schnei^ 
ist er fertig und um zu zeigen, dass er sich darunter etwas 
gedacht, erweitert und erläutert er das Verderbniss mit den 
Worten Xoyov xaxov „xai aTtayyeUav dtoaco yaQ aoi, fprjalvy 
VTtofivifjaiv OTov iv raig vaval xQavT^ao) aov^^ ; woher aber 
das folgende : die halbwegs richtige Erklärung von dalfiovaj 
stammt ri ^aiXov rr^v äaifiova ijToi xr^v %ov d-avdrov \piiq>ovy 
das anzugeben hält schwer, wenn nicht etwa dem -d^avdrov 
xf)iiq>ov eine ganz andere Vorstellung zu Grunde liegt. 

Ein ganz eigentümliches Scholion lesen wir auch in B 
zu T 208 : 

afÄO ä^i^eXlip xaradvvri 
Tev^ea&ai ^eya doqnov 

^ fierd xo fxerd evq>Qoavvf]g xal xagag rijg ix Trjg fjaorjg 
Twv nolefÄiwv yevrjöofiivrfi. Die ünverständlichkeit dieser 
Worte braucht man wohl nicht erst zu beweisen. In V lesen 

wir dagegen: fierd doqnov (sie): ^Bxd xo fiera. evipqo- 
avvYjg. Ol de yqdq>ov(Si ^exa dvxt xov fiexd x6 vmiiGai : — 
das kann nun ebenfalls nicht richtig sein, denn die letzten 
Worte Ol öe yqdq)Ovai fdevd zeigen deutlich, dass vom etwas 
anderes gestanden haben muss : ich denke , das Wort , das 
wir heute allgemein im Texte lesen: fieya^ und das Schol. 
ist wohl so zu schreiben: fiexd doQTtov: (xiya. xo fiex' 
evq>QOOvvrfi (wobei man an t 6 denken kann). 6i de yqd- 
(povöi fiexd dvxi xov fiexd xo vmrjaai. 

Ganz imzweifelhaft haben wir es aber mit einer dreisten 

5 



- 66 — 

Erfindung und Täuschung unseres librarius zu tun T 325. 
Dort sagt Achilles von sich 

b d'dHodaTK^ ivl örj^Afi) 

Da wird ^ly^dav^g folgendermassen von B glossirt : aTvyrjrrjg' 
ra ydq Xvnrjv Tg xpvx^ neQißdXkovra xai XvnrjQa naXoivrai. 
xat fiiatjTd öid ro ßXdmeiv : — Wo ist da in den Worten 
des Dichters auch nur der geringste Anlass gegeben, um die 
XvTtTj der xpvxri oder die kvntjQa zu erklären. V möge uns 
wieder den Schlüssel zur Lösung des Rätsels geben, dort 
lesen wir : ^lyeäav^g: GTvyrjTfjg, id ydq XvnrjQd xpvx^i^ 
TtaQaßdlXeL >ial ntql airrjg (prjal „dv&c' efielo xvvog xaxo- 
l^irjxdvov oxQvoiaarjg^^ (Z 344) : — Das bedarf wohl 
kaimi der Erläuterung. Wie aber der Schreiber d^r Scholien 
des Venet. B zu seinem Unsinn gekommen, ist leicht zu 
erklären : er verstand nämlich das ipvxei seiner Vorlage nicht 
und, um nicht müssig zu sein, hat er dann auf eigene Faust 
ein Scholion über die i/^«^x^' construirt, das uns D. ganz un- 
verfälscht mitgeteilt hat. Aber bei diesem Impostor heisst 
' es die Augen aufinachen ! 

Mit einer eigenen Erfindung unseres librarius haben wir 
es auch zu tun , wie es scheint, y^ 53. Da sagt Achilleus : 

ocpQ^ i^TOi Toviov fdiv B7VLq>XiyTß d'AafAaiov nvQ 
x^äaaov dft' 6q)i^aXf4ÜVy Xaoi d^iirl agya Tga/icovrat. 

Das erläutert V in folgenden 2 Scholien: 

a) iy&aaov djt^ 6q>d'aX(xüv \ dvzt xov %va Ta^v- 
Teqov SKTÖg zrjg bipeiog '^f.iwv yavrjrai : — 

b) €7ct tqya rgaTVCüVTai: wg d/ct zifx^ tov vexQov 
dqyijLg xazexovarjg t6 axQdzBv^a : — 

B O-daaov dn^ oqi^ aX^iüv \ %va xayyxtqov dno zrvg 
oipecog fj^wv yivrjvaiy ti/ijI] ydg tov vexQOu idoxei to rdxioy 



. — 67 — 

%aq>rjvaL : — Ob wohl diese zigMrj des taxiov Taq>^vai der 
Kürze wegen nicht erfunden worden ist, um das zweite 
Scholion leichter an das erste anzuschliessen ? 

Und so sind wir wieder auf dem Gebiete angelangt, 
das wir durch weitere Beispiele noch erläutern wollen. So 
scheint K 499 in B nicht ungeschickt zusanmiengeschlossen 
fOr die 2 Scholien des V : 

a) avv d^^eiQBV if^aaiv : log /ii^ Y,at^ löiav rüv 
ijtnwv eld^iofdiviüv '^rioxeia&ar q)r]al yovv yyXn^ 
7ta)v eneßi^aero^^ (v 513) xat f,eQv^e äil- 
(fi'kog cixiag %7t7tovg" (527 immo 529 „iTte- 
ßrjaBio d' %7vno)v^^) : — 

b) ovv d^rjeiQe d^lfiaai: ovve^ev^e de avroig roig 
\fxaai, TOvziaTi ovvrjfifxevovg xat ov xa&^ eva e^i- 
q)€Qev. xat i'oTL vifjoicütr^g f,uv, tj neiQif de ov dev' 
T£Qevei Tivog : — 

Man liest ohne Anstand das daraus gewordene Conglo- 
merat in B : avve^ev^e avTOvg roig iiaSol. xovxiaxi avvrjfi' 
fievovg xal ov xaO-^ ?va i^eq^egev wg fir] xar^ Idlav xtiv 
tTtncov eld-iOfÄevcDv Yivioxeiod-ai. xai eati fiev vrjouovijgy zj 
^6 7teiQ<jc OV devxeqevei vivog : — Allein die Beziehung und 
Erklärung, die in a gegeben, ist in B nicht mehr verständ- 
lich und hatte auch ursprünglich einen ganz andern Sinn. 
Man konnte es doch auffallend finden, dass von Diomedes 
zweimal gesagt wird 527 Xnn tov ineßijGeTO (527) und 
eTießriaezo ö't^c 7t uv (529), wo man %7t7vov erwartet hätte. 
Diesem Einwand wollte der Seh. durch obige Erklärung be- 
gegnen, und in B ist durch ffinweglassung der Citate und 
durch den Anschluss, der sich unserm Schreiber von selbst 
empfahl, jede Spur dieser Beziehung verwischt. 

Ein tüchtiger Schnitt ist wieder gemacht worden an 
folgenden Scholien von V zu Ä 559 : 

di) %7t7tOL d''o%d e &Qritxioi: änd tüv i/tTtiov 
aQ^df^ievog di'Aaicjg ^Ffiaov xai Qqci'Kag avvrjipevy 

5* 



— 68 — 

eiTa Johavaj ovaGTQ€q}Cüv rrjv öirjyrjaiv. afia de 
Tiat av^ßi, ro yaq Xiyetv ort rtagd Jo- 
Xiovog fia&ovteg ro nav eiQyaaavTO 
fAelcjaiv elxß. t^'' dmaioloyiav Tiequ- 
üTCLfievoq ro Y,e(pctXoi lov ev övvt 6 ^(fi 
ein ev : — 
b)To'v de aqiiv avaxT' aya&og ^lo/xi^drjg 
e\rave: ovöe iv ry dneldaei twv XTtncov eavrov 
üv^neqika^ßdvei : — 

B : and tcov Xnntov aQ^df^evog diTialiag dva^ 

OTQiq>ü)v rrpf diijyi^aiv, ovöe ev TJi d7cekdaei de tüv Xnncjv 
eavTov avii7ceqUXaßev : — , 

Zugleich sei hiemit auf die geschickte Verbindung ovde 
— de hingewiesen. Diese Verbindungspartikeln , die ihm 
seine Verkleisterung zusammenhalten sollen, hat er manch- 
mal höchst unglücklich gewählt. Ich habe schon Jahrb. f. 
Phil. u. Paed. 1878. p. 535 auf 11 40 hingewiesen. In 
ganz imerträglicher Weise begegnet aber häufig xa/, das die 
allerverschiedensten Dinge firiedlich zusammenfügen muss. 
Man fordert ovv, wo er de oder yaQ hat, und umgekehrt, 
wo er de oder yaQ bietet, erwartet man olv etc. Man sehe 
wie die 3 Schollen in T 22 zusammengekleistert sind : 

q) f.ieyaX(^ int ad^aTi xvQoag: aäf^a fiev 

"OfXTjQog int vexQOv, oi de alkoi ycat int ^civTiov, 

rj avTog veytQOv el^ydaaro rj xo xo^evd-ev wg xo 

ff^weg ^iv xe dtixQeaav^^ {A 481) rj xq> 

neivdcjv Xvexai : — 

b) evQCüv 7j eXaq>ov: 6 fiiv eXdqxp yiat xedvewxi 
6 de keovxi xat neivtjvxi naQeUaaxai fieya de 
ngog y}qdöog nat deikiav avveidog (sie: deiXiag 
oveidog B) : — 

c) ayqiov aJya: 7caTiüq)eQT^g xat xqayog xat xeQaa- 
^OQog. xo^oxtjg de %at 6 üdgig : — 



— 69 — 

B : To cdifia ^'OpttjQog fiiv enl veycQOVy oi di aXXoi xat 
int ^civTCJv. Xeyei di ixBivov (?) r^ ov avvog vßxqov elQyd- 
cazo T^ xov To^ev&ivra xal 6 fiiv iXd(p(p deiXiag 

oveidog. Das Folgende ist dann mit di angeschlossen .... 
ndgig : — Das xat scheint nach dem Vorausgehenden geradezu 
unerträgUch. 

Es kann nicht meine Absicht sein und es würde mich 
auch viel zu weit fuhren, wenn ich im Folgenden alle die 
Mittelchen und Kniffe, die sich dieser librarius för das Con- 
taminationsverfahren geschaffen und die er denn auch recht 
fleissig angewandt hat, im Einzelnen aufzeigen wollte. Viel- 
mehr müssen wir für die von uns verfochtene Ansicht ge- 
wissermassen die Probe machen ; denn es wäre ja doch nicht 
undenkbar, dass der Schreiber eben nur hie und da und 
nicht durchgängig die Scholien in der angegebenen Weise 
contaminirt hat. Erst wenn {nachgewiesen ist , dass dieses 
Verfahren gleichmässig in allen Büchern der Ilias eingehalten 
ist, halte ich den Beweis für die willkürliche und oft un- 
glückliche Zusammenschweissung der ursprünglich getrennten 
Scholien für vollständig und evident erbracht. Ich werdo 
daher versuchen, im Folgenden aus den bisher noch nicht 
herangezogenen Büchern der Ilias einige Scholien zum 
weiteren Beleg meiner Behauptung anzuflihren. 

Die Worte des Thersites B 225 : 

erläutert uns B folgendermassen : 

ro afietfov iTtiäeUwaiv a dk inl rrjg TtQOziQag in- 
xlrjaiag Xeyeiv edei, ove sleyev Uyafiefivcov ^^dyiqaoTog la>" 
{A 119) xat jyva&ai devo^evov^^ (ib. 134),. vtv TVQoßdXXeraiy 
iacog rote T(p Trgog ^xiAAeo q^d-orij} pixcifievog. TOiavta dk 
rpr xai Ta naqd, i/^^^^wg „ara^ r^v Ttore daofidg ixi^a/, 
col TO yifag noXv /ifil^ov" (ib. 166). tovtov di to äxaigov 
fiezä T^g nriQwaecjg eig xatacpQovr^aiv ayei : — 



— 70 — 

Es sind dies wieder 2 Scholien, die in V geschieden 
sind und auch geschieden werden müssen : denn mit zoicevra 
di kann doch nur ein dem obigen ähnlicher Gedanke be- 
zeichnet sein :' ein solcher erscheint aber nicht in den ange- 
führten Worten „ora^ r^v tvotb — — — ^eJ^ov^^, Darum 
müssen beide Scholien nach V edirt werden : 

b) ^TQeidrjf reo d*ai;r' eTtifiificpeai: tov 
(sie) afiezQov iftideUvvaiv (Venet. A dfierQoenrj kaum 
richtig), a yaQ Idet hd Tijg jtqoxiqag eTcxlfjalag 
XäyBOv^ai ftQog Id^iXKla viTcdfisvog : — 

b) nXelal toi xak^ov nXiaiai: Toiavva fziv 

rjv Hat ra naga IdxilXivjg tovxov {de 

om. V) ro aycaiQOv xaTacpQOvrjaiv ayei : — 

Zu E 803, wo Athene von Tydeus spricht: 

iyo) Tvoleiil^eiv oiy, etaOKOv 
otd* iüTvaiqxicaeiv 

hat uns D. mit folgendem Seh. aus dem Yenet. B beglückt: 

iyi7caiq)dooeLv: qxS t6 q)aivo) , qxxaaw , avadtnhx- 
aiaafiqf Ttaqxiaao), jtXeovaa^i^ naiqxiaacjf olovet q>aveQ(o dg 
ntü TtTaivo) rcctTtTaivo), eKTcaigxiaaeiv de ro q>aveQOvv ?ca;- 
Tov, dXV ev dyyekov ^aHm^ elvai ax'ijfiari, dvvatai de elg 
ro ix7taiq)daa€iv elvai ar^y/uij, elra drto aXktjg dgx^S ^<> 
St' i^Xv&ev. 

ove rild-By q>rjaiv y elg Qi^ßag, iyaü fiev iüiXevov daiw- 
a&aif 6 de iTtoXifisi. ineQßoXfi de ev ye ycal vno xrig ftoXe- 
fiixcjrdTrjg &eofl xeXeverat fiovxd'Qetv lag av a^erQOv exifxv 
dvvafiiv : — 

Selbst aus dieser Handschrift konnte Dindorf auf eine 
bessere Anordnung der Worte gefßhrt werden; denn die 
mit ote ^Av^c - ertoXeinei gegebene Paraphrase des homeri- 
schen Textes gehört doch unzweifelhaft zu dem Schol. des 



— 71 — 

Nicanor. Ganz unverstandlich sind dagegen die Worte VTteQ^ 
ßoXri de et ye — divaiiiv : — Wie kann man, wenn Athene 
den Tydeus zur Ruhe ermahnt , von einer vneqßoXri , einer 
dlieTQog dvvafiig auch nur reden ? Das ist doch hier voll- 
ständig unpassend. Die ursprüngliche Beziehung und die 
ursprünglichen Worte hat uns hier wieder V und diesmal 
auch L bewahrt v 806 avtag 6 d-v fiov axiav ov xaq^ 
TEQOv: VTteqßoXri ii ye xat v/to rrig ftoXeiinictordtrjg d-eov 
xeXeverai '^avxd^eiv, 6 di otx eWei, alXd ttoAcjucT, 
wg av afieTQOv txwv OQfitjv : — Wir begegnen auch hier 
wieder demselben Redactionskniff , den yrir schon früher 
beleuchtet. Da nämlich der Schreiber das Scholion von 
V 806 mit V 803 verband, so musste demselben doch eine 
Redactionsform gegeben werden, dass es zur Not in dieser 
Nachbarschaft bestehen konnte. Diese erreichte er durch 
die Streichung von o de ova iixu dXkd TtoXefiel, welche 
Worte nur passend bei 806 zu dem Scholion von v 803 
nicht beigesetzt werden konnten. Das andere Schol. lautet 
in V: 

ov3^ eK7taiq>dcaeiv: q^avegovv eavrov, dXV ev dy- 
yeXov axrjf^ari ^sveiv, dvvatai ds elg to iurtaKpäoaeiv eivai 

OTiYf^iri^ elra dno aXkrjg dgx^G oV i^Xvd^ev enoXeiiei, 

To de Ttaiqidaaw Ttanraivu) : — 

Besser ist auch entschieden die Beziehung folgender 2 
SchoUen in V Z 450. 451 : 

a) dXX^ ov (AOL Tqdiav toooov ^iXei: ineq- 
ißaXe Ttjv zrjg yvvaixog q)iXoatOQyCav, i] fiev ydg 
dvzt tüv ovueti ovTCJv olneiußv ed-exo avzdvy 6 de 
xai Twv negiovriov avTtjv ngozi^^. Sfia dt eXeeivri 
xal ^ f^XiKia xat ij dovXeia, ^ifneitai de %al ßaq- 
ßdgov (sie) q>tXoyvvaiov rjd-og, o? TreQi nXeiarov 
Ttoiovvrai rag yvvalxag : — 



1 

J 



— 72 — 

b) 451. {dXV ov fioi TgtüCDv) ovT^ avTr^Q^Exd' 
ß rjg orte Ilgia f^io'o: snei iyteivoi exovreg idv" 
arvxovv , e/tiTgircoweg jUe^dvögi^t ddixelv , ij de 
^vÖQO^axrj did zag iyceivcjv äfdagviag n^tjTvxrp^Btj 
ToaovTCJv olxelojv axe^d^eioa iv r^fieQtjc ^iiq : — 

In B sind beide Scholien verbunden in nmgekehrter 
Ordnung : 

ov fxov Tq (icjv TÖaaov fxeXei: STtet inelvoi kycovreg 
idvatvxovv, in:tTQ€7tovveg l^le^dvdQqf döixeiv .... '^f^^Q^f 
^i^f VTtegißaXe de ttjv tijg yvvaixog (piXoaxoQyiav . . . . 
TCOiOvvTai Tag yvvainag : — 

Allein hier ist mindestens doch das SKeivoi — und iTti- 
TQenovTeg ^^Xe^ävdQc^ ddixeiv auf die Troer v 450 bezogen 
unpassend. Was konnten sie gegen Alexandros tun? V deutet 
durch das grössere lemma die richtige Beziehung des Schol. 
an. Es passt nur zu v 451 auf Hecabe und Priamus, und 
von ihnen konnte gesagt werden : inel exeivoi enovreg edva- 
Tvxovv, iniTQenovreg u4Xe^ccvöq(^ ddmelv : — 

Kein Mensch versteht das Scholion, das D. zu JH" 332 
gegeben hat : 

(xvroi d'^dygofievoi nvxXiijaofiev ivd-dde venQovg 

rovTO nqog jtaQafiv&iav fiev tcjv twvxiav el'QTjTatj ovx ovtcjg 
Si TtinqaxTai did rijy axdotv twv Idrqeidüv. ro di %v - 
ycXrjo fiev dvri rov ini Tag dfid^ag &i^aofiev. ycvxXa ydq 
Ol tqoxoi : — 

Wie xvxXriaofjiev zeigt, ist dies Seh. nicht etwa durch 
ein Versehen des Herausgebers an diesen Vers gekommen. 

V scheidet 2 Scholien: 

a) 'AvxXriaofiev: 6g>' afjux^äv xofiiaofiev: — 

b) o^ytad^ ayrj (335): %ai nüg iv ^03vaaei(f 
{co 80) q>rjatv „dfig)'' avzolg eTteira fie^ 
yav^^; tovxo Ttqog naqa^vd-iav xciv l^mvroiv evQfj^ 



— 73 — 

Tort ^ivy ovx Otto) öi niTcqaxtcn diä njv azdaiv 
raiv u4.XQBi5wv Kai tov aTco&VQiov {?) nXovv : — 

Der Gipfel von Ungereimtlieit scheint mir in B erreicht 
zu sein in dem Scholion zu @ 104. Diomedes spricht zu 
^Nestor: 

i^nedavog de vi tov d-eoaTvcov, ßgadeeg de toi Vtvtcol 

Nach einer etymologischen Erklärung von i^Tiedavog 
fährt der Schreiber also fort : v/coygaqxjDv de avco ro da&eveg 
TOV yeQOVTog ovdev Ttegt tov idlov ad-evovg dvd-vni^yayeVf 
dXX* eXnida ovt^ v7toy^q)ei acjTtjQiag did to Taxog. elxoTwg 
de oka avvr^yaye Ter xoxa, oniog Ttelarj t<^ ldi({) incß^vai 
aQiAiXTi TOV einovTa „og de yCdv^q dno lov o^i^wv" (^ 304). 
£v de TO ^ij TOV NioToga (?) TavTa nqoßaM(r&av elg to 
xvxelv ßorj&eiag. eynditiiov de NioTOQog exei 6 Xoyog og oide 
rqj yriQai drj TQvxofievog dfieXel: — 

Ich sage der Gipfel von Ungereimtheit ist in diesem so 
unglücklich contaminirten Scholion wieder erreicht. Was 
sollen die Worte VTCoygdqxiJv de avco to dad-evig tov yi" 
qovTog hier bei diesem Verse bedeuten? Das do&eveg des 
Nestor, das nicht allein auf den Mangel der physischen Kraft 
des Nestor zu beziehen, ist ja gerade hier 103 und 104 ge- 
schildert. Ganz notwendigerweise musste also, dieses Seh. 
mit vnoyQagxjjv avcj auf dasjenige folgen, in welchem die 
Schwäche des hülfiosen Greises geschildert war imd so ist es 
im Vict. : 

a) ßir] XeXv.Tai, rjTtedavog de d'eQaTtov, ßqa- 
deeg de toi itvtvoi: elKOToig oXa owqyaye 

xand o/Kog neiorj e'xei ö Xoyog, dg 

ovde T(^ yrjQav JneTQeTtev eavTov: — 

b) dXX^ ay^ ifiwv ox^wy (105): VTtoyqdq>iov avu) to 
aad^eveg tov yeqovTog ovdev negl tov Idlov ad-evovg 
Ctv&v/trjyayev. dXV eXitlda avT<^ VTtoyqdq)ei acj- 
TfjQiag did tov Taxovg : — 



— 74 - 

Unverständlich ist auch das Scholion zu I 14, wo es 
von Agamemnon heisst : 

tararo dccy^Qvx^cov äaxe ycQ'qvr] jieXdvvdQog 

iataxo iayLQ'ü%io)v : did tov ßagicog areva^eiv to da- 
TiQvxseiv öyjkovzfxi (j^g to y,€^6f4evoi XevKaivov üdw^" (jw 172). 
TOVTO 3i Tcoiei %va iXeeivdg yeyovaig firj x,aTaXeiq)d'y tzuq* 
avtüv : — 

Dass dieses Scholion zu v 16 gehört, ist sofort klar, 
allein dass unser librarius das, was er schrieb, wie so oft, 
wieder nicht verstanden hat, liegt ebenfalls auf der Hand. 
Er bezog es auf v 14. Das erhellt daraus, dass er unmittelbar 
auf dasselbe das Schol. zu v 15 dvoqfegdv folgen lässt! 

V hat hier wieder 2 Scholien : 

a) Vararo ö axgvx^cov (14) : iVa eXeeivog yeyovcig 
fit] nataleicpO^ na^ avTwv : — 

b) (og 6 ßaqv axevaxtov (16): aü' cIttc ^^öa- 
xQvx^cov äaze x^ijvi;" el ^ri Myoig ori 3id 
TOV ßaqicog azevaC^eiv ro daxgvx^tv drjXovtav wg 
TO „€^6f.ievoi XevY.aLvov i?dw^" (ji 172) : — 

Man prüfe auch einmal näher das ganz erbärmlich zu- 
sammengekleisterte Scholion zu 1 626 : 

ov yaq (aoi, öoxeei ^vd-oio reXevTi^ 
T^Ö€ y^6d(^ KQavhad^ai. djtayyelXai de tdxiota 

an folgenden 3 Scholien des V: 

a) Tg y'odqt: eoixe drjXovv (og oti %tv (?) devtigag 
arcdvtiov d&fjaei Ttqeaßeiag : — 

b) dnayyelXaL 3e rdxtora XQV f^^'^ov: ra- 
XiOTa VTtonvi^ei iirj xctl TtoqiadiiBvov firjxctvijv oio^ 
TrjQiag ov derjd'ioaiv avrov. Sfia de xal %d TrXrj&og 
TÜv xaQado'üovvTiov övaiojtei IdxMAct* ^rjot ydq 



— 75 — 

yydTtayyelXai 3i taxiora xpij fiv&ov Ja-- 
vaoTci^^ : — (Javaoiai meint der Scholiast : 
daxum hat er nicht gesagt 'Ayafiifivovi) 
c) xai otJx dya&ov Tteg: eXey%H %o d/iriveg did 
Tov „xat ovK dyad-ov^^ : — 

Wie friedlich stehen diese Scholien nebeneinander in B 
dTtayyel'kaL de raxiOTai VTto'Avi^ei juij nore Ttoqi" 
adfiBvoi firjxavriv acoTrjQiag ov detjd'öiaiv avvov. a^a de xa« 
ro TcXrid'og rtZv TiaQadonovvTcov dvaianel yi%i}Xia. soixe ^i 
ör]h)iv wg Sri devtegag ajvdvTiov dei ngsoßeiag t] iXiyxei t6 
dTtrjvig avtov did xov „xat ovt^ dyad-ov^' : — 

Ganz köstlich ist es wie hier wieder das unter c mit- 
geteilte Schol. mit ii angeschlossen ist. 

Ohne Anstoss ist die von ihm vollzogene Verbindung 
der 2 Scholien zu P 5 : 

äg Tig Ttegt noQTaxL fn^TtjQ 
nQioTOTOKog xiwQrj, ov nqlv eldvia roxoio. 

TCQCJTOvoKog: nqog xo fi^ eivai da&evfi, dUd nat q>ik6^ 
üTOQyov, nivvQtj de olyczQoqxovog. TtgogycetTai öi did zrjv 
Msvehiov Xvnrjv. vy' tv de IV j ev xc^ TinTeiv d'Qrjvovoa, 
ei d via de dvzl tov eyvioxvla x,at eTtiOTafÄevrj : — 

Die 2 ursprünglichen Scholien hat uns aber V bewahrt 

a) TCQCJTOTOxog: ftqog to fir^ elvai dod'evfj , dlXd 
%al g>iX6atOQyov, xivvQiii de oiyLxqoqxavog. vq>* ^ev 
de iV rj ev r(p rUreiv d-qrpfovaa : — 

b) ov tzqIv eldvia vöxoio: eyvcoxvla „vriTtiov 
ovTtcj eld6&^ ofioitov noXifioio^^ (1440). 
TO de xivvQi] TtQog xr^v Mevekdov Xvnrjv : — 

Für das gute und treffende Citat in b hat B hochweise, 
wie er nun einmal ist, de suo eTtiOTa^evr] gegeben, und 
wir werden später noch auf diese ureigene Spedalitat unseres 
librarius zu reden kommen , statt guter und treffender 



— 76 — 

Citate oder Erklärungen platte und blasse Allgemeinheiten 
zu geben. 

In einem prächtigen Gleichnisse P 53. singt der Dichter: 

olov de TQerpei egvog dvrg igid'rjXeg ilairjg 
X^Qi^ €v oloTCohif 

und B bemerkt gewiss zu x^QV ^^ oloTtoXi^i qwatxov 
iati TO xoTLVOipoqovg eirai rovg viprjXovg zoitovg. dfislsi 
ixei y,ai ravxrpf Xaraad'aL ßovketai jrqog x6 ^ij exuoTtreod-ai 
VTto tüv odoiTtOQCJv xal OTi avvTQoq^a ovra xd roiovra gwvd 
dXXriXcov xr^v evcpvtav dq>aiQOvvrai : — 

V bietet hier wieder 2 Scholien: 

a) X^QV ^^ oloTtolfp: qwaiyLOv iavt yLOZivoq>6Qovg 
ilvac Toig vifjrjXoig Tonovg, dfieXei iv dngO" 
TtoXei ^TTtxijg TtQiJTov iq>dvf]: — 

b) aXXiog: x^QV ^^ olo7t6X(if: TVQog ro fiiq ixuoTV" 
read-ac vno rc3y odoiTtogußv rj fiij i^Ttodl^ead-ai 
Tg ixipvaei tüv TvXrjaiov ^i^äv. ijrroy ydq 
euTQoq)a rd Toiavva qjvvd dXXriktDv riqv evqn/tccv 
dqtaiQoineva : — 

Dass hier 2 verschiedene Erklärungen von olojtoh^ ge- 
geben werden, scheint mir schon durch das vor dem zweiten 
Seh. stehenden aXhag angedeutet und zwar fasst das unter 
b mitgeteilte Scholion das Wort olojtoXog als „einsam*. Aber 
wie kommt der Scholiast dazu, in a das olojtoXog mit viprjXog 
zu erläutern ? Er scheint also da doch einer andern Etymo- 
logie des Wortes zu folgen ! Ich denke er fasst es „von 
Schafen umweidet** Schol. A zu ZV 473 : 

olo7t6X(p : rix OL iv (j) o'ieg dvaaxQiipovzai. o eaviv 
TtQoßata {noXeiv yoQ iativ dvaaTQ€q>eox^ai) ij iv (^ olog rig 
xai ^ovog TtoXeirac, i^ bv drjXöl v6 i^(Ji({f : — Apollon. 
lex. 119. 25 oloTi 6X({t: ^ftolXodcjQog iv ^ oieg no^ 
Xovvzai : — 



— 77 — 

Mit diesem Begriffe verbindet sich leicht der zweite »der 
Höhe^ ; denn dass auch die Schafe, nicht bloss die Ziegen^ 
nach homerischer Vorstellung auf den Bergeshohen weiden, 
zeigt A 106 : 

^'iJjjg iv %vriiioioL dlöv] [loaxoiai Xvyoiaiv 
Ttoiuaivovv' irc^ oeaa i Xaßciv. 

Werden also diese beiden Erklärungen, wie wir zu zeigen 
versucht, in V gegeben, dann sieht man deutlich, wie be- 
rechtigt die Zusammenziehung beider Scholien in B ge- 
wesen ist. 

P 146 spricht Glaucos zu Hector: 

ov yag rig Avuitov ye fÄaxtjoofievog Javaoiaiv 
Eiai Ttegl moliog, inel ovy, cqa Tig xctqig rjev. 

Diese klaren Worte verdunkelt uns B wieder zum Teil 
durch seine eigene Weisheit in folgender Weise: ol oxQa- 
TiCbTai, (ptjalv^ oQCJvzeg tovg Televn^aavTag dvexöiy.T^TOvg drco- 
OTi^aovTai %Qv xivdtVoi;, inti oJx hO%i xaqioxiov aoi toSto. 
dvzl Tov dg eome ydg iavi ro aga. olov ov ydg iozi ooi 
TOVTO eig xaQiTog zd^iv ri ovdsp avTolg XCtqiCrj : — 

Man entbehrt gewiss gern und leicht ein solches Seh., 
wenn man in V liest : 

a) ov yaQ ng Avaicov: ol yaQ ozqaTiiozav OQcovreg 
dvendixrjrovg rovg rekevrriaavrag drcoari^aovTai tcov 
-KLvdvviav. TOVTO öe örjko7 did tov ,y€7tei ovk 
dqa Tig x^Q^'S ^*^ /naQvaad'ai dfjtoioi^^ : — 

b) STtet OVY, aqa Tig x^Q^Q ijc^: ov ydq ioTi 
Xaqiaxiov aoi iyc tov fidxead-ai. t6 ydq ov% aqa 
avTv TOV ovx (og soiKog „ovx aqa fzovvov erjv 
^Eqidwv ysvog" (Hesiod. Op. 11) „ovx aqa 
aoi y^iTt^ eVöet {q 454) : — 

2 71 heisst es von Thetis: 

o^v de monvaaaa xdqvj Xdße naidog iilog 



— 78 — 

B: o^v ds Kconvaaaa: neginad-ig to ox^^ol oti 
Ttakiv %(jt)yf.iBL d-eaaafÄavrj tt^v KavdoTaaiv zov naiöog xai 
vn'' avxfjg Ttjg oipeojg Kivrjd^eioa : — Wie es scheint, hat der 
librarius seine Vorlage wieder nicht verstanden: denn wie 
man bei der weinenden Mutter von einem TteQina&ig'cx'^ H^^ 
sprechen kann, das ist schwer zu erklären. 

V scheidet richtig wieder 2 Scholien : 

a) xcoxi'aaaa: TtaXiv (natürlich wegen v 37) xcoKvei 
d-eaaafievjf] zrjv TiatdaTaaiv rov rtaidog xai V7t* 
avrrjg Trjg oipeiog KivrjO-eiaa : — 

b) KaQT] Xaße: TteQiTtevd-ig (sie) to oxfjf^cc. ov yctq 
q>vXo(pQOVBlx ai cog IlrjveXoTCifj yfHvae d^dga 
fivv Y,Bq>aXriv^^ {q 39) : — 

Gewiss sind auch die beiden Scholien in V zu v 82 
von Patroclus 

Tov iyco TteQi ndvTcov xlov evaiQwv 
laov i/dfj yteifaX^, vor drcaileaa 

hesser unter den lemmata: 

a) tov ajtcaXeaa: neQutad'Ojg ndvv wg ini xrij- 
fiarog f^ieydXov tov q)iXov : — 

b) ioov ijuii Tieqfaly: HvÖ^ayogeioi ri iavi (plXogy 
aAAog eyiü : — 

2 266 sagt Polydamas : 

aXl^ lOfiev hqotI aazv. Ttld^Boi^e fioi. code ydg eatai, 

B bemerkt: dnQcog ngoTginei a^tdaat rov koiqov xai 
TOV 'Acvdvvov TijV docfdXeiav 7CQOvoriaaif ovx VTtovoiav, dW 
dXi^O^eiav ßeßaiav jiQoßaXXoiievog. 

Aber Beziehung wie Verständniss der einzelnen Worte 
dieses Scholions sind durch die Zusanunenziehung wieder 
verdunkelt. Klar und verständlich ist dagegen Alles in V: 



— 79 — 

a) (üde yäg Sarai: daifioviiog mvel to ocüfia (leg. 
t6 (üde) ovx^inovoiavy äXX' dXtj&eiav ßeßaiav ttqo^ 
ßaXkofievog : — 

b) eY d'afdfie xixriaETai (268): äxQiog TtQOtQirtei 
ägnaoai tov naiQOv xal tüqo tov %ivövvov rtjy 
doq>aleiav nqovorflai : — 

2 307 spricht Hector: 

äiJjd fidX* dvtrjv 
crrioofdai ^' x€ q>iQr]ai ^iya xQdvog ri x€ (pegoifiriv. 

Dazu bietet nun B folgendes zum Teil ganz unverständliche 
Scholion : ngog to doxovv eivai dvavriQQrjTOv , ort dfieivwv 
^^XikKevg Iq ov (sie) dvvad'rjTce xiy iv noXi^oig ddfjXlaVy wg 
TO y^STCifii^ di T€ ^alvetai !^^i;g" {X 537). ravra Xeyo^eva 
7cq6g vlovg xaraq>QOV€lv diödaxotaiv , wg firj exovrcjv xwv 
xQeiaaovtov ^axd tojv ikaTrovcjv ihtlda, 7CQ0TQ€7tTiy,wg de 
q>r]aiv kccvrov eTtidwaeiv zqt xivdvvfp. Sfia äe d'aQQei tdig 
OTtXoig nai t([) aonXov eivai l^xiXXea : — 

Einmal ist hier das ?/ ov dvteS-rjxe imerklärlich und 
dann konnte der Jugend als passender Spruchvers nur v 309 
empfohlen werden, nicht worauf zavTa di hinweist v 308, 
und darum sind in V hier 3 Scholien imter den lemmata : 

a) dXXd f^dX^ avTtjv: 7iQ0TQBnriiicig (prjaiv eavrov 
eniäiaaeiv V(p mvöuvi^, a/^a de S-a^^el rolg onXoig 
xai (r(p) doTtXov elvai lAxi^ea : — 

b) avrrjv ati^ao^ai: nqog to donovv eivai dvav^ 
TiQQ-ijTOv oTi dfieivcüv l^xiXXeig^ är]^oxo7tix.c!)g dvTe- 
d-r^xe TTjv iv noXe^oig ddeiXiav (sie leg. : ddri- 
Xlav) : — die Bemerkung bezieht sich natürlich 
auf den ganzen Vers, was auch das lenmia an- 
deuten will. 

c) ^vvog ^EvvdXiog: tag to „STtifii^ de tb fiai- 
verai !^^jjg" {X 537). TavTa de Xeyofneva nQog 
veovg eXniöa : — 



— 80 — 

Hin und wieder habe ich im Y die Bemerkung gemacht^ 
dass derselbe über eine und dieselbe Sache 2 Scholien bietet : 
manchmal ein längeres und ein kürzeres, in der Fassimg 
mehr oder wenig verschieden. Mitteilenswert scheinen mir 
folgende 2 Scholien zu sein, wo B wieder eines bietet, das, 
die Kürzungen etwa ausgenommen, ohne jeden Anstoss zu 
sein scheint. 

2 312. 313 charakterisirt der Dichter die Troer, welche 
dem Hector, nicht dem Polydamas folgen, also : 

vriTtioi. i% ydg oq>Ewv (pqivag eikero Ilalkag li^rvrj 
"Ektoqi fi€P yoLQ ETtiQvriaav xoxa firjrioiüvzi 

V hat hier 2 Scholien : 

a) "Ex TOQi (lev yaq iTtrjvrjaav: TCi&avrl ^ o*- 
novo/iia. el yaq ecpvyov elg rijv noXiv tavrä roig 
iv dgx'j iyevero Tet%rjq€ig oi Tqüeg nat noXiognia 
%ai oid^ av 6 ''Extcjq dTtciXero xcjXvof^evog vno 
rmv drjfnoyeQOvrcjv nqoeX&eiv dg n at avv 6 g 
7t ov Xiyei ol fie -d'iXovra levai (sie) in:t 
TtQv fivrjai veeaaiv avrov z^iaxavdaonov 
iQr^Tvovro te Xaoi (O 722. 3) : — 

b) aXXiog: ^'Etctoqi fxiv eTtrjvrjüav: ij ihnlg rov 
ärj^oßoQfjaaL ovx eia aixovg Ttgovorjoat to fiel- 
Xov xat ^ tov "ExTOQog VTtoaxeaig inayyeiXa^e' 
vov VTCoarijaead-aL rov u4.%ilXia. Ttqog rijv oXrpf 
Tcoirjaiv olycovofiiiiwg de e&eto (sie) 6 TtoiTjTing. 
Tteicd'ivTCJv ydq t<^ TIoXvödfLiavTi twv 
Tqcjwv i^aytüviov av narioTf] x6 Xomov fiiqog 
TTJg ^iXtddog : — 

T 91 sagt Agamemnon : 

d-eog did Ttdvta tbKevt^ 
Ttqiaßa Jtog d'vyarriq ^udxri rj Ttdvtag dazac 



— 81 — 

B gibt dazu folgendes Seh.: TtQiaßa Jioq •d'vyaTrjQ: 
xar' evcprjfiiafidv 6 Xoyog^ olov xad^o ^cog, Ttqlaßa naai xal 
Vifilay enel nüg avti^v oHofiivTpf KaXei; t6 äi nqiaßa drco 
Tov TTQiaßeux avynixoTttai, avyyvwfirjv de eavz^ Ttogc^Ofievog 
wg d^eoßXaßei cn^^ei rijv dalfiova, wg vno fAeyioTTjg d^eov ßla^t- 
xo^evog^ xat %va tovg ä^aQrdvovrag /xi^ ^iiiq>ov%6 rig : — 

Da liat nun V wieder 3 Scholien, die zum Teil auch 
in der Kedaction von dem obigen etwas abweichen: 

a) nqeaßai xar^ evcpTj/dia^dv cjg Evfievidag zag 
^Eq IV vg iTtet Ttwg ovkofiivj] : — 

b) aXixog: TCQeaßa: äno tov Ttqiaßeia avyxexOTtTai 
rl Ttagdueczai Ttp Jtqeaßvg 

c) diog d-vydtrjf !^rjy: iTteidi^ ndvvwv 
aYvcog 6 Zeig, avyyvdiirjv de avzt^ Ttoqi^ofievog 
iSg &eoßXaßrj (sie) av^et rijV öal(40va wg vjtd ixe- 
yiOTfjg d-eov ßhxnxofjLevog %ai %va rovg dfiaQTd" 
vovrag (ätj (X€(iq>oiT6 vig : — 

So scheint mir zum Teil auch in der ßedaction verfehlt 
wie Yollständig unklar durch die Contamination das Scholion 
von B zu T 288, wo es von der um den Patroclus klagen- 
den Briseis heisst: 

^k)dv fiev ü€ elemov iyai Khairjd-ev iovaa 

^cDOv (xev ae eXeiTtov: d^iOTtioTwg exet rd tov 
d-QTjvov. ov ydq to e/r' avT(^ drcoXoqrvQerai fiovovy akkd 
Y,ai Ta avTji enanoXovdifioavTa. iKnki^TTei ydq avrrjv t6 
jU€Ta^ T^g C^ijg y,ai tov d-avdTOv ßodxiOTor ov. naqaTa- 
TC^fi de (foivQ exQT^oaTO wg fioyig ixKOvaa TtejtOQevfiivf] aal 
ndXiv ßqadewg vnoaxqeipaoa did t6 fif] 'qdiiog d-edaaa-d'ai 
TO TtTcifÄa TlaTQonXov» dio Kai inr^yayev ytaKOv ix yt axov, 
Tijg ydq nag^ ^yafiiftvovi diaTQißijgy g)7]aij tovto fxot 
Xelqov : — 

6 



— 82 — 

Das sind ganz richtig 3 ächolien in Y: 

a) üaTQoytXe /xoi deiX'g: aiioniarwg exBi ta rov 
d-QTivov. ov yaQ rd iii* avr^ ijtoXogwQBTaiy äiXa 
äiä rov ineivov d'dvatov rd eit'' avx^ ina- 
xolov^aoyfa : — (und das ist richtig, der Ge- 
danke, den B hineinlegt, ist yerkehrt) 

b) ^(üov II iv OB eXeiTtov: naQaTarixdig exq^aano 
qxüväig (sie) wg fioyig änovaa TteTtOQsvfiivfjv (sie) 
xat rd (lev ßQadiwg (sie) VTtoaxqexpaoa did t6 /ii] 
^decog tovto ^iol xbiqov : — 

c) aUAogi ^wöv ixiv os eXemov: v6 /xeta^ rrjg 
t,(ofjg Kai d-ccvdrov ßodxiaTOv ov x al t6 ä id ' 
q>OQOV avvüv s^iaTtjai vtjv Bqiarjtda : — 

Wie wir sehen ist däS letzte eine Bemerkung ftir sich, 
die mit der unter a mitgeteilten gar nichts zu tun hat und 
desswegen auch nicht mit ydq angeschlossen werden durfte. 

Y 33 iJF. werden die in die Schlacht ziehenden Götter 
geschildert. Da gibt uns D. ein Scholion aus B, das an 
geistloser Armseligkeit ganz einzig da steht. Wir haben 
dazu 4 Scholien aus dem Yict., imd ich lasse sie hier folgen, 
damit man sie mit dem von B vergleichen und sehen kann, 
was aus denselben geworden. Diese Scholien geben die 
Gründe an, warum die genannten Götter gerade den Griechen 
helfen und lauten in der Handschrift: 

a) ^Hqr] fiiv xai JlaXXdg lid-r^vr): ^'Hga elg 
vofiiiiov ydfiov ddLXfjd^ivvi MeveXdi^ ßotjd^el, I^&rjva 
de Toig dinaiiog xai q>QOvifAa)g fiaxof^evoig : — 

b) noaetdcov: rrjOnSraL ydq ol TtXeiovg tüv *JSl- 
Xrjvwv ycat „elg ^EXUtjv Te Kat ^iydg dwQ* dvd- 
yovaiv^^ (0 203) ij did ^aofiedovra ; — 

c)' ^EQiovvTjg: 6 iQevvrjTtudg' Xoyog (an Xoywg?). ydg 
eoti rj 6 (leyiaxa cicpeXcjv TtXeovd^ovtog rov If, ol 



— 83 — 

de TQayixot rov yL(t$ax^6viov. iTtet ovv fiexa luoyov 
Ttoiovvtai rrjv ßdxfp^ ol "EiXrjvegy ßorj&ei avroig* 
Sfia di xat diä KvXrjvipf : — 
d)''H q>aLarog : Tcolifiiog Zigei, q>ikog Ldd^vq 
y]'Hq>aiaxog daldaae xai IlaiXdg lA^vr{^ (C 233) 
%ai ijfÄfjTQi (piXji inirjQa gjepcov" {A 572) %ai ori 
rexyi^ov to ^ElXrp^ixov : — 

.Audiamus disertum!* 

**H Q a Big v6(4ifiov yafiov admrjd'ivri M&^eXa^if ßor^d-üy 
uid'riva de toig dinaiojg y^ai q>QOvi^(og fiaxo^ivoig, 

^EQtovvtjg de 6 eQsvvrjiixog Qjoyog yaq soti) rj 6 (leyiüra 
w(p€X(!iv TcXeovd^ovrog rov ^, 

Hooaidwvde oti dno d'CcXdoarjg TtQog rovg iv tq ^Q^ 
noXefiovaiv, 

^H q>aia'V og de öiä vo (pqovifiog xal firjxccvixog xal Texvi- 
Tvfi elvaiy oioi xat ^'EUtjveg : — 

Selbst Dindorf hat hier ein menscliliclies Rühren ge- 
fühlt und suchte in einer Note dem Scholion etwas aufzu- 
helfen. 

Aber ein solches Scholion ist des Abdruckes nicht wert, 
ebensowenig wie das, welches wir zu v 84 lesen, wo Apollon 
zu Aeneas spricht : 

Ttov rot äfteiXai 
ag Tq(io)v ßaoikevaiv vniaxeo olvoTtora^tov ; — 

vtaidevTfKa ravra , t^$ Ttaqd roig avfjutoaioig ngoTtereiag 

iXTtalkdaaovTa , di* wv q>r}aL toV uilveiav dux vag Ttag* otv(^ 

vrtoaxeoeig oXiyov detv yttvdvvevoai, olvoTtord^cov de 

nivcüVy ovxi ead^icjv. ßaoikelg de y,ai xovg xara (liQog agxov- 

Tag Xiyev : — 

Die Erläuterung des oivoTtord^ojv mit jrivcov , ovxl 

^od^iwv ist doch in einer solchen Verbindung vollständig 

dunkel. Alles ist klar in V : 

6* 



— 84 — 

a) 7ro€ TOI an: eiXal: Ttaidevrixa tovra mal r^g 
TtoQa Toig avfiTtoaloig 7i:Q0/tereiag dncdXaaaovTa, 
dl* üfv qnjoi rov ^Iveicty dict Tag naq^ oivqt vivo-- 
oxioeig oXlyov deiv xivSwevaai, ToiavTa de 
xal Ta Ttaq^ ''EXkrjaiv sotiv axovaai „tt^ 
eßav evxbiXatj otc Sri q>afiev elvai agi- 
OTOiy ag TtoT^ iv ^Tjfivfiß xeveavx^sg ^yo- 
Quac-d-By TtivovTsg xQtiTtJQag €7ti6Teq)eag 
oivoiOy Tqcjwv av3-^ exoTOv Sirjxo^ 
ai(ov rc" (© 229. 230. 232. 233). ol di 7taQßa 
Tolg ßaqßaqoig ijg naQaäo^ov tl IdxiX^ 
Xei avaTtjvai : — 

b) olvOTtOTa^iov: Ttiviov eq)r], ovxl io^iiov. xaxei 
aga deovTwg ad-eTclTai ovTog 6 OTlxog 
„ea&ovTeg xqia TtoXXd ßo&v OQ&oxQai 
Qawv^^ (@ 231). ßaaiXeig de xat Tovg xaTci fie^g 
oQxovrag eXeyov y^Öwd exa yciQ xaTa drjf^oy 
dQiTTQeTteeg ßaoiXrleg^^ {d- 390) : — 

Anstoss err^ anch das contaminirte Schol. zu X452: 

OTi^O-eaL TidXXerai tjtoq dvd OTOf^a, veqd-e de yovva 
jcriywTai. 

TtaXXeTai titoq: efiq>avTixdig SrjXoT tyIv ifwxTjv exictjÖ^atu 
ßutl^ofuvrpf. xal KaXXlfuxxog „exoXXrjoccy ydq dvlai yoijvaxa^^ 
(Lay. Pallad 83). Darauf kann sich aber das Citat des E^- 
limachus nicht beziehen; in Y steht es richtig unter dem 
lemma: yovva jci^yvvTai: KaXXifiaxog y^xolXvfiav ydq 
dviai yovvaTu^^ : — 

Gewiss ist auch das Schol. zu X 489 

aXXoi ydq oi dnovqriaovoLV dqoiqag 

besser unter 3 lemmata, als verbunden, wie wir es in B 
lesen : dTtovqrjOOvoiv: xvqliog tcüp oqoav dq^aiqriaovrai. 
6 iiev ydq Tlqia^og eqyov eaxdTOv yijqtogy aXXog de ovx eaziv 



.V 



— 85 — 

S iXei^aciiv ti^v OQ^aviav ctvtov, i] de drvxicc Ttavva rd %ei^ 
nQogdoxav ccvrriv noul : — 

Y: 

a) Tcovog %al xijde' (488) : ^ atv%ia Tvavra xd 
%eLq(a TtQogdoxav iitayerai : — 

b) aXkoi Si ol: 6 f^iv ydq ügiafiog saxo^oyriQCjg, 
i'gyov de acoaai xqr^iJiaTa eariv 6qq>avi^ 
%ov ftaidog : — - 

c) äTtovqiaova iv (sie): dq>aLqrjaovTai. 

Dieselbe Erscheinung verfehlter und unglücklicher Con- 
tamination begegnet so durch die ganze Sammlung und wir 
müssen demnach festhalten an der Aimahme, dass der Schreiber 
hiebei einem bestimmten von ihm oder einem andern fest- 
gestellten Principe gefolgt ist. Daneben gibt es aber auch 
eine ganze Menge derartiger verbundener Scholien, die ohne 
jeden Anstoss sind. Und wir begreifen das sehr leicht. Der 
Schreiber hatte gewiss eine leichtere Arbeit, wenn er Scholien 
imter gleichen lemmata, die zu einem und demselben Vers 
gehörten und nur verschiedene Erklärungen enthielten, zu 
einem Ganzen verbinden konnte. Aber diese sollte man eben- 
falls nicht nach dem Venetus ediren. Wenn Nwir nämlich in 
anderen Handschriften die verschiedenen Quellen, aus denen 
unsere Scholien stammen, genau geschieden sehen, so sollte 
man sich doch wahrhaftig keinen Augenblick besinnen, schon 
der leichteren und bequemeren Orientirung wegen jene Hand- 
schriften zur Grundlage zu nehmen. 

So kann ich es nicht billigen, dass man zu E 736, wo 
es von Athene heisst : * 

^ de xixciv^ ivövaa Jioq veq>ekriyeqhao 

aus B folgendes Schol. herausgibt: h: daavvtiov to 1^, ag^ 
S-Qov yaq eoTi dvrafvvfimov. riveg de xpiXovaij avvdeofiov exde- 
XOfievoi Tov rj i^de, xaKiSg, ovrog de 6 %vtvtiv eTtiZTideiog eativ 



— 86 — 

iv TtoXifÄtp IV g (sie) i'ori jteqißokri Jioq xai Idd^ag wg 
ld%tXki(og xal u4Yccvrog. Tevx^oi di kiyei Tg alyidi xat zjj 

Genau nach den Quellen geschieden und zum Teil noch 
durch eine weitere Bemerkung vermehrt bietet V folgende 
3 Scholien : 

a) ^ Si x*^^v^ ivdvaa: daavvreov t6 v[, ixqd-QOv 
yaq ioTi dvrcjwfdi'TLOv, Tivig di xpiXovat atväeofiov 
dexofievoi ro rj^ TLoyLwg : — (Schol. Herod.) 

b)x^^^5*'' ivSvaa: ovzog yaq fiSXXov ifciTi^deiog 
iv TEoXeijK^ %ai ori (sie) l^orj TteQißoXri Jiog %al 
!/i&rpfäg (ig ld%4}liu)g xal ^Havzog : — (SchoL 
exeget.) 

c) ^ di xiTVJv'' ivdvaa: to ,jJidg ycqpc^iyyc- 
QStao^^ Tivig xt^ TtQCJti^j ol di r<^3 ^S^g 
(sc. awaTttovOLv) l'v' g oXa ta OTtXa rov 
/liog. Ttoivov di xai €7tt xov Ttgcirov. 
T evxBa di Ttjv alyida nai 7teQiY.eq>a'kaicfv X^yei : — 
(Schol. Nicanoris et exeget.) 

Am allerwenigsten war es aber zulässig, das ixiJxog, das 
wir so vielfach vor den Scholien des V finden, und das so 
deutlich auf verschiedene Quellen hinweist, so ohne weiteres 
wegzulassen. So wird Y 332 

u4iveia rlg a' wde -d-ewv ätiovta Y.BkiveL 

in B durch folgendes Scholion erläutert: cTsowa: (pqtvo- 
ßXaßovvta rj atpQOvriOTOvvTa „6 di Ttgarcov f^iv äzi^cov eq^ 
xevai^^ (v 166) KaXklßdaxog „Movawv di yievog dvriQ araec" 
TG axiovra (og voiovxa, eötl yaQ TTJg TtQWTtjg xüv neQiancO" 
fiivtJv av^vyiag ofioiwg r^ voiovti : — 

In V sind durch aUxog richtig 3 Scholien geschieden: 

a) dtiovra: äq)QOVTiGTovvTa' KaiXlfiaxog ^yfiovadtov 
lievog dvijQ dzizei^^ (sie) : — 



— 87 — 



b) dXXwg: ätiovca: ätpQOVTiaTOvvra „o de TtQchov 
fdiv ar/Ccciv" (v 166) ilj q>Qevoßhxßovyca : — 

c) aihaqi dtiovcai iig voiovra. eon yäf tijg TtQci- 
rrjs avZvyiag ruiv TieQiancofdivcov : — 

Mit dieser Scheidung ist doch zi^leich für das raschere 
Verständniss dieser Scholien unendlich viel gewonnen, und 
dieselbe ist auch in V durchgängig durch alle Rhapso- 
dien der Ilias festgehalten. Denn nur höchst selten tritt 
der gegenteilige Fall ein, dass wir einmal im Venet. B 2 
Scholien begegnen, die in V zu einem einzigen verbunden 
sind und wegen dieser Seltenheit kann auch diesen Scholien 
für die hier besprochene Sache keine Bedeutui^ beigelegt 
werden. So müssen wir also die Ansicht, dass uns im Venet. 
B die ältesten Ueberreste eines ursprünglich mit de ver- 
bundenen und vermittelten Commentars vorliege, der dann 
im Vict. aus Bedürfiiiss der Handschrift auseinander gerissen 
worden sei, als unstatthaft zurückweisen. Die Verbindimg 
der Scholien im Venet. B ist ureigenste Arbeit dieses oder 
eines anderen librarius, der, um nicht immer neue litterae 
numerales über den Text und an den Anfang seiner "Scholien 
setzen zu müssen, manchmal mehrere Scholien zu einem 
einzigen Ganzen verbunden und contaminirt hat.*) 



*) Dass aber dem librarius des Venet. B nicht ein verbundener 
Commentar, sondern schon durch aXXu^ geschiedene Scholien vor- 
lagen, davon gibt es ganz deutliche Spuren in unserer Sammlung. 
E 778 lautet das Schol. in B: T^/ua^' o/jioZat: trjy i^fitiv xcci rtjy 
ntrjaiy, atonor yaQ rgv^e^tüg ßa6ilety rag eis TioXifAoy scxevccfffÄiyac' 
aTiXcDg, xaXtag raiy ßovXofiiyfay XaS'iiy r« tx^v nBQiattQaiq i%xait€y\ 
ttfpaytj yuQ avttoy rd t/yii (of ^A^iOxotiXtig. ^ xal 6id to xa&tcQoy fj 
dtd TO ra/v : — Dasselbe Schol. bieten VL, nur dass dort für v^ «XXwf 
steht und das Schol. am Schlüsse noch einen Zusatz hat. Jeder sieht, 
dass wir hier 3 Scholien vor uns haben : der Vergleich mit den 
Tauben wird erklärt: a) cT*« r^y OQ/Jitiy xal njr nrriciy b) wird das 
Passende des Vergleichs hervorgehoben 6id ro "kad-Hv c) ^td j6 xa- 
^aQoy xal wr/w. Für das in VL genau scheidende aXXtag ist in B 



— 88 -- 

Sollte dies Alles aber noch nicht genügen, endlich der 
Ueberzeugung Bahn zu brechen, dass der Codex Venet. B 
bei der Heransgabe der exegetischen Scholien der Ilias erst 
in zweiter Linie Berücksichtigung verdient, so möge hier 
gleich noch ein weiterer und höchst wichtiger Punkt in Be- 
tracht gezogen werden. Schon in der Recension von D.'s 
Ausgabe Jahrb. 1878 wurde p. 531 darauf hingewiesen, 
dass uns im Vict. vielfach nicht bloss der bessere, sondern 



an zweiter Stelle, wie so oft ? eingetreten. Ausserdem ist hier be- 
merkenswert, dass in y in der Begel nach dem a^iog noch einmal 
ein lemma folgt, lun das Scholion deutlich als ein neues kennbar 
zu machen. Das ist hier nicht der Fall, so dass man am Ende die 
obigen Worte auch als ein Scholion mit 3 verschiedenen Erklär- 
ungen £ässen könnte. Ganz ähnlich verhält es sich mit Y 180,. dort 
heisst es ebenfalls am Schlüsse des Schol. aXXiog xal xtgtofMel rov 
Aivslav tag dyfSQftoyra tJ JlQidfjiov «QXV • — und wieder steht das 
gerade so in V, ohne lemma und mit ticcI verbunden. Doch dürfte 
uns darüber vielleicht der Townleanus aufklären. Wenn auf Thiersch's 
Vergleichung Act. PhiloL Monac. Tom. ü. p. 561 fF. Verlass ist, so 
hat V öfters aXAwp, wo es im Townleanus fehlt. Vergl. de Schol. 
Vict. Homericis p. 24 Anm. Und diese Frage ist für die Sache von 
Wichtigkeit, denn es handelt sich eben darum, ob diurch dieses 
häufige u'kXwg in V verschiedene Scholien oder verschiedene Er- 
klärungen eines und desselben Scholions geschieden werden. 

Natürlich soll damit nicht gesagt sein, dass die ältesten exe- 
getischen Scholien nicht aus einem oder mehreren ursprünglich ver- 
bundenen Commentaren stammen ; denn so müssen wir uns die Sache 
aller Wahrscheinlichkeit nach denken und dahin führen uns auch 
Spuren, die wir in den Scholien beobachten können, so z. B. wenn in 
y und L neue Scholien unter eigenen lemmata mit ^^ anlauten wie 
E 638. 502. (Vgl. auch cod. B zu * 204.) Das erklärt man sich doch 
wohl am leichtesten dadurch, dass man aus Bedürfoiss der Hdschr. 
oder aus irgend einem andern Grunde die in dem fortlaufenden Com- 
mentar verbundenen Scholien trennte und dabei übersah, das nun 
unpassende ^b ausziunerzen. Dass aber damit die von dem librarius 
des Venet. B beobachteten und oben gezeigten Kunststücke nichts zu 
tun haben, das glaube ich an einer ganzen Reihe von Scholien 
schlagend nachgewiesen zu haben. 



— 89 — 

auch der ausführlicher^ Aiiszog dieser Scholien vorliegt. 
Eine nach dieser Bichtong hin yorgenommene CoUaidon 
mehrerer Bücher hat mir die dort ausgesprochene Vermutung 
zur Gewissheit erhoben. Und es hat gar nichts ünwahr- 
scheinHches, so wie wir wenigstens unsem Heim Hbrarius 
bisher kennen gelernt haben und es stimmt ganz zu seinem 
'System der Arbeitserleichterung, wenn er manche Scholien, 
die in seiner Vorlage enthalten waren, einfach wegliess. 
Darauf wird man wenigstens gedrängt, wenn man folgendes 
Schol. in B etwas näher ansieht. 

V 288. 289 heisst es bei der Anführung des Wagen- 
kampfes 

üßQZo Ttolv TtqChog fiiv ava^ dvdqwv ^/dtjXog 
l4df^r]tov q)iXog vlog^ dg iTtTtoavvf] hthiaaro 

und da bemerkt B zu 289: dg iTtTtoavvrj inixaato: 
oi ftovov iTtTttüv aQ^^ ^a^^üv aviari] TtQwrogy dXKa xai 
tixvri iTtTtin'^ : — Ich frage : wo ist beim Dichter mit irgend 
einem Wort Etwas angedeutet von der oq€T^ rwv %7t7tiav^ 
Diese Bemerkung des Schreibers weist vielmehr darauf hin, 
dass in einem andern SphoUon, das er in seiner Vorlage 
hatte. Etwas über die Vortrefflichkeit der Bosse des Eumelus 
bemerkt war, denn nur so kann man sagen ov fiovov — 
aila xaL Und so ist es in V: 

288: EvfirjXogi wg OertaXiTcdg %7t7tovg €%(av %ai VTto 

IdtTtolhüvog TQacpeioag : — 
289: iTtTtoavvT] eKeKaato: ov fiovov ovv %7t7tiav 

a^CTjf ixenaOTOf aXXd xal tex^rj iTtnix^ : — 

In ganz richtigem Gefühl ist in B das ovv weggelassen 
worden, eben weil das vorausgehende wegfiel, aber die bei- 
behaltene ungeschickte Fassung ov fdovov — dXkd xat hat 
den librarius doch verraten. 

Allein diesen Umstand wollen wir hier gar nicht be- 
tonen. Wir haben es da eben mit der einfachen und ecla- 



— 90 — 

tanten Tatsache zu tun, dass eine Menge guter ex^etischer 
Schollen im Vict. enthalten sind, die im Venet. B fehlen 
und zwar meinen wir damit nur solche, die nicht gerade 
auf ganz besondere und eigene Quellen hinweisen, sondern 
die ganz im gewöhnlichen Geiste dieser exegetischen Schollen 
gehalten sind. Und das findet sich so durch alle zu diesem 
Zwecke von mir vergHcEenen Bücher hindurch, ffier möchte 
ich nur auf die im Venet. B fehlenden Schollen der Rha- 
psodie V hinweisen. 

Im Venet. B fehlen also die folgenden Schollen, die 
Bekker aus V anführt: 

V 1. (2. Schol.) 6. 7. 14. 20. 28. 33. 42 (statt A ist 
V zu schreiben) 44. 84. 71. 72. 76. 79 (AV) 82. 99. 110. 
126. 130. 132. 136. 141 (AV) 153. 157. 171 (AV) 193. 
203. 214. 226. 229. 239. 265. 266. 268. 270. 275. 277 (2) 
280. 288. 291. (2) 296 (2) 336. 346. 348. 378 (2) 383. 
401. 426. 458. 478. 497. 503. 506. 524. 538. 596. 619. 
633. 637. 644. 648. 652. 660. 661. 664. 680. 681. 684. 
686. 690. 702. 709. 725. 729. 741 (2) 772. 783. 791, 810. 
815. 817. 829. 854. 858. 876. 

Das sind Schollen, wie wir sie zum Teil ähnlich sonst 
in B lesen. Aufgeführt sind dabei nicht diejenigen, welche 
aus den Werken der Viermänner stammen , weil auch B 
selten derartige Schollen hat. Dieselbe Beobachtung wie 
hier habe ich auch an andern Büchern gemacht, so dass 
sich wohl die Annahme nicht abweisen lässt, dass uns für 
die exegetischen Schollen der Illas in B nur ein unvoll- 
ständiger Auszug vorliegt. 

Wir sind nun am letzten Gange unserer Untersuchimg 
angelangt. Es ist das nicht etwa ein zusammenfassender 
üeberbUck der bisher gewonnenen Resultate, sondern eine 
scharfe kritische Prüfung derjenigen SchoUen des Venet. B, 
die entweder ausführlicher in demselben enthalten sind oder 
die in mehr oder weniger bedeutenden Pxmkten von denen 



— 91 — 

des Vict. abweichen. Die Vergleichung beider Handschrifben 
giebt ausser den bisher behandelten Tatsachen der Verkürz- 
tmg, Zusammenfeussung, Umredigirung ja noch andere Punkte 
an die Hand, die der Vollständigkeit der Sache wegen nicht 
umgangen werden können. 

Die Scholia Victoriana sind nämlich denen des Venet. 
B entweder ganz gleich dem Umfange wie dem Wortlaute 
nach: da fallt die Handschriftenfrage weg. Oder sie sind 
länger als die des Venet. B: dann haben sie Striche und 
Verkürzungen erfahren in B, wie wir das früher nachge- 
wiesen. Oder sie bieten in 2 und mehreren Scholien, was 
B in einem hat: dann sind sie contaminirt und aus V zu 
ediren. Aber damit ist die Möglichkeit der Fälle noch 
nicht erschöpft; denn die Scholia Victoriana weichen von 
denen des Venet. B manchmal in unbedeutenden Punkten, 
wie es wenigstens auf den ersten Blick scheinen möchte, 
ab; sie weichen auch femer manchmal ab im Umfang und 
erscheinen in B ausführlicher als in V. Nun so gebe man 
sie — wird man sagen — aus B heraus. Allein diesem 
raschen Worte möchte ich doch ein gegründetes Halt zu- 
rufen. „Du sollst nie nur eine einzige Handschrift anbeten* 
lautet ein schönes Wort, meines Wissens von Lehrs, und 
ich unterschreibe es vollständig. 

Aber wenn wir nun den librarius der Scholien des 
Venet. B bisher kennen gelernt haben als einen gedanken- 
los arbeitenden , vor dumm-dreisten Erfindungen keineswegs 
zurückschreckenden Gesellen, wenn in einer so grossen An- 
zahl von Fällen seine Fehler klar und offen vor uns liegen : 
sind wir da nicht berechtigt , auch Alles andere , das er 
etwa abweichend von V bietet, nur mit Misstrauen auf- 
zunehmen : ja sind wir da nicht im Interesse der Sache, 
der wir nützen wollen, geradezu verpflichtet, die etwa vor- 
kommenden Abweichungen genau und scharf zu prüfen, 
deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit nachzuweisen ? Oder 



— 92 — 

soll sich der breit und offen daliegende Unsinn auch noch 
durch eine vierte SchoHenausgabe weiter schleppen , weü er 
nun einmal durch den altheiligen Namen des Venet. B ge- 
deckt ist? Auch da gilt es Kritik zu üben, scharfe unnach- 
sichtige Kritik, die das Gute schützt und verteidigt, das 
Schlechte verdammt und aufgiebt. Allerdings ist das Urteil 
über schlecht und gut bei diesen Scholien subjectiv, aber 
ich denke denn doch auch von diesen exegetischen Scholien 
der nias nicht so gering, dass ich damit zufrieden wäre, 
wenn sie nur Worte machen ohne Inhalt und Bedeutung 
und zwar Worte, die sich nicht etwa mit der bescheidenen 
Haltung der Paraphrase begnügen, sondern mit der lächer- 
lichen Tendenz wirklicher Erklärungen des Dichters auftreten. 

Wir werden demnach auf dem nun folgenden kritischen 
Gange in aller Kürze und nur nach den Hauptgesichtspunkten 
in die Besprechung einiger Scholien eintreten und zwar wer- 
den wir zunächst solche Scholien heranziehen, die man aus 
B edirt und bisher ohne Anstoss gelesen hat, die aber aus V 
zu geben sind; wir werden femer auch manche in V be- 
gegnenden Varianten gegenüber anderen Lesarten von B auf- 
recht erhalten, zum Schlüsse soll dann noch mit einem 
Worte hingewiesen werden auf die Zusätze, womit der Venet. 
B uns bereichert. 

Bei Villoison, Bekker xmd Dindorf lesen wir zu F 41: 
aal x€ ro ßovXolfiriv Kai xev Ttokv xiqdiov riev 

folgendes Scholion iaus B, dem ich nun gleich das von V 
gegenüberstellen will: 

B V 

ßovXoifJirpf av tqvto (bg xaXoig ißovXofifjv av tovto, g>iQ- 

yevtjaofisvov. äXkd aal TtoXvy tbqov de TCQeitTOVj aol drj'- 

q>7]Gl , y,QeitTOv av iyeyoveif Xovori : — 
aot drjlovöti: — 



— 93 — 

Wenn man nur den äussern Umfang der Worte für 
ausschlaggebend hält für den Wert eines Scholions, so ist 
allerdings das Schol. Yon V gerichtet. Doch wollen wir uns 
dasselbe einmal näher ansehen : 

a) ißovXofitjv av zovro ist allerdings nicht auf den 
ersten Blick klar, aber unzweifelhaft beziehen sich 
die Worte auf die von Aristarch notirte Rede- 
wendung, von der Friedländer zu Aristonicus p. 7 
gesprochen hat 

b) V las ursprünglich in seinem Texte g>iqTeQOv, nicht 
wie wir niQÖiov imd erklärte das Wort mit xgeif^ 
tov. ApoUonius lex. 162. 4 cpiQreQog: TCQeiaatov 
Tiaqa to VTteQfpiqeiv, 

Ich finde also dieses SchoHon gar nicht so schlecht — 
ja sogar gut — und ausgezeichnet, wenn man es diesem 
platten und nichtssagenden Gewäsch entgegenhält, mit dem 
uns B wieder bedient. Gewiss hatte der Hbrarius ähnKche 
Worte , wie wir sie in V lesen , in «einer Vorlage — das 
TCQeiTtov av iyeyovei scheint darauf hinzuweisen — aber die 
Variante hat wieder keine Gnade gefunden vor seinen Augen 
und daher das hohle Phrasengeklingel. 

Das tief humane, so wunderbar milde Wort, das Priamus 
zur Helena spricht, F 164 : 

ovTi fioi altirj iaat, &eoi vi f^oi curioL elaiv 

hat auch unsere SchoUasten gerührt und sie bemerken darüber: 

B V 

TcatQiTii^v Tttog acil^cjv diad'e- 7taxqiY.r^v aw^wv äid&eaiv ov 
aiv Kara rov koyov ov g>rjaiv qyrjaiv „naJg vi ^loi caxiog 
ccvTT^v avciav. neig yaq; : — iariv^^ : — 

Hält man an der Ansicht fest, dass nur das ein gutes 
Scholion ist, das etwas anderes sagt „als was im Buche 
steht*^, so weiss man, was von B zu halten ist. 



— 94 — 

„Worte, Worte, niclits als Worte" z. B. auch J 151: 

tig &i XSev v&)ijhv te xat oyxovf iTitog iovzag 

B V 

ixtög eöviag: leittu t6 tag äe i3ev: avii tov gV- 

ija^ero, jigö /cg tovvov ovx &ero. ntög yaQ eioqa to i[i- 

tuQÖTo IfifiEJijjyög TJ fiav- neni^yog rg Jtavrevxiif ; : — 

zevxitf : — 

Das Schol. von V spricht fUr sich selber. Was aber ein 
solcher Schreiber im Producirea von Unsinn leisten kann, 
sieht man auch hier wieder ganz deutlich. „Insanit nt 
aolet!" 

Davon gleich nodi eine Probe. J 398 wird von Tydeus 
gesagt: 

Malov' äqa jtQoetpie, &etäv TtQÜeaat itiif^^aag. 
Geistreich, wie immer, bemerkt dazu B: 

avTi^) eltiev ori Idyrj ovtov t6 Söqv ; — 
Ja , ja ganz gewiss : die Athene sagte dem Tydeus, 
«dasB sein Speer zerbrochen ist" ! 

V : ^ l^&T/vS ya^ ctvTi^ eiTte rj exläo&rj avrov to 
äöffv : — 

E 128 sagt Athene zu Diomedes: 

dx^vv 6'av toi an Ötp&aXftwp i'lov, tj tc^v Brt^ev 
ogig' er ytp'föaxyg ^f*ev &edv rjde xai ävdßa. 
Zu dem letzten Verse liegen uns folgende 2 Schollen vor : 

B V 

o/rwg ev SioKfiivoio xal tov &e6v öfioiojd'ivTa avÖ^ %va 

aTQETTtoy i^eov xai tov wg dtaxqlvrjg xai töv ovtwg dv- 

dvÖQu 7töXtv 9töv : — dpa tovto yä(f dtjloJ ■^(ih 

&t6v r^Si xai ävö^. 



- 95 - 

Dass irgend ein homerischer Held einen unverwandelten 
Gott nicht erkennen sollte, davon finden wir in den ho- 
merischen Gedichten nirgends eine Spur. Wenn also Athene 
dem Diomedes hier die a%Xvg nimmt , so kann der yom 
Dichter angedeutete Zweck nur mit Y erklart werden. 

E 542 heisst es von Aeneas: 

''Evd'^ avr' u^lveiag /favawv VXev avögag dQiatovg 
vTe ^loxkriogj KQ^&(avd te ^OQaikoxov ze 

Dazu sind uns wieder zwei Scholien erhalten: 

B V 

^Eilrp^iTtov Ttal q>iXadEkq>ov to ^E^rj[VL%ov %ai g>tXad€Xq>ov avv^ 

owajtod'VTJaxeiv zöig ädeX- aTiodvf^ayteiv rovg ddeXcfOvgj 

qmg , oAA' ovx olov ro <Pjj- ovx' olov %d ^Idaiov ^^og rov 

yifjtig ^d^og (v 11) : — dd€Xq>ov rov (lh]yi(üg{Y 11): — 

Selbst wenn man mit leichter Aenderung in B schreiben 
würde rovg dSehpovg , so bleibt das folgende doch ein Un- 
sinn. Denn was soll denn olov ro Otjyicjg i^d^og für das 
Gegenteil beweisen? Bei v 11 ff. sehen wir, dass von den 
beiden Brüdern Phegeus zuerst getötet wird, während Idaeus 
feige flieht. Darum ist nur richtig, was wir in V lesen. 
Der Unsinn in B ist wieder durch die unverständige Kürzung 
entstanden. 

Wenn mich nicht Alles täuscht, haben wir es mit einer 
ähnlichen sinn- und gedankenlosen Kürzung auch . V 840 
zu tun: 

Epeios macht den ersten Wurf: 

aoXov (J'?A€ diog ^Erteiog 
ijxJB de divrjaag, yihxaav ö^STtl Ttdvxeg L4%aLoL 

Dazu liegen in den beiden Handschriften die folgenden 
Scholien vor : 



B 
ßovl^ai ehceiv ori xcctayi- 
Xaatog iyivBro en' oXlyov 

aiv : — 



tavto &iXti emsiv ort xara- 
yeläoiog i^^iipev in' oXiyov 
ßalbiv ^ evxeQÖig rijv x^i^ 
axtjpicalaag »j /^i} äutar^aae 
TW Jtöäe : — 



es 
^^^ am 

^^^Ä »el: 



Zu einem Freui^eiigeUchter, wie B annimmt, war dodi 
hier beim ersten, wie es scheint, total verunglückten Wurf, 
auch nicht die mindeste Veranlassung. 

Man mviaa sich sehr in Acht nehmen TOr den aus- 
ftilirÜLheren und längeren Scholien des berühmten Venetua 
B ! r 221. 2 

ÖW.' 8t« iJij ^''ona re fieydltpi h. arr^i^eog 7ei 
xai tTtea vupädeaatv eoixöia xufieqir^aiv 

B V 

f^ EtKoJv dgioQ^ nffig to ta%oq 
T^S ^ijTO^lag. ^M* fisv yaq 
Tov iiX^^ovg drßm %6 fivxvov 
Tod löyov, 3td 3s lov Xevxov 
■to ampig, dia T^g viqiadog 
vi^y (fqixrpi tOv äy.ovövrtuv. 
xal ai (liv zciftE^iort anaXäi, 
at äe sa^ival ixxoTttovai tovg 
xaQuovg ; — 

Xihil non ,molitur inepte.* Gewiss ist es so hier; denn 
wie kiinn man allen Ernstes, wenn man das Gleichnise, wie 
B tut, allein itQog zo -cdxog bezieht, fortfahren did ftev 
yä(j ToiJ TcXri^ovg ärjXot tö nvxvovl femer sind doch 
auch rrXij&og und uvxvöv ganz verschiedene Begriffe, die 
unser librarius da zusammenwirft. Der Unsinn fällt in sich 
selbst zusammen, sobald man ihn etwas näher betrachtet. 



^ eiKiav jT^s TO Taxog, to 
3cXij9os, 10 scvxvov, tö 
aag>^g, diä de to Xevxoy 
tijg vtgxidog ttJ» y^t'xijv tiüv 
äxovövTwy, »al at ftiv x^~ 

fiiqiat, TOiig Xflr^ 

novg : — 



— 97 — 



P 24 

spricht Menelaos: 

oide f^iv ovdi ßtt] ^YneQi^voQog mnodai^oio 

Dazu liegen nun in beiden Handschriften folgende 
Scholien vor: 



ij TtQO TfJQ /AT^ndog ^ vvv xora 
ro aiwftw/jievov dvjjQtjrai, ov 
yag iv r^ S jyl^tQeidi]g d^oQ* 
ineid-^ ^YTtBQtjvoQa Ttoijdeva 
Xawv^^. q)€vycov yaq lueivog 
avjßqrjvo, . ''Of^rjQudv de €&og 
vid. Bekker : — 



B 

ij TtQO Tfjg fii^vidog ij vvv xarä 
To öKOTtwfxevov avjßQfjrai» ij 
raya iv rji S avtäv avfxßa^ 
Xovxcov 7i€q)6v€VTaij ev^a cpt]^ 
olv yjl^TQeidrjg d^ag* eneid'^ 
^YneQi^vOQa noif^iva hxüv^^ 
(516). q)Evya)v ovv dv]ßQrjTaL, 
7] xaya sd^og ^Of^irjQi^dv ro 
kvia TtaQalelneiv y,ai vgteqov 
q)Qd^eiv. Tieqioadv ös to hv 
ov : — 

Alle Ausgaben unserer Scholien bieten nur die Fassung 
von B, und doch ist dieselbe grundfalsch und verkehrt. Das 
ganze Scholion kann nämlich nur auf die eine Frage ge- 
richtet sein , dass der Tod des Hyperenor , von dem hier 
Menalaos spricht, in der Ilias nicht erwähnt ist. Zur Recht- 
fertigung dieses ümstandes greifen sie zu dem gewöhnlichen 
Mittel, das Kennern dieser Scholien nicht unbekannt ist: rj 
TtQO Ttjg f.irpfidog f; xara xo aicoTrwinevov dvgQijrai und sie 
finden das ganz dem ^OfitjQii^ov ed^og entsprechend, wofür V 
bei Bekker Beispiele beibringt, die in B wieder weggefallen 
sind. Nun wird freilich ein Hyperenor £516 erwähnt; aber 
die umstände, unter denen jener dort getötet wird, sind 
ganz verschieden von denen an unserer Stelle. Darum wird 
auch in V mit Becht die Identificirung des in S getöteten 

7 



s 



mit dem von Menelaos hier erwähnteD zurDckgewiesen. Nach 
£510 

ETcei ^' sxXtvE fiäxTjV xAurög evvoalyaiog 
wird Hyperenor auf der Flucht getötet — q>evyo>v yä^ exet- 
vog avQQtjzo meint alao V — vmd der kann doch unmöglich 
derselbe sein, von dem Menelaos sagt xal ^' V7ti(iBivey\ Das 
ist Alles klar und verständlich und so lautete gewiss auch 
die ursprüngliche Fassimg dieses Scholions. In geradezu 
törichter Weise ist dieselbe in B alterirt ^ raya iv t^ S — 
netpövevzat . . . . tpevyiov ovv äv^qi^Tat, Wie können 
diese Worte hier i^hen nach dem Vorausgehenden ij Tcpö 
T^e ftrjvidog jj vtaza xo auoTttafievQv nstfovevTai ? Diese 
sagen doch ganz deutlich : Homer erwähnt nirgends diesen 
Hyperenor , von dem Menelaos spricht ! Wie können femer 
in der von B beliebten Weiae darauf die Worte folgen ^' 
läxa e^og 'OfttjQiKov id evia ftaQctXeiTiEiv? Das ist doch 
rein undenkbar! Das Scholion zu P 24 verbreitete sich nur 
Über die eine Frage, dass der in S und der hier genannte 
Hyperenor nicht identisch sein können : was darüber ist, ist 

vom Uebel. 
Zu J 87 

udaadoMf) j^vTTjvoqidr], xQais^i} aiXfttjT^ 

bieten beide Handsclmften folgende Scholien : 
B V 

KaX<Zg zovt^i elxäa&i}. na- 

^ißi} yaq xal i've^ov vöftov 

ovTog nQO to£ vvv, ßmiXeiai 

Si naaußivat xal tovzov top 

vojiov ijKii x(üv aiiov6üv et 

yaQ fTcgog; rjv ö avftßovXevinv, 

Etpri av ö növ6a^g, äid iL 

fii] xai av fta^ß'^arj vovg 

oQxovg; . . . . : — 



jiaoööxog xaXEiTai , xahag 
de tovtiji tixatjtat ' ^vrt]- 
voQog yaq av (leg. : äv) Ttalg 
xal noQaßäg vöftov nqo^eviag 
xal zovTOv i^iket TtaQaßijvai 
vöfiov anovdbiv. eI yaQ J^epog 
ijv avußovketiov, e'gsjj av 6 
Iläi'öaQOs, dia ri fif^ av na- 
Qaßfjarj Tovg oqxovg; : — 



- 99 — 

Wenn nun hier B bemerkt : Ttagißt] yctg %at txBQOv 
vofxov ovTog TtQO rov vvv, so sieht man sich vergebens in 
der Ilias oder anderswo nach einer Stütze einer solchen An- 
nahme um. Unzweifelhaft berücksichtigt das Schol. F 205. 
206, wo wir zur Erläuterung in den Scholien lesen: ove 
yaq ix Tevidov eTtqeoßevovTO ol TteQi MeviXaov rote ^vrij- 
v(oq 6 '[yterdoyog VTtedi^aro avrovg nai doXoq>ov€la&ai /ueA- 
XovTag eaioaev. Sollte der eigene Sohn des Antenor, Lao- 
dokos, zu den dokoq)oveiv fiiXkovreg gehört haben? Das ist 
doch kaum glaublich. Alle Schwierigkeiten sind dagegen 
gehoben mit der Fassung von V. Das rvagaßag vo^ov 
TTQO^Bviag ist doch wohl dahin zu interpretiren : Laodokos 
als TiQO^evog des Menelaos hätte doch eher das Gegenteil 
von dem tun sollen , was er jetzt tut : d. h. er hätte Alles 
zum Schutze des Menelaos aufbieten sollen ; aber damit, dass 
er jetzt den Pandarus zum Schusse auflfordert, übertritt er 
doch zuerst den rofiov ngo^eviag. Daher, meint der Seh,, 
empfiehlt sich der Göttin gerade die Gestalt dieses Mannes, 
der mit der AuflForderung zugleich den vo^ov 7tQ0^€>iag und 
üTtovdwv übertritt. In richtigem Gefühle hat Bekker auch 
djis Scholion nach V edirt. 

Zu -5" 372 von Hephaestos 

Tov ^evQ^ IdQciovra eXiaaofievov Tveql q>vaag 
stehen sich folgende Scholien gegenüber: 

B V 

nQO TtoiXov Tavva (/fxovoiir]' Ttqo noiXov zavTa (iycovofir^Tai 

Tai e/ti Trjg ^ qaif.f(^diag nai stvI vr^g A ^axpi^dlag^ SrjfjiiovQ' 

drjiiiovQydg ovrog 6 dsog elg- yov top d-eov xovrov eigfixS-ai 

rjxTai , xai rovg d'oka^ovg nat rovg d-akifjLOvg roig -^eoig 

zoig d-eolg KaraCKeva^ei %al y.aTaayt€vd^ovTa xat z6 an^Tt- 

To ayc^TtTQOv rt^ Ju^ iV knl xqov Tt^) z/a, IV ent Trjg jue/- 

7* ■ 




— 100 — 

Ttjg fXBiCpvoq XQBiag fir^ naQa' ^ovog XQ^^^S f^^ 7taQado£ov 
do^og iy raxv^i^S (pavy : — 9^^ ^<^ xahLea viva twv 

&eäv elgdyea&ai : — 

Auch hier ist die richtige Fassung allein wieder in V 
erhalten. Der Scholiast meint doch wohl klar und deutlich: 
Dass die Einfilhrung des Hephaestos als x^^^^'Q keinen An- 
stoss erregt, dafür hat der Dichter im Verlaufe seines Werkes 
gesorgt. Er hat von ihm gesprochen als &ahxfjLovg zoig d^eoTg 
TLaraaxevd^cjv und aurJTiTQOv rqj JlL So hat er gewisser- 
massen die nun folgende Scene, in welcher wir den Gott als 
Xakx.tig tatig sehen, geschickt vorbereitet. Der Begriff der 
TaxvTT^gf den B da hineinträgt, ist also gewiss der ursprüng- 
lichen Fassung dieses Scholions fremd und an sich auch all- 
gemein und nichtssagend. 

Agamemnon spricht J 236 

aXV oXnsQ TtQOveQOi iniq OQxia dtjXrioavTO 
Twv Tirol avtaiv TeQBva xQOCc yvneg kdovrai. 

Dies wird in folgenden 2 Scholien erläutert : 

B V 

x«£ o^rot (nämlich die Grie- xat ovroi yoQ naqa xovg Sa- 
chen) Tcaqd Tovg OQx.ovg not- %ovg noiovöiVy ixelvoi de rjQ- 
ovGiVy oci TTQCTBQOi Tfjg ^fxxtjg ^ov : — 

Der Hauptbegriff, worauf hier Alles ankommt, ist in B 
ganz übersehen, nämlich das ttqot bqoi oqyua drjXtjaccvro, 
Agamemnon, meint V, sagt 7Cq6t€qoi, weil er sich bewusst 
ist , dass auch die Griechen gegen die o^oi handeln ; aber 
so kann er nur sprechen, weil die Trojaner als nqoTeQOi — 
nämlich durch den Schuss des Pandarus — sich desselben 
Vergehens schuldig gemacht. Darum kann man hier unmög- 
lich das i'A.eivoi äi i^Q^av missen. 



- 101 — 

Bei einer zukünftigen Herausgabe dieser Scholien wird 
man aber nicht bloss mit scharfem kritischen Auge die 
ganze Fassung einzelner Scholien zu prüfen haben, wie wir 
dies soeben gezeigt, sondern ein gewissenhafter Herausgeber 
wird sein ganz besonderes Augenmerk auch darauf richten 
müssen — es ist ja dies die schönste Arbeit der Kritik — 
welche von 2 verschiedenen Varianten den Vorzug verdient, 
welche zu wählen und welche zu verwerfen ist. Es ist das 
freilich eine mühsame und beschwerliche Arbeit, aber un- 
erlässlich für den, dem es darum zu tun ast, dass diese 
Scholien, die ja durch die Unbilden des oder der Schreiber 
soviel gelitten, ihrer ursprünglichen Gestalt so nahe als mög- 
lich gebracht werden. Ich will dies hier an einem Bei- 
spiele zu zeigen versuchen. 

4^ 413 spricht Diomedes zu Sthenelos 

ov yoQ syw vefjieaa) l^yafxi/jvovi Ttoifjivi Xaaiv 
OTQvvovTi ^axeod-M evxvqfiidag l4xctiovq. 

Dazu bemerkt B unter anderm : vofjio&eTel 6i ndiov del 
Tov aqxovta neqi roig aQxofxevovg slvai xai fiaXlov hiaiyei 
wq avTov nat T^g qid-OQag xat TYJg awrrjQiag rä Tikrj äva- 

Ueberliest man die Worte des homerischen Textes, so 
findet man daselbst nicht im mindesten Veranlassung zu 
einer Bemerkung, wie wir sie hier lesen: rcöiov del xov ccq^ 
Xovra neQi Tovg agxofievovg eivai und wenn wir dann im 
Folgenden lesen zrig cp-d-o^g xat T^g awrrjQiag ra tUtj dva- 
Xafdßdvea&ai ^eXlovzog, so begreift man noch viel weniger, 
wie hier von den Pflichten des aqxo^v gegen die ccQxofievot 
die Rede sein kann. Alles ist richtig und klar in V : 

TOVT(if fjLBv ydq %vöogi vofxo&erei nolov del 
elvai TTQog rovg aQxovzag, cog aal rrjg q)&OQag 
nat r^g aiortjQiag /xiXkovvag alxiav exeiv : — 



— 102 — 

Ueberhaupt dürfte es sich bei der Kritik dieses Scholiasten 
als ein Hauptgesichtspunkt empfehlen, darauf zu achten, wie 
bei dem bekannten Abkürzungssystem unseres librarius oft 
blasse, nichtssagende und falsche Allgemeinheiten die guten 
Ausführungen seiner Vorlage verdrängt haben. Ich will das 
an einigen Beispielen erläutern. 

Was soll man sich denken unter dem Schol. zu T 282 

wo B unter anderm bemerkt : iv&ade fiovov avxijv nal sv 

T^ u4 liya^i^vcjv e^ ovo^aTog TtaQeXaßev ? Was 

sollen die Worte sagen xat bv z^ u4 . . . . TvagiXaßev? V 
hat diesen Zusatz wieder nicht, bietet dafür aber: sv^dde 
fiovov amrjv naqeXaßev {Xtyovaav'i) dg xat Ooivixa iv 
T j / : — d.h. nur hier hat der Dichter einmal die Briseis 
redend eingeführt, wie den Phoenix in /. 

Wir sind ja bekannt mit dem allgemeinen imd vagen 
Gerede dieses Schreibers und erkennen es aijch wieder T 175^ 
wo Odysseus den Agamemnon auffordert zum Schwur: 

0fiW€T(o de roi oqxov iv liQyeioiöiv dvaaTag, 
fxrl/toTe Trig evvrjg BTtißri^Bvat rjde fxiyfjvai' 

Unsere Scholiasten wissen mm ein Langes und Breites 
darüber zu reden, warum diese Aufforderung nur passend sei 
im Munde des Odysseus und B sagt da unter anderm : axgcog 
ovv 6 öialXai^Tr^g t6 na^ dfiq)OTiQwv aiionijd^ev e^ekiyxu. 
blcog Tieioai top l^xilXia OTtovöd^wv dnod^iai^ai xrjv TTQog 
lAyaiiB^vova fi^viv. fxifivijzai ydq cov Tiaqd rriv nqeaßBiav 
eleye „rg rtaqiavwv TBQTtia&cj^^ (/ 336). V bietet dafür : 
ay^Qiog ovv ö diaiXcenTrig to Ttaq* dfiq)OTBQ(ov aiWTtrjd^ev i^e- 
XeyxBts Tiat dtd tüv oqtccjv (cod. onhov) neloai top 
uixikkia OTvovdd^tov, fiifivrjrai ydq lov naqa ttjv nqeaßeiav 
j, reqnia&u) : — Dadurch wird doch Alles klar: 



— 103 — 

Die ßede des Odysseus hat keinen Eindruck auf den Achil- 
leus gemacht: das bezeugen die Worte desselben v 336 Tjj 
TtaQiavcjv zEQTtio&ia. Darum will er jetzt den Peliden xai 
dia twv OQuiüv von der Wahrheit derselben überzeugen und 
zwar aus dem Munde des Agamemnon selbst. Dies imd nur 
dies] konnte imd wollte der Schol. sagen. Ganz unsinnig 
ist daher auch der Zusatz, den wir in B lesen ano&ia&ai 
rrjv TüQog ^4ya^efxvova f^rjviv. Davon kann doch in diesem 
Zusammenhange keine B^de sein. 

P 4 wird von dem die Leiche des Patroclus verteidigen- 
den Menelaos gesagt 

dfig)l d'a^' avT(^ ßatv^ dig Tig rcegi noqfcayLi /uijtij^. 

Dazu bemerkt B: tov ^Yavra leovri eixd^ei did z6 naQ- 
TEQOv xai laxvQOVy Tov^Oövaaia nvvt dta %6 TUftei- 
voTBQOv fiivy Oßiog de ^agaaliovy vor de Mevilaov 
övfXTta&sl ixev ^tiqfy ov fXT^v ßiai(^ . . : — Die hier durch- 
schossen gedruckten Worte fehlen im V, der aber dafür 
etwas anderes bietet: tov ^lavxa liovxi u'^.ctCßt „(^ ^a ve 
vrjni^ ayovTt^^ (v 134), tov ^Oävaaia r^g taTteivoiaewg 
XctQiv rijg ts (sie?) ^vvi yfCcvÖQ^ dyvoii^aaa^ vXdei^^ {v 15). 
Prüfen wir nun einmal die beiden Fassungen : Ich denke 
ein Erklärer, der zuerst die Worte äg rig Tteqi Ttogfcomi 
(JLrjfvriQ hier erläutern wollte, zog doch wohl die beiden andern 
Gleichnisse nur desswegen heran, weil eben in ihnen auch 
die Jungen, flir die die Mutter kämpft, erwähnt werden, wie 
hier in dem vorliegenden Gleichnisse. Das wird er denn auch 
zuerst und deutlich hervorgehoben haben, wie es zum Teil 
in V geschieht. Die Hauptsache also — das Tertium, dass 
die Löwin , wie die Hündin , um ihre Jungen bangt äg xig 
7C€Qi TcoQTa'M fit^TrjQ und wesswegen die Gleichnisse heran- 
gezogen wurden, ist durch die Lesart in B did to xoq- 
TBQov xai TO laxvQOv und äid to TajtetvoreQOv ^ev Of^wg de 
•^aqaakiov verdunkelt. Weil ich nun weiss, dass es unser 




— 104 — 

librarius mit Citaten nicht genau nimmt, dieselben entweder 
ganz weglässt oder je nach Bedürfiiiss umändert, muss ich 
der Fassung in V den Vorzug geben und sie für die ur- 
sprüngliche halten. 

r 448 heisst es von Paris und Helena 

Ttj fiev ag' SV TQtjrolai naTevvaad-ev Xexeeoaiv, 

B bemerkt dazu : iTct (jlsp Tuiv d^ioxQeiov yd/iwv evvrjv xai 
q)tlatr]7;a ovofici^eif erci de IlrjvsXoTtrjg nat ixXeov tl ,,A€X- 
TQolo TtahxLOv &ea(x6v'' (ip 296) , stii de tcjv naqavoiKav 
f.i6vr]v ^T^iv aal noiTrjv : — 

Man sieht sich bei dem Dichter vergeblich in Betreff 
der ycfioi Ttaqavofxoi nach der filzig und Y.oiTri um ! Sie 
existiren nur im Kopfe unseres Schreibers. V liest da : int de 
TtaqavofjLWv naQiaai ry (an rj ?) nQuirov efitayov ro naqoid-ev. 
Wenn wir das richtig zu emendiren verstehen, so haben wir 
wohl auch hier wieder die ursprüngliche Fassung. Es sind 
wieder 2 Citate: für naqiaai ist y^nagiavcov^^ zu lesen (/ 336), 
die andere Stelle bezieht sich auf v 7 at fi.vriatiiQaiv if^ia- 
yiaKOVTo TtaQog tvbq (TtaQoid-ev), So spricht der Dichter 
von den ydfiOL TtaqavofjLOi, 

Von dem getöteten Lykaon sagt Achilleus (Z> 123 

oide OB f-iijtifjQ 
ev d-sfjievr] XexEeaai yorjaerai. 

B bemerkt dazu: iTtet TtoXkd Tcegl Trjg ^rjTQog nqovßdXeto 
sxelvog^ ort wqala ycat nXovaia t]Vj ovrog äarceq vneQ- 
ef47ii7tXd(.ievog rrig elg rovg noXe^iovg xoXdaewgy g)rjaiv ori 
ovde eTLclvr] ool iTtixdQijoeTai^ olovei naxeivrjv TifiwQovfievog 
ät' avTOv : — Man sieht sich in der vorausgehenden Rede 
des Lykaon vergeblich nach den der Mutter hier beigelegten 
Prädicaten wQaia und nXovaia um : das erstere wäre geradezu 
abgeschmackt in dem Munde des Sohnes. V hat da folgen- 
des Scholion : 



— 105 — 

ircet TtoHa TtBqt ir% fxrjTQog TVQOvßdXezo „f^ivw- 
d-dötov di (iB (irjxrjQ^^ (v 84) „T^g äs övw 
yevof^eod-a^^ (v 89), äajtBQ VTveQe/^THTtXdiievog r^g 
naxd TÜv TtoXefiitov noXdaecog tovto q^r^atv : — 

So sind also die 2 ursprünglichen CÜtate in falscher und 
verkehrter Weise umgeändert worden. 

T 377: 

Tovg d'ovx i&iXovtag aeilai 
novTOv g/r' Ixdvo&rca q)iXü)v ancLvevd-e q>iQOvatv 

erläutert V: ovyL icovraLj q>ijaiVf VTto Tuh nvoüv TrXrjaidaai 
^B yi* ^5 ^^* ^^' ^Odvaaecog : — Für das letztere 
(og — ^Oätooiiog ist in B die Allgemeinheit eingetreten: 
dW anovreg Ttslayi^ovrai. 

2 505 

ffxrinTQa de htjqvkcov ev x^Q^' ^X^^ rje^qxavwv 

V: avfiTtequq^eqov xd aniiTtTQa voig Xeyofiivoig , cog xai ol 
örjf^rjyoQovvTeg ' o&et^ nat ^Odvaaevg i'do^ev dfiad'rig elvatf 
Ott TO aurlTtTQov ov% ivwfxa {T 218) : — Wer gibt 
dem Schreiber von B ein Recht für die hier durchschossen 
gedruckten Worte zu sagen : fiij %iv(av vnd navovqyiag x6 
axfjTTTQov und dem Odysseus die navovqyia zuzusprechen? 

*F 305 heisst es von Nestor, der zu seinem Sohne An- 
tilochus spricht 

naxi]q de 6i dyyi TCaqaoxdg 
fivd-eiT^ elg dya&d q)QOve(üv voiovTi ycal avriT), 

B bemerkt dazu : enl ro ayad'ov avxov acoq)QOvl^o)v xat e/u- 
ßißa^fjüv elg xi^v vUtjv xal Tteql iTiTtixrlg öidday.(ov: — 
V bietet nun die Worte xai — diödayciov nicht, sondern 
hat dafür : xaAwg de TrQoöiddaxei 7iaQd (leg. Ttegi) r^g ^tt- 
/rtxi^ff, ev oato MrjQiovrjg evTQerti^etaL (vgl. v 351) : — 



— 106 — 

W 14 

liexä de aq^i &eTig yoov Xfxtqov wQoev 

erläutert B : Idaaro ro änQeneg xov xXaieiv ivo/rXovg OTQa^ 
ricirag Sia Tijg QsTidog, nai riQ^e f^ev t^q olficjyrjg y^xik-- 
Xevg , Ol de awip^w^av waneq evöSaifiov Xaßovreg Tcaigov 
V7t^ avTOv %al tvqotbqov ^t] xXavaavreg : — Die 
durchschossen gedruckten Worte fehlen wieder in V, wo ge- 
lesen wird : üoneq evdoaifxov hxßovrsg vn^ lixilXetag : — 
und mit Recht. Das Wort evööai^ov zu dem man fieXog 
oder Y.QOva(xa ergänzt imd welches das Vorspiel bedeutet — 
fiQXB S* lixiXkevg v 12 — hat der Schreiber nicht verstanden 
imd nun sich höchst unglücklich mit der Einsetzung von 
xaiQOv geholfen. 

<Z> 27 heisst es von Achilleus 

^lüovg ex Ttoxaiidio dvwdeyca ke^axo xovQOvg. 

Das erläutert V unter andern auch mit folgenden Worten: 
fjieyaXrjv de Ttjv i/ceQOxtjv nai did tovtov Ttaqlatriaiv j eTti" 
Xe^aa&ai avrov rovg alxficthjjtovg Keywv diovg xat oaovg 
ißovXero, eiva aal tovrovg avvdrlaat äoTCeq dvöqanoda Ttqo- 
Teivovrag zag x^^Q^S • — Dazu lesen wir in B noch den 
Zusatz : toLwv avwTtovqyovv avT(p oi etaiqoi iv TovTOtg 
TtaoL TO de oXov 'qv avxov. Aber das schlägt ja doch dem 
Vorausgehenden geradezu ins Gesicht! Man findet auch in 
den Worten des Textes dazu nicht die mindeste Veranlassung ! 
Auf 32 und 33 bezogen sind die Worte auch nicht richtig ! 

Hin und wieder wird man geradezu an christliche An- 
schauungen erinnert, die dann auf Rechnung unseres librarius 
zu setzen wären. So fehlt zu dem v ^772 

yvla d^ed^rpiev ehxfpqa^ nodag xal x^^^Q VTveQ&ev 

in V der Zusatz : i] deUvvaiv on roig ix i/^i;x^g atTOvai t6 
d-eiov xat vnkq o alrovvTai didotai : — 



— 107 — 

Noch mehr aber in dem Scholion zu E 127 

dxXvv d^av rot UTt* 6q>&aXfjLiav ekov^ ^ Trqlv s/rrjev 

wo V bemerkt: TtaidevTintig edoy^aTiaev ä^Xiv iumeyivö^ai 
Toig dvd-Qcinoig y otcioq del doKolfiev fj^lv Ttagearcvai ra 
^eiov : — Das letztere ist nun in B also gegeben : ortcjg det 
öoycoifiev iqfiiv TtaqeoTavai xov d'dvarov xal to d^eiov 
evxoifie^a : — Aber zu einer solchen Erklärung fordern 
doch am allerwenigsten die Worte des homerischen Textes 
heraus. 

Mehrfach habe ich auch den Fall beobachtet, dass in 
V Worterklärungen kürzer gefasst sind, wie in B. Ich ver- 
weise da nur auf einige Scholien. Die durchschossen ge- 
druckten Worte fehlen in V: 

r* 235 : dvTi xov yiyv(aG%u} xai fxvS-ovixai : — 
E 512 : %ov neKviawfiivov xal XeliTvaa/xivov : — 
E 670: ovvBTid&rjae, iprjalj nat awi^Xyriae Tip 
v&iQ(p : — 

V 37: avy:i€xvfji€vov xat Xvtvov fievov : — 

V 48 : anQiog did xov Ttei&d/^e&a xo jtQog ßiay 

xal TtaQo x6 deov dtjXol : — 

V 234: xüv ydq Xvnovfiivwv eTttnoXaiog nat ev- 

didXvxog 6 VTCvog : — 
^F 466 : dnexvxe, q)r]otf xov sXi^at aal avoxQe- 

xpai xovg %7V7tovg : — 
^ 483 : TLaxoXoye^ xaxd ertiXoyi^o^eve : — 
^ 486: f^dqxvgay avvd'rjxoqwXaxa : — 

V 583: XeTtxrjVy iftifdi^xi^, ^^P'*^^^'^^*' • — 

V 695: V 6 flog ydq iaxt nat e&og axQi xat vvv 

xo //i] Tteoovxa TtXrjaaeiv : — (V : xal axQi 
vvv xo e&og . • .) 
X 504 : Travxodancüv XQoqxSv xal ideaiidxcov : — 
V: ridvofidxwv. 



— 108 — 

O 380: auXrjQiog TVTtxeiv %al ßloTCT eiv : — 
O 473: iiixox&ov aal aXvTiov : — 

Y 157: €KQadalveTOf iaeieto, €ifj6q)ei : — 

Y 183 : xovcpog aal davverog tj^v cpqeva : — 

Aber prüfimgslos darf man dergleichen nicht in eine 
Sammlung aufiiehmen. Entschieden falsch sind die Worte 
z. B. 2 1. 

In diesem Scholion liest B unter Anderm : nat yaq xriv 
(JLCLXTjv xavaTSiQccv Xiyet aal efinvQOv. Aber wo spricht 
Homer von einer /ua^'? s^^wqoq? Dieses Wort fehlt daher 
ganz richtig in V und för navaveiQav hat er navareigi^v. 

Es sind mir ferner auch mehrfach Zusätze in B aufge- 
stossen, die man als selbstverständlich und nichtssagend sehr 
leicht entbehren kann. F 165 : 

di ^01 iqxoQfirjaav noXefiov noXvdanQw l/ixaiüv 

B: ef.iq)aPTi:iCüg ano xüv d-rjQevTiKciv nvvaiv q)r^al ro Bffdq" 
fATjaav, d^Xov d'^oxi xovg ''EXXr]v6g q)rjaiv : — die 
Worte dijXov d'ort — q)r^aiv — fehlen in V und wer ent- 
behrt nicht leicht einen solchen Zusatz ? So auch J? 55 : 
da&evi^g ydq ij ßoXfi Tlavddqovj ijv sßXr^&t] Mevehxog : — 
^v ißXfj&ri MeviXaog ist doch überflüssige Weisheit. ^218 
fehlen in V die Worte: eldcig ndaoe, r^TOi eudi^f^iov oiv. 
Das Wort evdruicov konnte ich nirgends finden. 

Ganz beiremdlich klingt der Zusatz zu dem Schol. J 
117: fieXaivdiüv de otl ixeXaivovxat aX adqKeg tüv cx ttc- 
(paQficcKevfiivwv ßXri&ivTiov oCatwv wg ro „^eXaivero 6i xQocc 
TcaXov^^ {E 354) : — Wie kann bei Homer von 7teq>aq^a- 
TtevfAevoi oiaioi die Rede sein ? 

Beachtung verdienen auch die Zusätze, welche in B an 
die Stelle von lemmata getreten zu sein scheinen. So lesen 
wir in V die folgenden Schollen: 



— 109 — 

E 511: ij yoQ ^a niXev /1 avaoiatv aQrjywv: 
ni&avwg xovro , %va /iij TrQokdßfj iy d'eO' 
fiaxict : — Dafür bietet B: md'avüg avToi 
Ttjg ddixiag nQoaQxovaiv, IVa . . . . : — 
K 272: deivola^v: l'ocog did Tr]v ycavdTtXr^^iv rrjg 
fVQogdoxwiJevrjg äi* avTwv Xad-gaiag nqd- 
^ecog : — Dazu fügt B noch ti^v deivoTTjTa 
röig OTtloig jiQogrjilfev : — 
K 360: 10 g d^ove ytaQxccQodovTe: did t6 dyQev- 
TVKOVy 7t Qiiiriv äi kiovai did t6 evazad^iq : — 
Das giebt B: vvv fjiv xvalv avxovg ely(.aC^Bi 
did ro dyQBvTiytov . . : — 
K 428: TtQog ^ev dXog Kogeg: Ttqog avynQiaiv 
rrjg Qvfißgrjg , . : — Da setzt B noch hinzu 
TTQogzi&eiTai rd dXog. 
K 560: 7t dvTag dqiax ovg\ ov ydq av ovvenoi- 
fiüvto Ti^) ßaaiXei : — Dafür B : ov ydg av 
avvey,oif,UüvTO t(^ ßaaikeiy el fii^ agiatoi eriy- 
Xavov : — 
Es ist sehr schwer über solche ausserordentlich häufig 
sich wiederholende Fälle endgiltig zu entscheiden. Doch 
sehe ich da nur 2 Möglichkeiten gegeben : entweder standen 
diese Zusätze schon in der ältesten Vorlage dieser Schollen 
und wurden sobald man die Scholien an den Rand einer 
Handschrift mit eigenen lemmata herüberschrieb weggelassen 
oder sie wurden später von einem Schreiber, der keine lem- 
mata setzte und den Bezug der Scholien durch Buchstaben 
andeutete, auf eigene Faust hinzugesetzt. 

Zu der letzteren Annahme wird man gedrängt, wenn 
man die SchoUen zu ^ 293 vergleicht. 

%(^ d^ag* ht* lixQBiörjg wqto ^av&og MeviXaog 

wird in V erläutert: wqto ^av&og Mevilaog: eig ti- 
firlv ^x^^^Q* ixTOTtog di riv r^aacof^evog 6 ^yafAifxvcov. to 



— 110 — 

de fjLrjöiTBQOv Toiv ßaoiXiiov dyojviaaod'ai aitQeneg : — bei 
Villoison und Dindorf lesen wir das Seh. von B also : eiq 
TifXT^v i/x*AÄ6£t>g hl ßaaiXelg äyiovl^ovtai. axonov de ijy, et 

Aus der Fassung beider Scholien ergiebt sich klar, dass 
die Worte ol ßaoiXetq äytovi^ovTai falsch sind. Es kann 
hier nur die Rede sein von Menelaos und das ist auch in V 
durch das lemma deutlich genug angedeutet. Nun ist es 
nicht unwahrscheinlich, dass B ein Scholion mit demselben 
oder ähnlichem lemma vorlag: dieses liess derselbe dann weg 
und machte den falschen Zusatz, wenn nicht etwa in der 
Hdschr. 6 ßaaiXevg ayiovi^erai steht, oder man es vorzieht, 
Oi ßaaileig dycovi^owat zu lesen, weil das eine Pferd des 
Agamemnon sich am Wettkampf beteiligt. *) 

Nur in verhältnissmässig wenigen Fällen erfahren die 
scholia Victoriana eine Bereicherung durch die Scholien des 
Venetus B : aber dass man diese Zusätze der Handschrift 
nicht alle prüfungslos annehmen darf, glaube ich an einer 
Beihe von Scholien im Obigen gezeigt zu haben. Die Kritik 
sieht sich hier noch eine schöne imd lohnende Aufgabe ge- 
stellt, auf die wir um so weniger verzichten dürfen, als wir 
durchaus nicht das Heil einer neuen Scholienausgabe in dem 




*) Darüber zu entscheiden ist um so schwieriger, weil die Frage, 
ob der Victorianus eine Abschrift des Townleanus ist, für mich noch 
eine offene ist. Mit dem bis jetzt vorliegenden Material lässt sich 
durchaus nicht mit der wünschenswerten Sicherheit in der Frage ur- 
teilen. So sind mir mehrfach in V lemmata aufgestossen , die nicht 
aus dem Texte des Townleanus stammen können, weil er verschieden 
ist, und auch nicht aus den vor den Scholien stehenden lemmata der- 
selben Handschrift, weil, wie uns versichert wird, in jenem Codex 
vor den Scholien keine lemmata stehen. 

Man wird also vorerst ruhig abwarten müssen, bis Dindorf uns 
jene wichtige Handschrift, hoffentlich mit der nötigen Genauigkeit, 
Vol. V u. VI bieten wird. 



— 111 — 

blossen Abdrucke von Scholienhandschriften erblicken können. 
Allerdings ist dieser Modus für einen Herausgeber bequemer 
und leichter, als das in den verschiedenen Handschriften vor- 
liegende Material genau und gewissenhaft zu prüfen und 
darnach bestinmit und scharf sich über den Wert oder Un- 
wert der einzelnen Codices auszusprechen. Das ist nun hier 
zum ersten Male versucht worden und zwar an einer Hand- 
schrift, die bisher in den Augen der gelehrten Welt für die 
exegetischen Scholien der Dias unbestritten die erste Stelle 
«innahm und demgemäss auch von Dindorf behandelt wurde. 
In wie weit es mir gelungen, mit den ehrlichen WaflFen 
gewissenhafter Kritik dieselbe aus dem angemassten Platze 
zu verdrangen, vermag ich nicht zu beurteilen. Mag man 
immerhin über Einzelnheiten streiten, allmählig wird und 
muss man sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass die 
exegetischen Scholien der Hias in der Venediger Handschrift 
alle jene Veränderungen erfahren haben, die wir im Obigen 
angeführt. 

Den Scholien der ursprünglichen Vorlage steht der 
Victorianus entschieden näher, als der Venetus B und die 
mit ihm verwandten Codices. Diese ursprüngliche Vorlage 
hat, um am Schlüsse die Resultate unserer Untersuchung zu- 
sanunenzufassen, nun in B folgende Veränderungen erfahren. 

1) Die Scholien wurden am Anfang, in der 
Mitte, am häufigsten aber am Schlüsse 
durch Hinweglassung von Varianten, 
Citaten, Erklärungen und Bemerkungen 
verkürzt. 

2) Viele nicht zusammengehörende Scholien 
wurden oft auf ganz ungeschickte Weise 
miteinander verbunden und dadurch ent- 
weder total unverständlich oder ihrer 
ursprünglichen Beziehungen entkleidet. 




- 112 — 

3) Sowohl dadurch, wie durch willkürliche 
Interpolation, ungeschickte ümredi- 
girung wurde der ursprüngliche Text 
der Scholien vielfach alterirt. 

In letzterer Beziehung wird man sich immer folgende 
Fälle klar vor Augen halten müssen: 

a) Bei der Verkürzung dieser Scholien wur- 
den vielfach die ursprünglichen Worte 
der Vorlage in falscher und verkehrter 
Weise umgeändert oder durch platte All- 
gemeinheiten verdrängt. 

b) Um die Verbindung der Scholien zu be- 
werkstelligen, sah sich der Schreiber 
genötigt, entweder fremde und unge- 
hörige Worte einzusetzen oder signi- 
ficante, die seine Verkleisterung hät- 
ten stören können, hinwegzulassen. 

c) Die ursprünglichen Worte der Vorlage, 
die der Schreiber nicht verstand, sind 
durch Interpolationen entstellt und ver- 
drängt worden. 

d) Die richtigen Worte seiner Vorlage sind 
von ihm in verkehrter Weise umredigirt 
worden. 

Damit ist freilich das Sündenregister dieses librarius 
noch nicht vollständig: aber nach diesen 4 Gesichtspunkten 
wird man bei der Kritik dieser Scholien verfahren müssen 
und die Mehrzahl der Fehler lässt sich leicht und überzeugend 
darnach erklären. 

Da stehe ich nun freilich in Widerspruch mit Dindorf 's 
festem und bestimmtem Urteil (Vol. III. Praefat. pag. IX.) : 
9 Interim ego idem, quod in scholüs codicis Veneti A sepa- 
ratim editis consilium secutus curavi, ut alterius quoque 



V • 



— 113 — 

codicum generis exemplum primarium, quod praebet 
codex Venetus B, quam punssimum neque ex aliis co- 
dicibus interpolatum exhiberem, quibus ita tantum 
usus sum, ut ex iis librariorum in codice Veneto errores, qui 
nee multi nee graves sunt, corrigerem.'* 

^Errores, qui nee multi nee graves sunt." — Auf jeder 
Seite kann man ja die schlagendsten Beweise vom Gegenteil 
finden und ich glaube, dass sich auch Dindorf in der Be- 
ziehung keiner Täuschung mehr hingeben wird. Ist er ja 
doch zum Teil durch das bisher allgemein geltende Urteil 
entschuldigt und bin ich ihm ja ausserdem zu Dank ver- 
pflichtet, dass er mir durch die Vorführung dieses exemplum 
primarium, das er uns quam purissimum gegeben, die Mög- 
lichkeit verschafft; hat, ihn erst auf die vielen und schweren 
Fehler jener Handschrift aufinerksam zu machen ; denn dass 
Dindorf nun alle die guten Zusätze imd Bemerkungen des 
Townleanus und Victorianus für interpolata halten und dem- 
gemäss die Auctorität des Venetus B noch hochhalten wird, 
das glaube ich denn doch nicht annehmen zu dürfen. Es 
wäre dies ja geradezu die Verkehrung des Standpunktes, wie 
wir nach Allem ihn uns denken müssen. Man lasse sich da 
ja nicht täuschen durch das angeblich so bestimmt fixirte 
und feststehende Alter der Handschriften ! Wir müssen uns 
die Sache doch vielmehr so denken: 

1) Die wörtliche Uebereinstimmung vieler 
Scholien in beiden Handschriften weist 
auf eine und dieselbe Vorlage hin. 

2) Diese Vorlage. enthielt ausser den exe- 
getischen Scholien auch Varianten zu 
dem Texte und Auszüge aus den Werken 
der Aristarcheer. Davon hat uns V mehr 
erhalten als B, der dieselben nur hin 

und wieder berücksichtigt. 

8 



— 114 — 

3) Diese ursprüngliche Vorlage ist in bes- 
serer Gestalt erhalten in V als in B, wo 
die Scholien aus Bedürfniss der Hand- 
schrift oder aus irgend einem andern 
Grunde Verkürzung, Cont aminirung und 
zum Teil auch Umredigirung erfahren 
haben; denn es ist undenkbar, dass der 
librarius des Townleanus oder Victorianus 
von sich aus alle jene Varianten, Citate 
etc., die in B fehlen, erfunden habe. 

4) Nur vielleicht zu manchen geographi- 
schen Mitteilungen, die in B fehlen, be- 
nützte der V. eine Quelle, die B nicht 
hatte. 

5) Für die Scholien des Porphyrius, die 
ausführlich von zweiter Hand an den 
Rand des Codex geschrieben sind, ist der 
Venetus B die wichtigste, ja vielleicht 
die Haupthandschrift. 

Ganz gleichgiltig für die Sache ist es, ob die in der 
Untersuchung berührten Fehler nun gerade von dem librarius 
des Venet. B ausgegangen sind. Ich musste mich natürlich 
an ihn halten , einmal , weil diese Handschrift bisher als 
die beste galt und weil die Heranziehung anderer Codices 
bei der ünzuverlässigkeit der Collationen oder dem gänz- 
lichen Mangel derselben nicht möglich war ; dann werden 
wir wohl auch überhaupt verzweifeln müssen, den Urvater 
aller der gezeigten Fehler je aufzufinden. Darum musste ich 
mich an den Venet. B halten, der bisher als der beste Reprä- 
sentant der exegetischen Scholien der Ilias galt. Derselbe 
steht nun weit unter seinem Ruf, ja er ist vielleicht noch 
schlechter, als ich ihn zu machen versucht habe. 

Allerdings muss ich der Kritik gegenüber meinen Stand- 



— 115 — 

punkt dahin fixiren, dass ich unter exegetischen Scholien der 
Hias nur die verstehe, die wirklich eine Erklärung gehen 
oder doch versuchen , dagegen alles allgemeine und vage 
Gerede, das über eine ungeschickte Umschreibung dessen, 
was im Buche steht, nicht hinauskommt, als ungehörig 
zurückweise, mindestens für schlecht halte. Ich denke nun 
freilich über diese exegetischen Scholien der Ilias nicht be- 
sonders hoch — nur eine Seite derselben hatte immer meinen 
Beifall — , aber andererseits urteile ich auch nicht so gering 
über sie, dass ich mich mit dem reinen Nichts begnügen 
könnte. Da weiss ich denn doch zu gut, dass das eben 
nicht Scholien, nicht einmal schlechte sind, sondern müssige 
Erfindungen unfähiger Schreiber, die mit den ursprünglichen 
Scholien gar nichts zu tun haben. Damit hat man leider 
bisher viel zu wenig gerechnet. Man wird femer auch 
rechnen müssen mit den oflFenbaren Tatsachen, die eine Ver- 
gleichung beider Handschriften lelirt : der Verkürzung und 
Contaminirung und damit ist doch das sicherste Kriterium 
gewonnen zur Beurteilung aller derjenigen Handschriften, 
die dem Venet. B ähnlich oder verwandt sind. Und wenn 
nun diese Untersuchung Einiges zur AufiSndung des richtigen 
Weges, auf welchem wir endlich einmal zu einer guten und 
brauchbaren Ausgabe dieser Scholien kommen, beigetragen 
hat, so hat sie ihre Aufgabe vollständig erfüllt. 



Register der behandelten Schollen. 





Seite 




Seite 




i 


Seite 




Seite 


B 225 


69 


J 319 — 


19 


10 




55 


K 258 


54 




^^yv 


339 - 


6 


104 




73 


272 


— 109 


r 6 


— 29 


339 — 


57 


165 




64 


274 


12 


18 


20 


398 


94 








291 


18 


22 


68 


413 — 


101 


i 14 




74 


299 


31 


41 


— 92 


422 — 


43 


626 




74 


303 


59 


136 


— 5 


457 


17 


K 5 




31 


315 


12 


140 


— 44 






16 




56 


321 


31 


148 


29 


E 55 — 


108 


32 




58 


323 


31 


164 


— 93 


83 — 


6 


39 




11 


335 


18 


165 
180 


108 
43 


92 
127 


28 
107 


75 
85 
122 
124 
138 
140 
141 
151 
151 
158 
164 
192 
206 
233 
243 




X X 

32 
35 
32 
8 
33 
36 
24 
53 
58 
28 
25 
36 
33 
36 
37 


350 
360 


— 60 

— 109 


201 
221 
235 
242 

448 

J 24 
49 
87 
117 
127 
132 
133 
151 


41 
96 

107 
55 

104 

25 
27 

— 98 
108 

— 17 
19 
19 
94 


128 
141 

153 — 
171 — 
407 — 
477 — 
511 — 
512 
542 — 
670 — 
736 ~ 
778 — 
803 — 


94 

51 

57 

51 

45 

23 

109 

107 

95 

107 

85 

87 

70 




369 
378 
387 
389 
415 
422 
427 
428 
433 
436 
450 
475 
499 


61 
30 
30 
61 
33 

— 33 
37 

109 
37 
26 

— 25 

9 

— 67 


218 


108 


Z 450 


71 


247 




35 


500 


— 32 


228 


— 50 






249 




59 


510 


- 35 


236 


— 100 


H 332 — 


72 


255 


— 


26 


515 


— 28 


249 


— 18 


433 — 


62 


257 


— 


45 


524 


— 10 



J 



— 317 — 

Seite Seite Seite Seite 

K 559 — 67 -T 410 — 15 ^' 10—18 ^ 466 — 107 

560 — 109 505 — 105 14 — 106 468 — 30 

567 — 29 21—24 483 — 107 

r 21 — 15 24 — 27 485 — 27 

N 367 — 46 ö^ — ^^ 30 — 37 486 — 107 

274 — 48 91—80 33 — 33 . 502 - 12 

473 - 76 175 - 102 37 _ ^^^ 523 __ ^3 

48 — 107 537 — 38 

S 487 - 5 282 - 102 53 __ ^g g^g _ 34 

510- 98 284- 7 79-34 568- 27 

P 4-103 lll " !i 90 - 34 583 - 107 



21 — 


15 


89 — 


15 


91 — 


80 


175 — 


102 


208 — 


65 


282 


102 


284 — 


7 


288 — 


81 


325 — 


66 


377 — 


105 


33 — 


82 


84 


83 


157 — 


108 


180 


88 


183 — 


108 


332 — 


86 



24 _ 97 "*'' "" ^"^ 120 - 27 612 - 38 

53-76 y 33- 82 ^^^ - ^^ ^^2- 13 

146 — 77 84 — 83 ^^^ "" ^^ ^^^ ~ ^^ 

434- 25 li^7-10ft 173- 24 . 692- 29 

184 — 24 695 — 107 

1 — 108 133 __ 103 234 — 107 697 — 32 

71 — 77 332 _ OQ • 243 — 27 720 — 38 

82 — 78 248 — 23 743 — 13 

110—7 4> 27 — 106 288 — 89 767 — 29 

117—14 123 — 104 293 — 109 772 — 106 

266 — 78 380 — 108 ^01 -^ 38 806 — 19 

275 — 21 473 __ 108 304 — 34 840 — 95 

307 — 79 305 — 105 885 — 35 

312 — 80 X 452 — 84 336 — 38 

372 — 99 489 — 84 452 — 23 ß 52 — 8 

378 — 14 504 — 107 462 — 30 



Akademische Buchdruckerei von F. Straub. 



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